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Sagt, was Bern bewegt
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KOLUMNE /

Aline Trede

23.01.2015 | 06:30

Immer mehr Nachtzüge werden gestrichen, auch von Bern aus. Diese Entwicklung ist falsch, findet Kolumnistin Aline Trede und hat nun mit der Organisation umverkehR eine Petition lanciert.

Wollen wir wirklich das Aus für die Zugvögel? Wollen wir wirklich nur noch billig irgendwo hinjetten und warten, bis die Seele hinterherkommt? Wollen wir wirklich keine Wahl mehr haben, zwischen Flugzeug und Zug? Ich glaube nicht. Nach meinem ersten Vorstoss im Nationalrat zu Nachtzügen habe ich sehr viele Rückmeldungen bekommen, dass dies wichtig sei. Dass Nachtzüge erhalten bleiben müssen, dass wir die Wahl haben wollen.

Jetzt sind nur noch sieben direkte Verbindungen aus der Schweiz ins Ausland übrig geblieben.

Aline Trede

Vor wenigen Jahren war die Schweiz noch das Herz der europäischen Nachtzugverbindungen, mittendrin Bern. Mehrere Nachtzüge fuhren direkt ab Bern ins Ausland. Jetzt sind nur noch sieben direkte Verbindungen aus der Schweiz ins Ausland übrig geblieben. Und ich befürchte weitere Streichungen. Darum will ich mit umverkehR und anderen Organisationen mit einer Petition den Nachtzug vor dem Aussterben retten. Auch im übrigen Europa laufen derzeit verschiedene Initiativen, um klimafreundliche Verkehrsverbindungen zu sichern und auszubauen. Die Petition ist an Bundesrätin Doris Leuthard und SBB-CEO Andreas Meyer gerichtet und fordert sie auf, den Nachtzug zu retten, denn sonst stehen Zugvögel in der Schweiz bald auf dem Abstellgleis.

Gerade letzten Winter wurde der beliebte Nachtzug nach Kopenhagen gestrichen, trotz Widerstand aus der Schweiz und Dänemark. In den letzten Jahren haben die SBB wichtige Nachtzugverbindungen nach Europa eingestellt oder bzw. nichts gegen die Einstellung unternommen. Zu den still gelegten Linien zählen nebst Basel – Kopenhagen auch Bern – Brüssel (2003), Zürich – Rom (2009), Zürich – Barcelona (2012) und Basel – Moskau (2013).

Nun hat die Umweltorganisation umverkehR, deren Co-Präsidentin ich bin, eine Petition zur Rettung der Nachtzüge lanciert mit dem Inhalt: Die sieben bestehenden Nachtzuglinien zu erhalten und die bereits gestrichenen Linien – namentlich die Verbindungen nach Rom, Barcelona, Moskau und Kopenhagen – wieder in Betrieb zu nehmen. Bundesrätin Doris Leuthard soll zudem eine Strategie für den internationalen Schienenpersonenverkehr ausarbeiten.

Die Förderung der Nachtzüge ist ein Gebot der Stunde.

Aline Trede

Es gibt viele Gründe für Nachtzüge, drei möchte ich besonders hervorheben:

• Klimaziele: Die Förderung der Nachtzugverbindungen ist mit Blick auf die Klimaziele des Bundes ein Gebot der Stunde und nicht nur ein «nice-to-have». Die Reise mit dem Zug von Zürich nach Berlin verursacht zum Beispiel nur einen Drittel der Kohlendioxid-Emissionen und weniger als zehn Prozent der Stickoxid-Emissionen und verbraucht weniger als die Hälfte der Energie des Flugverkehrs.

• Freie Verkehrsmittelwahl: Ein attraktives internationales Angebot im Schienenpersonenverkehr kann mit dem Flugverkehr mithalten und gewährleistet eine freie Verkehrsmittelwahl.

• Hohe Nachfrage: Die Nachfrage nach Nachtzugleistungen ist nach wie vor hoch. Ein gut ausgebautes Nachtzugangebot erhöht die Standortattraktivität und hat gerade in grösseren Städten und Ballungszentren Potenzial. Unter fairen Wettbewerbsbedingungen können Nachtzüge wirtschaftlich betrieben werden. Und wir wissen nicht, wie schnell das Fliegen wieder teurer wird.

Helft mit, die Nachtzüge zu retten und unterschreibt die Petition. Und schreibt mir eure Meinung, findet ihr Nachtzüge brauchts oder ist es ein Gezwänge und altmodisch?