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Journal B

Sagt, was Bern bewegt
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Sie hatte Haltung

Sie engagierte sich ein Leben lang für die Kunst. Im Alter von 76 Jahren ist Marianne Gerny verstorben. Ein Nachruf

Marianne Gerny-Schild war in Grenchen als Tochter eines Uhrenindustriellen aufgewachsen, hatte in Kunstgeschichte promoviert und engagierte sich neben Familie und Beruf im Verlagswesen für die zeitgenössische Kunst in ihrer Breite und Vielfalt. Kunst bestimmte ihren Alltag, war im Haus allgegenwärtig, bot Anregung und bedeutete Verpflichtung. Eine Verpflichtung bestand im Fragen. Marianne Gerny war offen für Vieles, neugierig, skeptisch.

In den 1980ern half sie im Hintergrund mit praktischem Einsatz mit, das Berner Kulturradio Förderband aufzubauen. 1982 initiierte sie die Stiftung Kunst Heute, deren wechselnde Juries Werke grosser Schweizer Künstlerinnen und Künstler ankauften, welche aus der Wirtschaft finanziert wurden. 2003 wurde die Sammlung dem Kunstmuseum Bern geschenkt, 2013 stellte die Stiftung ihre Arbeit ein. Praktisch gleichzeitig war Marianne Gerny an der Gründung der ART-Nachlassstiftung beteiligt, die Werke aus dem Nachlass bekannter Kunstschaffender betreut, bewahrt und Galerien zum Verkauf zur Verfügung stellt.

Lange begleitete Marianne Gerny aufmerksam die Führung des Kunstmuseums Bern, nicht immer im Einklang mit deren Aktivität. Mit dem 2005 eröffneten Zentrum Paul Klee fremdelte sie bis zuletzt und den Gedanken einer Fusion beider Kunsthäuser teilte sie nie ganz, obwohl er sie umtrieb.

Die christkatholische Kirche St. Peter und Paul öffnete Marianne Gerny – in zweiter Ehe mit Bischof Hans Gerny verheiratet – für die Kunst mit Installationen (etwa von Franticek Klossner), Referaten, Aufführungen im Kirchenschiff und in der Krypta.

Marianne Gerny übernahm als Mitglied der Zivilgesellschaft spontan und verlässlich Verantwortung im Bereich der Kultur – und sie forderte entschieden von den öffentlichen Institutionen, was sie als deren Aufgabe ansah. Ihr Ton war dabei höflich, ihre Ansage klar. Man wusste, woran man mit ihr war.

Marianne Gerny war ein selbstbewusster und doch bescheidener, ein leiser und doch bestimmter, ein bürgerlicher und nach seinem Verständnis solidarischer und selbstverständlich hilfsbereiter Mensch. Sie war gerade und grosszügig. Sie hatte Haltung und Humor. Nach kurzer Krankheit ist Marianne Gerny mit 76 Jahren gestorben. Die Berner Künstlerinnen und Künstler verdanken ihr viel.