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Kommentar: Die Stadt muss übernehmen!

Gaswerkareal

Der Planungsprozess für das Gaswerkareal an der Aare ist nicht transparent. Die Stadt schiebt Geldprobleme vor und delegiert die Arbeiten an ein Bauunternehmen. Dieses Vorgehen ist ein Skandal und wird in der Bevölkerung keine Chance haben.

Bei der aktuellen Planung für das Gaswerkareal in Bern fährt die Stadt als spät zugestiegene Passagierin gratis mit. Initiiert und finanziert wird das Ganze von Losinger Marazzi. Für den mächtigen Projektentwickler, dem in der kleinen Schweiz langsam das Bauland ausgeht, sind die sechs Hektar im Herzen Berns eine einmalige Gelegenheit. Ein Gelände notabene, das für den Charakter der Unesco-Welterbe-Stadt von zentraler Bedeutung ist.

Die Entwicklung der Industriebrache an der Aare ist schwierig, weil erwartungsgemäss unterschiedliche Interessen aufeinanderprallen. Umso wichtiger wäre ein transparenter Planungsprozess. In Bern ist jedoch genau das Gegenteil der Fall: Die Politik hat sich bisher gescheut, Farbe zu bekennen und versteckt sich hinter dem Vorwand, nun müsse rasch ein Bebauungsplan her, um die drängende Altlastsanierung eines kleinen Teils des Geländes zu finanzieren. Eine Verknüpfung, die weder zulässig noch notwendig ist.

Die Politik hat sich bisher gescheut, Farbe zu bekennen.

Gabriela Neuhaus

Die Stadt sollte zuerst Klarheit schaffen, in welche Richtung sich die Entwicklung am Aareufer bewegen soll. Das alte Industriegelände ist die letzte grosse Freifläche im Zentrum von Bern und verdankt ihren besonderen Charme der Tatsache, dass sich während Jahren weder Planer noch Investoren dafür interessiert haben.

Ob freie Kulturszene oder selten gewordene Pflanzen – auf dem Gaswerkareal entfaltet sich immer wieder Neues und Unvorhergesehenes. Solch gewachsene Qualitäten und Freiräume zu erhalten, muss genauso Ziel der Planung für dieses Areal sein wie eine städtebauliche Aufwertung durch standortgerechte neue Bauten. Diese Planung zu steuern, ist Sache der Stadt – es kann nicht sein, dass ein privates Bauunternehmen mit klaren Eigeninteressen aufs Gaspedal drückt, während die Stadt auf dem Beifahrersitz Platz nimmt.

Die Behauptung, dass die Hauptstadt der reichen Schweiz kein Geld habe, um die Zukunft eines so bedeutenden Areals selber an die Hand zu nehmen, ist ein Skandal. Und dass die Bouygues-Filiale Losinger Marazzi sich als gemeinnützige Gesellschaft gibt, die der Stadt finanziell unter die Arme greift, wird man den Bernerinnen und Bernern nicht weismachen können.