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KOLUMNE /

Aline Trede

20.02.2015 | 06:30

Mit einer Gruppe FeministInnen hat Kolumnistin Aline Trede die Online-Petition «sexistische Berichterstattung stoppen» lanciert. Eine Thematik, die wir ernst und annehmen sollten.

Ihr habt wohl alle vom mutmasslichen sexuellen Übergriff in Zug gehört oder gelesen. Seit dem 24. Dezember 2014 macht unter dem Etikett «Sex-Affäre» dieser mutmassliche sexuelle Übergriff in den Schweizer Medien Schlagzeilen. Die Art und Weise der Berichterstattung ist medienethisch mehr als nur bedenklich. Deswegen haben wir die Online-Petition «Frauenfeindliche Berichterstattung stoppen!» lanciert.

Wir, das ist eine lose Gruppe von FeministInnen aus dem Raum Bern, die sich gegen die frauenfeindliche und gewaltverharmlosende Berichterstattung im Zusammenhang mit der mutmasslichen Vergewaltigung der grünen Kantonsrätin Jolanda Spiess-Hegglin zur Wehr setzt.

Verharmlosung von Taten

In der Forschung wird das, was in der Schweizer Presse seit Weihnachten läuft, mit dem Begriff der «Rape Culture» bezeichnet: Sexualisierte Gewalt und Vergewaltigung sind verbreitet und werden in medialen Darstellungen immer öfter normalisiert. Berichterstattungen unter dem Titel «Sex-Affäre» anstelle von (mutmasslichen) Vergewaltigungen bekräftigen die Mechanismen der Normalisierung der Gewalt gegen Frauen und suggerieren einvernehmlichen Sex zwischen den Personen. Die Konsequenz daraus ist die gesellschaftliche Verharmlosung von Taten und die voreilige Beschuldigung der Opfer. Werden diese in Presseberichten der Lächerlichkeit preisgegeben, fördert dies das Potential für weitere Übergriffe.

Unserer Meinung nach müssen sich die Gesellschaft und explizit auch die Medienschaffenden mit diesem medienethischen Thema auseinandersetzen und diese niveaulosen Diskussionen stoppen. Es kann nicht sein, dass Opfer zu Täterinnen gemacht werden. Das muss aufhören und zwar sofort.

Nicht zur Normalität werden

Auch sonst kommen Frauen prozentual extrem viel weniger in den Medien vor als Männer. Das sollte den Medienschaffenden, die auch vorwiegend Männer sind, zu denken geben. Wäre nicht mal ein Umdenken angebracht?

Leider wollten sich die wenigsten Medien mit unserer Petition und unserem Anliegen auseinandersetzen. Das hält uns jedoch keineswegs davon ab, weiter dagegen anzuschreiben und anzukämpfen.

Ich habe nach der Lancierung der Petition immer wieder gehört: Ja, aber in diesem Fall Zug, da weiss man ja jetzt wirklich nicht, was wirklich wahr ist und was nicht. Die Antwort darauf: Schlussendlich spielt es keine grosse Rolle, was wirklich war und was nicht. Die Medienberichterstattung war klar unter aller Sau. Punkt. Und dagegen können sich alle wehren, egal für wen oder was sie Partei ergreifen wollen. So geht in dieser Gesellschaft einfach niemand mit Menschen um und zerstört Menschen, Familien, Umfelder und (politische) Karrieren. Das darf nicht zur Normalität werden.

Auch im Wissen, dass Beweise zu finden schwierig werden wird, ich stehe hinter Jolanda, egal was passiert. Und ein Recht auf Opferschutz hat sie alleweil. Gerade auch von den Medien.