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Sagt, was Bern bewegt
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Spürbare Verbesserung für Berner Innenstadt

Aus den Quartieren

Das Tram Region Bern, über das wir Ende September abstimmen, lässt nur wenige kalt. Später werden wir über eine zweite Tramachse entscheiden. Dank dieser soll die Altstadt weiterhin über eine optimale Anbindung an den ÖV verfügen.

Das Tram und Bern sind schon seit langem eine gut funktionierende Partnerschaft. Seit einigen Jahren erlebt dieses Paar eine neue Blütezeit.

Vom Drucklufttram zur Elektrifizierung

Blenden wir zuerst zurück: 1890 nimmt das erste Drucklufttram den Betrieb auf. Bereits diese erste Tramlinie – sie ist drei Kilometer lang und verbindet den Bärengraben mit dem Bremgartenfriedhof – führt durch die Altstadt.

Das Stadtzentrum profitiert vom stetigen Aus- und Umbau des öV-Netzes. In den Anfangszeiten seines öV setzt Bern konsequent auf die Strassenbahn. Im Sommer 1901 nimmt das erste elektrische Tram den Betrieb zwischen dem Breitenrain und dem Burgernziel auf.

Etwa 30 Jahre später verfügt die Stadt über zwölf Tramlinien. Viele davon werden anschliessend von Bussen verdrängt, denn die Strassenbahn wurde damals zur Erschliessung der Vororte als zu teuer erachtet, weshalb die Stadt auf Busse setzt.

Wieder Siegeszug des Trams

Seit einiger Zeit findet in Bern ein Umdenken statt. Das Tram wird als effizientes, modernes, komfortables sowie umweltfreundliches Transportmittel wieder favorisiert. Vor vier Jahren nahmen zwei neue Tramlinien den Betrieb auf, womit es heute wieder fünf an der Zahl sind. Das neue Tram Bern West ist schon nach kurzer Zeit eine der meist frequentierten Linien der Stadt, eine wahre Erfolgsgeschichte.

Und schon steht ein weiterer Ausbau des Tramnetzes an. In einigen Jahren soll die überfüllte Buslinie 10 zwischen Ostermundigen und Köniz auf Trambetrieb umgestellt werden. Auf dieser Strecke verkehren mehr Menschen als auf allen Postautolinien im Kanton Bern zusammen.
Weitere Anpassungen bei der öV-Versorgung sind absehbar; denn die Mobilität steigt wohl weiter. Prognosen rechnen für die Stadt Bern bis ins Jahr 2030 mit einer Zunahme beim öV von etwa 60 Prozent.

Entlastung für Altstadt

Deshalb ist der Bau einer zweiten Tramachse für Entlastung und Erschliessung der Altstadt dringend nötig. Vorgesehen ist ihre Realisierung im Anschluss an Tram Region Bern. Mein Favorit ist die Variante Altstadt Nord über das Bollwerk, Speicher- und Nägeligasse. Dank dieser Entlastungsachse sollen dereinst 40 Fahrzeuge weniger durch die Spital- und Marktgasse fahren. Es wären dann noch 64 pro Stunde. Eine deutliche Verbesserung gegenüber heute.

Solch eine tiefe Frequenz hat es in den letzten Jahrzehnten nie mehr gegeben. In den 1970er-Jahren waren es in den Spitzenzeiten 80 Busse und Trams, die pro Stunde durch die Spital- und Marktgasse fuhren. Heute sind es bis zu 104; nach Annahme von Tram Region Bern noch 92 – wegen der Verlegung der Linie 12 in die Bundesgasse.

Neben der Entlastung dieser Achse würde mit einer weiteren Tramlinie auch eine Ausweichachse bei Betriebsunterbrüchen geschaffen und damit gleichzeitig auch mehr Stabilität für den Fahrplan erreicht.

Planung eingeleitet

Der Stadtrat hat vor den Sommerferien mit grossem Mehr die nötigen Mittel gesprochen, damit die Projektierung der zweiten Tramachse an die Hand genommen werden kann. Ein Wettbewerb soll Antworten auf spezifische städtebauliche und Verkehrsfragen bringen.

Bedingung ist, dass bei der Umsetzung die betroffenen Kreise angehört und einbezogen werden. Spezielles Augenmerk wird auch darauf gerichtet, dass unser Unesco-Weltkulturerbe keinen Schaden nimmt.

Bis im Jahr 2016 soll das Vorprojekt für die zweite Tramachse vorliegen. Auf dieser Basis können wir dann beurteilen, was dieses öV-Vorhaben für die Innenstadt konkret bedeutet. Ziel ist mehr Lebens- und öV-Qualität.