Aare
°

Journal B

Sagt, was Bern bewegt
Aare
°

Läuft die Einführung der Kita-Gutscheine fair?

Bei der Verteilung der Kita-Gutscheine kommt es zu Verzögerungen. Eine vom Gemeinderat eingesetzte Begleitgruppe beobachtet die Umsetzung. SP-Stadträtin Lea Kusano spricht über die Arbeit dieser Gruppe.

Am 22. Januar teilte der Gemeinderat mit, dass die Direktion für Bildung, Soziales und Sport eine Begleitgruppe zur Einführung der Betreuungsgutscheine für Kindertagesstätten eingesetzt habe. Die ehemalige Gegnerin der Betreuungsgutescheine, SP-Stadträtin Lea Kusano, sowie der Befürworter, GLP-Stadtrat Michael Köpfli, gehören dazu.

Die Kitas stellen vier Leiterinnen bzw. Geschäftsführerinnen. Sie sind nebst dem Jugendamt, das durch seinen Leiter Alex Haller vertreten ist, die Stimme der operativen Ebene. Esther Christen von der Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern und Claudia Mannhart, stellvertretende Generalsekretärin des BBS stellen die Schnittstelle zum Gemeinderat und zum Kanton sicher. Journal B sprach mit Lea Kusano.

Sie sind Mitglied der vom Gemeinderat eingesetzten Begleitgruppe, die die Einführung der Kita-Gutscheine begleiten soll. Gibt es unerwartete Schwierigkeiten?

Lea Kusano:

Nein, die Bildung der Gruppe ist bereits im Betreuungsreglement vorgesehen. Sie konstituiert sich aus Vertretern und Vertreterinnen der Verwaltung, von privaten Kitas, ehemals subventionsberechtigten Kitas und politischen Vertretern der Befürworter und Gegner des Systemwechsels. Ich finde die Strategie nicht schlecht. Alle Seiten werden frühzeitig involviert, bevor ein politisches Hick-Hack losgeht. Die Schwierigkeiten, die es allenfalls gibt, sind operativer und nicht strategischer Natur. Die Verwaltung ist mit dem Vollzug des Systemwechsels in Verzug. Aber das ist nachvollziehbar, da die rechtliche Grundlage, das Betreuungsreglement, erst seit dem ersten Januar 2014 gültig ist.

«Die Gruppe kann Empfehlungen formulieren und politischen Druck aufbauen.»

Lea Kusano

Was sind die Aufgaben und Kompetenzen der Gruppe?

Die Gruppe hat eigentlich keine Kompetenzen. Sie beobachtet den Systemwechsel und fragt sich, ob das Reglement und die Verordnung greifen. Die Gruppe kann gegenüber der Kommission Soziales, Bildung und Kultur Empfehlungen formulieren oder allenfalls politischen Druck aufbauen.

Sie waren Mitglied im Komitee «Betreuungsgutscheine ja, aber fair». Läuft der Systemwechsel nun fair ab?

Man muss schauen, was geschieht und wie der Markt spielt. Ein Problem kann für Eltern entstehen, die nach dem neuen Reglement nur noch für 20 Prozent subventionsberechtigt sind, weil ihr gemeinsames Arbeitspensum nicht höher als 120 Prozent ist. Sie finden kaum einen Kita-Platz für 20 Prozent, da die meisten Kitas ein Betreuungsminimum von 40 Prozent verlangen. Man kann keine Kita zwingen, Plätze für 20 Prozent anzubieten. Hier braucht es gegebenenfalls einen Vorschlag der Gutschein-Befürworter.

Rechnen Sie mit einer Erhöhung der Kita-Tarife?

Vorerst noch nicht. Aber man weiss nicht, was geschieht, wenn der vom Kanton vorgegebene Preisdeckel gesprengt wird. Aus Sicht der Kitas wäre eine Anpassung der Tarife nach oben legitim. Sie arbeiten mit engen Budgets. Für die Eltern kann dies aber zum Problem werden. Hier ist wichtig, dass die Gutschein-Befürworter ihr Wahlversprechen einhalten und den Sockelbeitrag für die städtischen Kitas, der nach einer Übergangsfrist für diese wegfällt, an die Eltern ausschütten bzw. für die Gutscheine einsetzen und die Einsparungen nicht für etwas Anderes verwenden.