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Journal B

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Wie die Stadt sich entwickeln will

Mit dem Stadtentwicklungskonzept STEK 2015 will der Gemeinderat die strategischen Leitplanken setzen, wie sich die Stadt Bern in Zukunft räumlich entwickeln soll. Seit kurzem sind Interessensvertreter in den Prozess eingebunden – wenn auch dürftig.

1995 verabschiedete der Gemeinderat das Stadtentwicklungskonzept «STEK 95», das seither als Leitplanke der Stadtentwicklung dient. Nun soll ein neues Konzept erarbeitet werden, das sogenannte «STEK 15». Der Stadtrat forderte eine über die normale Mitwirkung hinausreichende Partizipation. Am 7. Mai fand deshalb in der Kaserne das erste STEK-Forum statt: ein halböffentlicher Workshop mit delegierten Teilnehmern und Teilnehmerinnen aus den Stadtteilen und aus Organisationen aller Art.

Die militärischen Räume der Kaserne wirkten muffig und wuchtig. Das Potenzial, das in der ganzen riesigen Anlage steckt, könnte aber zum Träumen verleiten... Ob der für den STEK-Auftakt gewählte Ort Programm ist? Es ist klar, dass ein neues Stadtentwicklungskonzept für die nächsten 20 Jahre nur dann den Anforderungen einer sich laufend verändernden Gesellschaft standhält, wenn die «Kaserne des bereits Gebauten» aufgebrochen werden darf. Und wenn man sich den Visionen der zu diesem Zweck eingeladenen «Stakeholder» ernsthaft stellt.

Geplante Wirkung und Themen

Das Stadtplanungsamt hat vorgearbeitet. Es hat das STEK 95 ausgewertet und Empfehlungen zur geplanten Wirkung sowie den Themen abgegeben. Das erste Forum soll einerseits Inputs aus den verschiedenen Interessenlagern entgegennehmen und andererseits überprüfen, ob die Hauptthemen richtig gewählt worden sind.

Das Konzept soll sich auf die folgenden sechs Themen konzentrieren:

• Bern als Zentrumsstadt: Wie sehen die verschiedenen Rollen als regionales, kantonales und nationales Zentrum aus?

• Siedlungsentwicklung nach innen, also im bereits gebauten Stadtgefüge, sowie Freiräume

• Stadterweiterung an den Stadträndern im Westen und Osten

• Quartierzentren und Infrastrukturen: Was macht die Identität der Quartiere aus? Welche Ansprüche hat die Bevölkerung? In welchem Verhältnis stehen Wohnen und Arbeiten?

• Mobilität und Gesamtverkehr

• Querschnittsthemen mit gesamtstädtischer Relevanz: Nachhaltigkeit, Grossprojekte, Infrastrukturen. (Zu den Queschnittsthemen konnten sich die Anwesenden nicht äussern.)

Das STEK 15 soll folgende Wirkung entfalten:

• Wegweiser für die nächsten 20 Jahre Stadtentwicklung und Basis für die Revision der Quartierpläne

• Leitidee für die räumlich-bauliche Entwicklung, fliesst ein in die Planungsgrundlagen der Regionalkonferenz und löst allenfalls eine Revision der städtischen Bauordnung aus.

STEK 15 ist keine Detail- und Bauprojektplanung und es thematisiert explizit nur die räumliche Stadtentwicklung. Hier setzte die erste Kritik an: Die räumliche Stadtentwicklung kann erst definiert werden, wenn die weichen Faktoren (Stadtsoziologie, Gesellschafts- und Mobilitätsmodelle etc.) ausgelotet sind.

So etwas wie Partizipation

Die zweite Kritik bezieht sich auf die Organisation der Mitwirkung am Forum. Nach der Begrüssung und Einführung sollten sich die von den «Stakeholdern» delegierten Teilnehmer und Teilnehmerinnen in fünf Gruppen spontan zu den in der Einführung präsentierten Schwerpunkten äussern und ihre Vision von Stadtentwicklung zu Protokoll geben. Diese Feedback-Workshops dauerten 20 Minuten. Pro Gruppe nahmen bis zu 40 Personen teil. Viele kamen daher gar nicht zu Wort.

Das Resultat der Workshops ist ein wirrer Haufen mit eilig notierten Stichworten. Rückfragen seitens der Projektleitung sind kaum möglich, da die Stichworte ohne Angaben zum Autor notiert worden sind.

Der Briefkasten ist bis am 23. Mai offen

Da sehr viele Anliegen der vertretenen Organisationen am ersten Forum nicht formuliert werden konnten, wurde ein sogenannter Briefkasten eingerichtet: stadtplanungsamt@bern.ch. Unter dem Betreff «STEK 15» können bis zum 23. Mai Anliegen, Forderungen und Ideen für das neue Stadtentwicklungskonzept deponiert werden.

Die nächsten Schritte

In einer zweiten Phase sollen nun diese Stichworte ausgewertet und mit den Ideen der beauftragten Fachkräfte konglomeriert werden. Am 18. August wird das Resultat dieser zweiten Phase dem Stakeholderplenum wieder zur Kritik vorgelegt.

Schliesslich erarbeiten die Planer aufgrund der zweiten Kritik einen ersten Entwurf des STEK 15, der im Februar 2015 zur Stellungnahme und Vernehmlassung vorgelegt wird. Für diese dritte Phase sind Roadshows, Ausstellung, Sprechstunden, Besuche und Diskussionen bei und mit Organisationen und der Bevölkerung in den Quartieren vorgesehen.

Die Autorin und Architektin Sabine Schärrer hat als Delegierte des Stadtteils IV am ersten STEK-Forum teilgenommen.