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Journal B

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„Komm! ins Offene, Freund“

Im Frühjahr 2019 wurde die Machbarkeitsstudie für ein Museumsquartier Bern im Kirchenfeld vorgestellt, das zehn Kultur- und Bildungseinrichtungen gemeinsam gestalten wollen. Nun liegen erste Ergebnisse vor: Ein Verein soll Träger einer 4-jährigen Transformationsphase sein; eine Geschäftsführung deren Motor. Das Quartier wird Teil der Bewegung.

Bild: Aus der digitalen Broschüre zur Vision

Die Stellenanzeige fällt auf. Gesucht wird ein/e «Geschäftsführer/in Museumsquartier Bern» zu 80-100%. Nur: Das Museumsquartier Bern (abgekürzt MQB) gibt es erst als Idee. Die Stelle soll jedoch schon bald besetzt werden.

Nachfrage bei Christophe v. Werdt, Vorsitzender der Projektleitung. Für ihn ist die Stellenausschreibung der normale Übergang in die nächste Phase des Grossprojekts.

Das MQB, wir erinnern uns, ist das Vorhaben, in dem die zehn Kultur- und Bildungseinrichtungen im unteren Kirchenfeld zusammenarbeiten wollen (Alpines Museum, Historisches Museum, Gymnasium Kirchenfeld, Kunsthalle, Museum für Kommunikation, Naturhistorisches Museum, Nationalbibliothek, Schützenmuseum, Stadtarchiv, Yehudi Menuhin-Forum. Journal B berichtete ausführlich. In einem neuen Positionspapier steht nun, knapp und deutlich: «Das MQB ist der Ort, der Veränderungen in Gesellschaft und Natur untersucht, dokumentiert und das Publikum involviert». Ein Ort des Wissenwollens, ein Anti-Elfenbeinturm, wo Bewegungen nachgespürt wird nicht in den Schubladen der Fachdisziplinen, sondern im Zusammenhang des Menschseins. Und dies unter Einbezug des Publikums, das auf diese Weise zum Teilhaber aufgewertet und ernst genommen wird. «Art en partage» nennt der Kanton Wallis diese Haltung. Im MQB hier soll sie Realität werden.

Konkrete Aufgaben

In der Stellenausschreibung wird ein Paket praktischer Aufgaben in Aussicht gestellt. Organisiert werden soll ein Programm des MQB. Die Parkplätze, Baracken und Zäune zwischen den Häusern sollen zum zentralen Museumsgarten transformiert werden. Die Ausstellungsflächen der beteiligten Institutionen stehen als Ausstellungsflächen zur Verfügung. Und natürlich geht es auch um Kommunikation, Marketing, Geldsuche.

 

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Die Frau oder der Mann, die oder der das Glück haben wird, die Aufgaben anzupacken, soll treibende Kraft der MQB-Geschäftsstelle sein, der auch die Direktorinnen und Direktoren der zehn Einrichtungen angehören. Der Motor einer 4-jährigen Aufbauphase unter dem Motto «Transformation». Das Motto ist Aufbruch, Änderung, Wandel. «Komm! ins Offene, Freund», schrieb Hölderlin vor 220 Jahren und fuhrt fort: «Denn nicht Mächtiges ists, zum Leben aber gehört es / was wir wollen, und scheint schicklich und freudig zugleich».

Positionspapier

Es geht also los. Grundlage bildet ein Positionspapier, das die Direktorin und die Direktoren des Alpinen Museums, des Historischen Museums, des Museums für Kommunikation und des Naturhistorischen Museums – aufbauend auf den Ergebnissen der Konzeptgruppen des vergangenen Jahres – ausgearbeitet haben. 2021-2024 soll die Chance eines gemeinsamen Museumsquartiers gepackt und erprobt werden. Zu dem Zweck wollen die beteiligten Institutionen einen Verein gründen, in dem auch die Stadt, der Kanton und die Burgergemeinde Bern mitwirken. Und in dem – das ist so wichtig wie erfreulich – das Quartier vertreten ist.

Und das Geld? Die heutige Projektleitung und die Vereinsmitglieder finanzieren den Start. Für die weitere Finanzierung der 4-jährigen Aufbauphase werden sich auch die öffentlichen Hände einsetzen.

Öffnung

Damit ändert sich Vieles. Die Projektleitung, die seit 2018 unter Federführung der Burgergemeinde Bern den ersten Gedanken bis zur Machbarkeitsstudie, unter anderem mit einer städtebaulichen Entwicklungsplanung vorangetrieben hat, gibt den Stab weiter. Der neue Verein übernimmt. Hoffentlich gelingt es ihm, ebenso umsichtig und entschieden zu handeln, wie seine Vorgängerin, die für ihre Utopie einen realen Ort bestimmt hat: die «Museumsbrache», das Durcheinander zwischen den Häusern an der Helvetia- und Aegertenstrasse.

Dort sollen ab Sommer/Herbst erste Zeichen zu sehen sein; ab Frühjahr 2022 wird der Garten angelegt und Schritt für Schritt soll es in gemeinsamer Arbeit der Institutionen weitergehen, von Provisorien zu Definitiverem. Das Quartier wird mitmachen und seine Bedürfnisse geltend machen können. In diesen Jahren des stets Vorläufigen soll in einem partizipativen Prozess entwickelt werden, was es später baulich braucht und wie dies städtebaulich und architektonisch zu gestalten ist.