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Feuerwehrkaserne: Das Quartier will Mitsprache

Die Berner Berufsfeuerwehr verlässt am 6. Dezember die Kaserne am Viktoriaplatz und zieht in den Neubau im Forsthaus. Über das Wie-Weiter mit der Kaserne sind sich Stadt und Nordquartier noch nicht einig.

Wenn die Berufsfeuerwehr Bern aus der über achtzigjährigen Kaserne an der Viktoriastrasse auszieht, gibt’s Platz für etwas Neues. Doch was? Angedacht ist, auf dem Areal rund zwanzig Wohnungen zu bauen. Im denkmalgeschützten Kernbau sind laut Angaben der Stadt Bern «Dienstleistungsnutzungen» vorgesehen. Doch die Stadt und die Quartierkommission «DIALOG Nordquartier» sind unterschiedlicher Meinung, wie es im Detail weitergehen soll.

Mitgestaltung beim «Leuchtturmprojekt»

Derweil die Stadt Bern als Hauseigentümerin so schnell wie möglich einen Wettbewerb für Planer und Investoren lancieren will, baut die Quartierkommission vorerst auf ein verbindliches Nutzungskonzept. «Bevor über architektonische Fragen nachgedacht und ein Wettbewerb gestartet wird, bedarf es eines Konzepts für die quartiergerechte Nutzung des denkmalgeschützten Gebäudeteils», schreibt der DIALOG Nordquartier in einem Grundsatzpapier zum Projekt

«Vor einem Wettbewerb braucht es ein Konzept für die quartiergerechte Nutzung.»

DIALOG Nordquartier

Das Quartier solle das Basiskonzept für das «Leuchtturmprojekt Feuerwehrkaserne» mitgestalten, sagt Manfred Leibundgut, Co-Präsident der Kommission. Diese verlangt, dass alle Interessierten an einem öffentlichen Anlass Ideen einbringen, die dann zu einem stimmigen Konzept zusammengeführt werden können.

Nachhaltige Zwischennutzung

Im erwähnten Grundsatzpapier, das auch der Betriebskommission des städtischen Fonds für Boden- und Wohnbaupolitik vorgelegt worden ist, listet die Quartierkommission Vorschläge auf, wie die Kaserne dereinst aussehen könnte. Genannt werden etwa Projekte für Behinderte oder arbeitslose Jugendliche sowie kulturelle und gastronomische Angebote, die aus der Kaserne einen «lebendigen Treffpunkt» machen sollen. Insbesondere soll beim Neubauprojekt auf eine «Gewinnmaximierung» verzichtet werden; dies zugunsten von quartierverträglichen Zielsetzungen. Ein weiteres zentrales Anliegen ist dem DIALOG Nordquartier eine sinngebende Zwischennutzung, aus der sich allenfalls sogar eine nachhaltige Endnutzung ergeben könnte. Diverse Interessenten haben sich denn auch bereits bei der Quartierkommission gemeldet.

Seitens der Stadt möchte man jedoch nicht allfällige Zwischennutzungsentscheide abwarten, bevor der Wettbewerb lanciert wird. Spielraum für quartierverträgliche Lösungen stünden auch so noch genügend im Raum – Inputs, unter anderem aus einem Workshop, an dem Quartiervertreter auch teilgenommen haben, würden eh in die Ausschreibung miteinbezogen. 

Ein Ort, der verbindet

Nach der Vereinsversammlung von Anfang September hat nun der DIALOG Nordquartier einen Brief an die Mitglieder der städtischen Betriebskommission des Fonds verabschiedet. In diesem fordert sie die Stadt nochmals auf, das Wettbewerbsverfahren aufzuschieben, damit das Quartier von Anfang an voll mitreden kann.

«Unser Ziel: Die Feuerwehrkaserne wird zum Leuchtturm-Eingangsportal des Quartiers.»

DIALOG Nordquartier

Die Feuerwehrkaserne soll zu einer Art Eingangsportal für das Nordquartier werden, wo sich Kultur, Gewerbe, Dienstleister sowie soziale und schulische Angebote zusammenfinden – ein lebendiger Ort, mit dem sich die Menschen aus dem Quartier verbunden fühlen.

Obwohl man sich «kämpferisch» gibt, hofft man auf eine fruchtbare Zusammenarbeit mit der Stadt und darauf, dass man seitens der Beteiligten aus dem «Fall Migros Breitenrain» gelernt hat. 

Dieser Beitrag erschien zuerst im «Anzeiger für das Nordquartier» Nr. 18 vom 23.9.2014.