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50 Jahre Auftrieb

50 Jahre alt ist die in Bern domizilierte Stanley Thomas Johnson Stiftung. Am Montag, 19. August, um 18 Uhr zeigt sie sich auf dem Casinoplatz der Bevölkerung mit eine Plakatinstallation zu ihrer Förderarbeit. Die Stiftung unterstützt Projekte in der Kultur, in der humanitären Hilfe, in der medizinischen Forschung und in der Bildung.

Plakatinstallation auf dem Gelände der Dampfzentrale anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Stanley Thomas Johnson Stiftung. (Bild: zvg)

Zum Jubiläum hat die Stiftung im Juni ein Buch zu ihrer Geschichte veröffentlicht (Journal B berichtete). Der Titel: «Auftrieb». Bemerkenswert daran: Es wird nichts geschönt. Uneitel werden Irrungen und Wirrungen offengelegt. Man erfährt, woher das Geld stammt, und vernimmt, wie es 1969 zur Stiftungsgründung gekommen ist. An vielen Beispielen wird klar, was die Stiftung heute tut und wie sie vorgeht.

In Kürze: Das Geld verdiente Stanley Thomas Johnson im Zweiten Weltkrieg und danach dank dem Recht, im britischen Empire eine in Frankreich neu entwickelte Niete herzustellen und zu vermarkten. Die Nieten waren gefragt für die Produktion von Flugzeugen (den bekannten «Spitfires» der Royal Air Force), Schiffen und anderen Waffensystemen. Von England aus weitete Johnson die Produktion auf Kanada und später die USA aus. Zur militärischen Nutzung kam die zivile.

Die mit den Nieten hergestellten Waffen fanden Anwendung vorwiegend im Kampf der alliierten Truppen gegen die deutschen Armeen und damit letztlich zur Befreiung Europas von der Nazi-Herrschaft (zu der auch die russische Rote Armee wesentlich beitrug). Auch wenn der Zweck die Mittel nicht heiligt: Die Stiftung ist nicht mit Blutgeld aktiv.

1954 wanderte Johnson in die Schweiz. Das Firmenkonglomerat wurde undurchsichtig. Als er 1967 starb, wurde die Gattin June Alleinerbin. Der Schweizer Treuhänder und Finanzberater Hugo Spühler überzeugte sie, in ihrem Testament eine gemeinnützige Stiftung als Haupterbin einzusetzen, die nach ihrem Tod in Bern gegründet werden sollte. So geschah es, nachdem June Johnson 1969 in Genf gestorben war.

50 Jahre sind seitdem vergangen. Die Johnson-Stiftung hat eine lange Entwicklung hinter sich. Neben der Förderung zahlreicher Einzelprojekte geht die Stiftung heute Partnerschaften ein mit Kulturorganisationen und der öffentlichen Hand. So beteiligt sie sich am Wettbewerb «tête à tête» der kantonalen Erziehungsdirektion für Kulturprojekte in Schulen. Sie führt gemeinsam mit der Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons das Projekt «2. Chance auf eine 1. Ausbildung», das bisher 50 Personen eine solide Basis in der Berufsbildung vermittelte – und sie so in die Arbeitswelt integrierte. Sie unterstützt zusammen mit der Schweizerischen Akademie der medizinischen Wissenschaften ein palliativ-medizinisches Forschungsprogramm. Und sie vergibt zusammen mit dem Bundesamt für Kultur den June Johnson Price für das junge innovative Tanzschaffen. Das alles ist nicht unbedingt spektakulär und medienwirksam. Die Stiftung stellt sich in den Dienst der Sache. Damit ist sie für andere grosse Vergabestiftungen ein Vorbild.

Nun also gibt die Stiftung Einblick. Auch dies ist besonders, da selten. Stiftungen sind oft konservative, diskrete Gebilde, die wenig über sich selbst preisgeben. Dies steht eigentlich im Widerspruch dazu, dass sie mit steuerbefreitem Geld umgehen – und die Öffentlichkeit darum ein gutes Recht darauf hat zu erfahren, wie der gemeinnützige Zweck verfolgt wird.
Item. Nutzen Sie die Gelegenheit, sich selbst ein Bild zu machen. Es gibt übrigens am 19. August auch Cocktails aus den 50 Jahren zu geniessen. Und wer Glück hat, gewinnt Gratistickets für 50 von der Stiftung unterstützte Projekte.

Weitere Informationen unter www.johnsonstiftung.ch