Aare
°

Journal B

Sagt, was Bern bewegt
Aare
°

Das Vernünftige der Toleranz

Die Stadt Bern hat diesen Sonntag über die Schaffung einer Zone für alternatives Wohnen befunden. Die Mehrheit der Bernerinnen und Berner hat ein Ja in die Urne gelegt.

Im zweiten Anlauf hat es geklappt. Nach dem Nein 1996 sagte eine recht deutliche Mehrheit von 54 Prozent der Stimmenden Ja zur Zone für alternatives Wohnen in Riedbach. Mit Ausnahme von Bümpliz/Bethlehem, wo zwei Drittel Nein sagten, stimmten alle Stadtteile zu, am „äussersten Rand der Gemeinde" (wie es die Botschaft des Gemeinderats betonte) Raum zu schaffen für Menschen, die in Bauwagen und anderen Provisorien leben wollen. Damit wird ein Bedürfnis anerkannt und dafür eine rechtlich einwandfreie Lösung geschaffen.

Dialog mit Nachbarn

Nun gilt es, die Gruppen, für welche die Zone gedacht ist, dazu zu bewegen, sich dort anzusiedeln. Dann müssen mit ihnen Nutzungsvereinbarungen abgeschlossen werden. Und wenn die Zone bezogen ist, braucht es Gespräche mit den seit langem ansässigen Nachbarn. Diese befürchten unter anderem eine Abwertung ihres Quartiers.

Es wäre fatal, wenn der Gemeinderat nach dem Motto „aus den Augen, aus dem Sinn" es den Riedbachern allein überliesse, die Neuzuzüger zu integrieren. Die Zone soll ja das Problem des nomadisierenden Wohnens in der ganzen Stadt lösen. Dafür muss sie ein guter Lebensort werden und kein Abschiebeplatz.

Ausbaufähige Idee

Die Schaffung der Zone ist ein Anfang. Aber 6'000 Quadratmeter reichen nicht weit. Wenn die jetzt zum Glück anerkannte Wohnform sich weiter verbreitet, wird es bald zusätzliche Zonen brauchen. Ein Gelingen des Versuchs in Riedbach ist die beste Voraussetzung für Umzonungen in anderen Quartieren. Ein Grund mehr, die Besiedelung der neuen Zone in Riedbach sorgfältig zu begleiten.