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Neues Quartier mit Park und ohne Mehrverkehr

Gaswerkareal

Was wollen die Menschen aus dem Quartier auf dem Gaswerkareal? Rund 70 Personen haben sich letzten Samstag mit dieser Frage beschäftigt: Dass überbaut wird, ist unbestritten. Die private Federführung bei der Planung hat man geschluckt.

  • Staatsbürgerliches Engagement: Warum nicht sagen, was man meint, bevor sie wieder machen, was sie wollen? (Foto: Fredi Lerch)
  • Wichtiger Punkt in verschiedenen Diskussionsgruppen: Wohnraum ja – aber nicht nur fürs oberste Preissegment. (Foto: Fredi Lerch)
  • Das Quartier hat’s geschluckt: Wer Kaffee und Gipfeli bezahlt, wird wohl auch die Überbauung anständig planen. (Foto: Fredi Lerch)

Eingeladen hat die Quartiermitwirkung Stadtteil 3 (QM3) und gekommen sind vor allem die Meinungsmacher und Meinungsmacherinnen der angrenzenden Quartiere, wie Claudia Luder, die Leiterin der QM3-Koordinationsstelle bestätigt. Die anderen fehlten: Kaum jemand war an dieser Informationsveranstaltung nicht bereits gut vorinformiert; das Durchschnittsalter lag um die 50 und ob jemand wünsche, dass hochdeutsch gesprochen werde, musste der bemerkenswert kompetente Moderator Michael Emmenegger gar nicht erst fragen.

Dabei war die Veranstaltung wirklich informativ: Matthias Reinhard (EWB), Stadtplaner Mark Werren und Rainer Marti (Projektleiter Losinger Marazzi AG) skizzierten den Stand der Dinge: Drei Planungsteams haben unterdessen ihre Arbeit an der Testplanung aufgenommen: das (auch) in Bern domizilierte Architektur- und Planungsbüro Bauart AG, das Harry Gugger Studio, Basel und das Architekturbüro MVRDV aus Rotterdam. Bis im Sommer 2014 soll die Planung vorliegen, öffentlich wird sie im Herbst 2014, nachdem der Gemeinderat dazu Stellung genommen haben wird.

Die wichtigsten Diskussionsergebnisse

In sieben Arbeitsgruppen haben die Anwesenden danach die Ansprüche aus dem Quartier zusammengetragen und die wichtigsten Punkte in der abschliessenden Plenumsrunde präsentiert:

• Auf eine Überbauung vollständig zu verzichten und das Gaswerkareal integral als öffentliche Parkanlage zu erhalten – dies bleibt die Meinung von einzelnen. Grundsätzlich ist die Planung einer Wohnüberbauung an diesem Vormittag mehrheitsfähig.

• Vorstellen kann man sich ein neues, urbanes Stadtquartier nach dem Motto: «Park an der Aare – Stadt an der Strasse». Der aarenahe Teil soll weiterhin Freizeitort bleiben mit der Möglichkeit zur vielfältigen öffentlichen Nutzung (angeregt wird etwa eine «Auswasserungsstelle für Gummiboote»). Gewarnt wird vor einem planerischen Schnellschuss: Die Sanierung des Gaswerkbodens (bis 2015) sei das Problem der EWB, eine seriöse Planung sei etwas Anderes. Gewünscht wird eine nachhaltige Überbauung mit ausstrahlendem Charakter. Gebaut werden soll – mit Zentrum im Gebiet Sandrainstrasse/Monbijoubrücke – verdichtet, also mit Hochhäusern bis auf die Höhe der Monbijoubrücke. Genossenschaftlicher Wohnraum, «kostengünstige» respektive «erschwingliche» Wohnungen sollen eingeplant werden.

• Unbestritten ist, dass der öffentlich zugängliche Raum und die öffentliche Durchmischung auf dem Areal möglichst gross bleiben sollen. Die Bedürfnisse nach städtischem, lebendigem Quartier auf der einen und (Nacht-)ruhe und Ordnung auf der anderen Seite, stehen sich gegenüber.

• Die Verkehrsproblematik ist eine grosse planerische Herausforderung. Sinnvoll wäre ein Mobilitätskonzept mit grossem Perimeter, sobald klarer wird, was gebaut werden soll. Stichworte: «möglichst autofreie» Überbauung, «für maximal zwanzig Prozent der Personen, die hier wohnen, ein Parkplatz», «Sandrainstrasse ist grundsätzlich eine Quartier-, nicht eine Durchgangsstrasse», «bessere ÖV-Erschliessung zwingend», «mehr Liftkapazität und mehr Parkplätze im Brückenkopf der Monbijoubrücke».

• Gaskessel: Plattmachen? Am alten Standort erhalten? Oder verschieben? Die Nutzung beibehalten oder umnutzen? In den Arbeitsgruppen sind offenbar alle Positionen vertreten worden. In der Schlussrunde hat eine dezidierte Stellungnahme für den Gaskessel als Jugendzentrum gefehlt. (In diesem Punkt hat das «Chessel»-Publikum seinen Auftritt verpasst.)

• Die Idee einer 50-Meter-Schwimmhalle auf diesem Areal bleibt kontrovers: Eine Arbeitsgruppe meldete als Konsens: Schwimmhalle ja. Eine andere wegen verkehrstechnischer Bedenken ebenso einmütig: «Ein olympisches Schwimmbecken gehört nicht in dieses Areal.» Sollte die Halle auf das Areal gebaut werden, dann sieht man sie hier am ehesten unter der Monbijoubrücke.

Dranbleiben! Einklinken!

Mit den vollständigen Rückmeldungen aus den Arbeitsgruppen wird der Moderator einen Bericht mit Synthese und Fazit schreiben, der danach der QM3 zur Verfügung gestellt wird. Auf diesen Bericht wird man sich beziehen können, wenn es darum geht, die Interessen der umliegenden Quartiere gegen die politischen der Stadt und die ökonomischen des EWB und der Losinger Marazzi AG weiterhin im Spiel zu halten.

Denn, nicht wahr: Eigentlich haben QuartiervertreterInnen 2012/13 ja bereits am sogenannten Workshop-Verfahren zur Planung des Gaswerkareals teilgenommen. Hätten sie sich danach im «Synthesebericht Workshop-Verfahren» von Losinger Marazzi abgebildet gefunden, hätte man diese Veranstaltung im Gaskessel gar nicht durchzuführen brauchen. Es lohnt sich zweifellos für alle Interessierten, aufmerksam und weiterhin dran zu bleiben – respektive sich jetzt einzuklinken.