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Was machen die «Vermisstanzeigen» für Katzen an den Säulen unter dem Baldachin auf dem Bahnhofplatz? Sie sind Teil einer Kunstausstellung im öffentlichen Raum. Die Idee: ein Kreuzweg der anderen Art in der Passionszeit unter dem Motto «kunst kreuzt weg».

In Suchanzeigen für vermisste Büsis steckt Poesie, Emotion, Trauer, Liebe. Für Jürg Curschellas auch eine künstlerische Aussage für den Kreuzweg. (Foto: zVg)

Eine Frau, die eben vom Marsch über den Kreuzweg in die Heiliggeistkirche zurückgekehrt ist, sagt es so: «Von allen Werken, ist mir erstaunlicherweise vor allem eines in Erinnerung geblieben. Es ist sogar jenes, das ich eigentlich zuerst gar nicht richtig verstanden habe: die Vermisstenanzeigen für Katzen von Jürg Curschellas.»

Die Anzeigen machen auf eigenartige Weise betroffen. Vielleicht weil sie Verlust in ganz einfache Worte fassen und bewusst machen, dass es für Trauer keine Masseinheit gibt. Diese Vermisstanzeigen sind oft emotional, manchmal raffiniert getextet und hin und wieder auch zum Schmunzeln. «Sie zerreissen einem oft auch das Herz,» sagt auch Jürg Curschellas, «weil man merkt, wie sehr diese Katzen ihren Besitzern fehlen.» Curschellas ist der Schöpfer dieser Installation. Er sammelt diese Flyer seit Jahren und hat damit 2019 sogar ein Buch herausgegeben. Er findet die Anzeigen rührend-echt, ja eigentlich «ein Spiegel der Gesellschaft».

Der Künstler hat zum Thema auch eine eigene Geschichte. Curschellas besass selber zwei Katzen, die in seinem Atelier im Progr ein und aus gingen. Eine hiess Pro und die andere Gr. Als sie eines Tages verschwanden, schrieb er auch eine Vermisstanzeige, erlebte damit allerlei und kam deswegen sogar in die Medien. Die Katzen allerdings blieben verschwunden. Dafür aber war eine Idee geboren.

kunst kreuzt weg

Noch bis zum 3. April können die 14 Stationen des Berner Kreuzwegs bestaunt werden. Organisiert von der katholischen und der reformierten Kirche stellen zeitgenössische KünstlerInnen im Aussenraum Werke zu Themen wie Leiden, Sterben, Trauer, Wut, Macht und Ohnmacht aus. Der Weg startet auf der Kleinen Schanze, führt über die Dreifaltigkeitskirche, den Bundesrain hinunter an die Aare und über den Florapark und den Hirschengrabe wieder hinauf in die Stadt. Endpunkt ist die Heiliggeistkirche auf dem Bahnhofplatz.

Ein gedruckter Plan liegt in der Heiliggeistkirche auf. Eine App führt durch den Weg mit Skulpturen, Texten, Musik und Videos.

Infos unter kunstkreuztweg.ch