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Journal B

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Wie weiter nach Katrin Rieders Abgang?

Unter undurchsichtigen Umständen ist die Direktorin des Freilichtmuseums Ballenberg, Katrin Rieder, entlassen worden. Ballenberg-Stiftungsrat und SP-Nationalrat Matthias Aebischer nimmt Stellung.

Matthias Aebischer stellt Bedingungen, damit er sich vor dem Nationalrat für den Ballenberg einsetzt.

Journal B: Matthias Aebischer, Sie sind Stiftungsrat des Freilichtmuseums Ballenberg. Warum haben Sie die Direktorin Katrin Rieder entlassen?

Matthias Aebischer:

Genau diese Frage hat mir letzthin ein Journalist gestellt und mir am Telefon zu dieser Entlassung eine Medienmitteilung vorgelesen, über die ich als Stiftungsrat erst Stunden später offiziell informiert worden bin. Diese Art der Kommunikation innerhalb der Ballenberg-Stiftung hat mich derart aufgeregt, dass meine erste Reaktion war: Aus einem solchen Stiftungsrat kann man nur zurücktreten. 

Auf dem Papier gehören Sie aber tatsächlich jenem Gremium an, das Rieder entlassen hat.

«Mein Titel ‘Stiftungsrat’ im Zusammenhang mit Rieders Entlassung ist eine Farce.»

Matthias Aebischer

Das stimmt. Bloss ist mein Titel «Stiftungsrat» in diesem Zusammenhang eine Farce. Im Jahresbericht 2013 [Seiten 44-47, fl.] sind Struktur und Namen des Stiftungsrats aufgelistet. Es gibt einen «Geschäftsleitenden Ausschuss» von fünf Personen, dazu zwölf «übrige Mitglieder des Vorstandes» und schliesslich «Mitglieder des Stiftungsrates». Diese gut fünfzig Personen, von Toni Brunner über Werner Luginbühl bis zu mir selber, haben nichts zu sagen und bilden faktisch ein Patronat: Man gibt seinen Namen für eine Sache, hinter der man steht. Mehr ist das im Ballenberg-Stiftungsrat nicht.

Der erste Gedanke sei gewesen zurückzutreten, sagen Sie. Wie ging es weiter?

Ich kenne Katrin Rieder nicht sehr gut. Aber alles, was ich von ihr und über ihre Arbeit hörte, hat mich überzeugt. Sie war auf dem richtigen Weg. Dass man die Garantin für diesen Weg hinausstellt, hat mich wütend gemacht.

Ich habe mich dann entschlossen, mich selber kundig zu machen. Deshalb rief ich Rieder und den Stiftungsratspräsidenten Yves Christen an. Nach dem Gespräch mit Rieder war klar, dass sie selber zwar enttäuscht, aber überzeugt ist, es lohne sich weiterhin, für das Freilichtmuseum zu kämpfen. Das war für mich ein wichtiger Punkt, den Rücktritt zu vergessen.

Und was sagte Christen, der als ehemaliger Nationalratspräsident ja immerhin ein prominenter Politiker ist?

Ich sagte ihm, ich sei wütend und er entschuldigte sich, es seien tatsächlich Kommunikationsfehler passiert. Er überzeugte mich davon, dass der erste Eindruck, regionale Rechtsbürgerliche hätten mit Rieder eine Linke aus der Stadt rausgekickt, so nicht stimmt. Nach allem was ich heute weiss, bin ich überzeugt: Was auf dem Ballenberg passiert ist, hat keinen solchen politischen Hintergrund. Gegenüber dem «Tages-Anzeiger» hat Christen ja verlauten lassen, Rieder sei «zu forsch und zu wenig bescheiden» aufgetreten für den Berner Oberländer Geschmack. Ich kann nicht beurteilen, ob das stimmt.

Jetzt ist Rieder weg. Sie wollte das Freilichtmuseum in Richtung eines nationalen Kompetenzzentrums für ländliche Kultur- und Sozialgeschichte weiterentwickeln. Geht es jetzt wieder umgekehrt in die Richtung einer Versimpelung des Ballenbergs zu einer rechtsnational imprägnierten Tourismus-Attraktion?

Was ich sagen kann: Christen will Rieders Linie weiterverfolgen. Und das ist der richtige Weg, gerade auch, weil dort ein ganz anderes Publikum erreicht wird, als wenn man zum Beispiel die aktuelle Sonderausstellung «Verdingkinder reden – enfances volées» in einer Stadt zeigt.

Im übrigen bestreite ich, dass der Ballenberg je nur «bluemets Trögli» gewesen ist. Ich denke an die Theateraufführungen, an die Vermittlung von alten Handwerken, an all die anderen Veranstaltungen…

Immerhin: Solange man nicht weiss, wer nun die Direktion übernimmt, weiss man auch nicht, ob die Inszenierung einer mythischen Idealschweiz zu neuen Ehren kommt. Sie machen trotzdem weiter.

Ich habe mich im Moment entschieden, als Stiftungsrat aktiv zu bleiben, weil ich will, dass es mit dem Ballenberg gut weitergeht. Aber ich habe Bedingungen.

Nämlich?

Erstens muss der Stiftungsrat neu strukturiert werden. Von mir aus kann man den so genannten Stiftungsrat abschaffen oder zu einem Patronat respektive Beirat umfunktionieren. Ich will einfach nicht für Dinge verantwortlich gemacht werden, zu denen ich nichts zu sagen hatte. Die Zusammensetzung von Ausschuss und Vorstand kann man beibehalten: Dort sind Leute aus der ganzen Schweiz versammelt, was den nationalen Charakter des Freilichtmuseums unterstreicht.

Und zweitens: Christens Rücktritt als Präsident ist absehbar. Ich will eine Garantie, dass eine Nachfolge bestimmt wird mit vergleichbarer nationaler Ausstrahlung und vergleichbarer regionaler Unabhängigkeit.

«Der Ballenberg muss immer mehr zu einem nationalen Kompetenzzentrum werden.»

Matthias Aebischer

Nun ist es ja so, dass Sie Präsident der nationalrätlichen Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur (WBK) sind. Am 13. Juni hat der Ständerat eine Motion gutgeheissen, wonach das Freilichtmuseum Ballenberg «einen substantiell höheren Beitrag an die Betriebskosten und den Investitionsbedarf» erhalten soll. Die WBK muss die Motion nun also für den Nationalrat vorberaten.

Das ist so. Die Motion von Werner Luginbühl ist für Ende August traktandiert. Meine Position: Rieders Linie ist die richtige. Der Ballenberg muss immer mehr zu einem nationalen Kompetenzzentrum werden, das wissenschaftlich fundierte, gut vermittelnde Museumsarbeit leistet. Von daher will ich genau wissen, wofür diese Bundesgelder eingesetzt werden sollen. Ich will mit anderen Worten einen Finanzplan sehen, bevor ich in der Herbst- oder Wintersession im Rat in dieser Sache das Wort ergreife.

Zusammengefasst verstehe ich die Geschichte um Rieders Entlassung so: Sie machte zwar keine grösseren Fehler und hatte den richtigen Plan für das Freilichtmuseum, aber sie war trotzdem die falsche Direktorin.

(zögert) Ich sage das nicht so. Aber es ist tatsächlich möglich, dass im Stiftungsrat Ausschuss und Vorstand zum grösseren Teil dieser Meinung sind.