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Paul Klee verlässt die Komfortzone

Das Zentrum Paul Klee will sich im Quartier besser verankern. Mit einem Laternenfest am Samstag, 16. November öffnet sich das Museum für grosse und kleine BewohnerInnen aus der Umgebung. «paul & ich» nennt sich das Pionierprojekt.

Auch das Team des Kleezentrums bastelte eifrig Laternen... (Foto: zvg)

Laternen gehören zum November, Laternen gehören aber auch zum Bauhaus und zu Paul Klee. «Was lag näher, als unsere momentane Ausstellung mit einem Event für das Quartier zu verbinden», sagt Eva Grädel. Die 35-jährige Bernerin ist seit letztem Februar im Zentrum Paul Klee für das Projekt «paul & ich» angestellt. Dieses Projekt wird von Engagement Migros finanziert und soll – dank einer Begleitstudie der Hochschule Luzern – Grundlagen liefern für ähnliche Projekte in anderen Kulturhäusern. Das Kleezentrum ist schweizweit die erste Institution, die sich auf das Wagnis einlässt.

Schwellen abbauen

Wie kann sich das Kleezentrum mit dem Quartier und seinen BewohnerInnen vernetzen? Diese Frage stand ganz am Anfang des Projekts. Das international hochgeschätzte Haus ist vierzehn Jahre nach seiner Eröffnung für viele QuartierbewohnerInnen in der Schosshalde, in Wittigkofen und Schöngrün immer noch ein Elfenbeinturm, den man wegen seiner markanten Architektur zwar kennt, aber nicht «einfach so» betritt. Rausgehen, den Austausch mit der Nachbarschaft suchen, Schwellen abbauen: das sind normalerweise nicht die Kernkompetenzen eines Kunstmuseums. Doch genau das war gefragt. «Als wir das Projekt konzipierten, war uns ganz wichtig, dass wir damit nach aussen treten, dass wir zu den Menschen gehen und nicht sie zu uns kommen müssen», sagt Thomas Soraperra, kaufmännischer Direktor und Projektverantwortlicher.

Schlüsselfiguren angehen

Es galt also, die Fühler in die umliegenden Quartiere auszustrecken, die unmittelbaren Nachbarn anzusprechen. Für Eva Grädel hiess das zunächst einmal, die umliegenden Quartiere und ihre Schlüsselfiguren kennenzulernen und sie für einen gemeinsamen Anlass zu gewinnen. Über Schulen und Kindergärten, Nachbarngruppen, Quartiervereine, die Kirchgemeinde tastete sich die studierte Historikerin mit Erfahrung im Bereich Öffentlichkeitsarbeit vor und fand Verbündete. Mit ihnen organisiert sie nun am nächsten Samstag einen ganz besonderen Anlass. In einem Sternmarsch werden aus vier Richtungen Menschen mit Laternen zum Kleezentrum ziehen, dort wartet ein Suppeznacht, Musik und eine Laternenausstellung auf sie. Der Eintritt ins Museum ist gratis. Alle Räume stehen offen.

Klein anfangen und dann wachsen

Es sei ein «Sprung ins kalte Wasser» gewesen, sagt Eva Grädel. Sie ist aber zuversichtlich, dass das Laternenfest ein neues Publikum ins Kleezentrum holt. Vom Museumsteam seien jedenfalls am Samstag alle «an Deck», um den hoffentlich grossen Ansturm zu bewältigen. Werden schliesslich 200 oder 500 Laternen im Forum des Kleezentrums hängen? «Wir haben keine Ahnung, aber das ist ja auch das Schöne an diesem Experiment.» Man will ausloten, wie viele Menschen aus dem Quartier die Einladung annehmen. Und wenn das erste Fest gelingt, dann kann es im nächsten Jahr weitere Anlässe geben. Ein Drachenfest, eine Teilnahme des Museums an einem Quartierfest … der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Zwei Jahre hat Eva Grädel Zeit, paul&ich zum Fliegen zu bringen. So lange fliesst das Geld von der Migros. Dann wird evaluiert. Die ersten Erfahrungen sind für Grädel durchaus positiv. Die Zusammenarbeit mit den Quartierleuten sei sehr unkompliziert gewesen. Die Mund-zu-Mund-Propaganda habe funktioniert. Denn auch das ist Teil des Experiments: paul&ich wurde nicht mit grossem Pomp und Medienbegleitung unter die Leute gebracht. Man will klein anfangen, damit das Ganze wachsen und man aus Erfahrungen Lehren ziehen und weitergeben kann.