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Alle haben dazu gelernt

Aus den Quartieren

Achtung, gute Nachrichten: Seit fünf Jahren treffen sich Quartierkommissionen und Stadverwaltung zum Austausch. Diese Treffen fördern Transparenz und gegenseitiges Verständnis. So werden partizipative Prozesse gestärkt.

Vor genau fünf Jahren wurden die Quartierkommissionen aller Stadtteile beim Stadtpräsidenten vorstellig, um ihren Unmut über die mangelhafte Zusammenarbeit mit der Verwaltung auszudrücken. «Um den laufend gewachsenen Ansprüchen gerecht zu werden, brauchen wir die Unterstützung und Zusammenarbeit der Stadt und deren Verwaltungsstellen. Es gibt zwar auch vorbildliche Abläufe aber leider erleben wir oft auch Gegenteiliges, was zu Frustrationen und Unmut führt», schrieben sie damals.

Die Kommissionen führten als Beispiele einige grössere Kommunikationspannen an wie das unselige Sportkonzept, dem ohne Vorwarnung zwei wichtige Sportanlagen (Ka-We-De und Weyermannshaus) zum Opfer fallen sollten oder das Turnhallendebakel in der Länggasse.

Weitere Forderungen waren: Mehr Rücksichtnahme auf die speziellen Entscheidwege der Quartierorgane, weniger knappe Mitwirkungsfristen, die Tatsache, dass man immer erst zu fertigen Projekten Stellung nehmen sollte, statt des Einbezugs zu einem sehr frühen Zeitpunkt, wo Weichen noch gestellt werden können.

Seither haben alle dazugelernt

Seit Juni 2010 sind die Leitungsorgane aller Quartierkommissionen zwei Mal im Jahr an die Konferenz der Direktionssekretariate eingeladen. Beide Seiten bereiten sich auf diese Treffen vor. Die Direktionen berichten über die in nächster Zeit anstehenden Projekte, über Terminpläne und politische Abläufe.

Die Quartierkommissionen geben ihrerseits vorher jeweils eine gemeinsam erarbeitete Liste ab, zu welchen Themen sie gern diskutieren oder Auskunft haben möchten. Mehrheitlich betreffen diese alle Quartierkommissionen, aber auch musterhafte und grössere Planungen in den einzelnen Stadtteilen werden traktandiert.

Kommunikativer Quantensprung

Heute darf man sagen: Der systematische Austausch zwischen Direktionssekretären und den QuKo-Gremien hat sich bewährt. Die regelmässigen Treffen sind effizient, dienen der Koordination von Vorhaben der Verwaltung in den Stadtteilen und verhindern Kommunikationspannen. Man kennt die gegenseitigen Ansprechpartner, was Vertrauen und Respekt für die jeweilige Arbeit gefördert hat.

Die durch die Treffen erreichte Quersicht schafft Transparenz. Best-Practice-Beispiele werden ebenso vorgestellt und gelobt wie auch Pannen und negative Erfahrungen auf den Tisch kommen. So hat der kommunikative auch zu einem qualitativen Quantensprung in der Zusammenarbeit mit der Verwaltung geführt, von dem beide Seiten gleichermassen profitieren.

Aktuelle Geschäfte

Einige der Geschäfte, die an diesen Treffen diskutiert oder aufgegleist wurden: neue und transparentere Finanzierung der Quartierkommissionen, frühzeitiger Einbezug und genügend Diskussionszeit für Stellungnahmen, Korrektur Sportkonzept, Neustart Turnhalle Länggasse, Wettbewerbe Burgernziel, Warmbächli, Feuerwehrkaserne, Quartierschulen etc.

Klar, Entscheide fallen nicht in dieser Runde, aber schon die konsultative Vorbereitung und die Terminkoordination zeigen mögliche Knackpunkte zwischen Verwaltung, Bevölkerung und Politik zuverlässig auf.

Friede Freude Eierkuchen?

Natürlich gibt es in der Sache und einzelnen Geschäften immer wieder harte Diskussionen mit der Verwaltung. Die Treffen zwischen Direktionen und Quartierorganen sind in erster Linie ein Seismograf, um mögliche Schwierigkeiten früh zu erkennen. Die rechtzeitige Information kann helfen, die in den Quartieren aufkommenden Konflikte zu bearbeiten, bevor man sich allseits in Stellungen verschanzt.

Ein Wundermittel gegen das grosse Messerwetzen in hochpolitischen Geschäften ist sie sicher nicht, aber ein gutes Beispiel dafür wie mit allseits gutem Willen eine unspektakuläre aber nachhaltige Verbesserung des Zusammenarbeitens und eine Stärkung der partizipativen Prozesse erreicht werden kann.