Aare
°

Journal B

Sagt, was Bern bewegt
Aare
°

Einladung zum Entdecken

Am Samstag 29. Juni ab 10 Uhr treffen sich im Hof des PROGR Künstlerinnen und Künstler sowie Leiterinnen und Leiter von Ateliers zum «Kunst-Rendez-vous der anderen Art»: ein Austausch, ein Markt, ein Fest mit besonderen Auftritten, unter anderem von der Hora-Band.

Nach 2015 und 2016 wagt es Claude Haltmeyer, Leiter des kulturpunkts im PROGR, zum dritten Mal. Nun sollte das Wetter mitspielen. Von 10 bis 18 Uhr zeigen (und verkaufen) im Hof des PROGR etwa 50 Künstlerinnen und Künstler vorwiegend aus der deutschen Schweiz an 20 Ständen ihre Werke der visuellen Kunst.

Im Innern des kulturpunkts selbst kann derweil die Verkaufsausstellung des VASK (Vereinigung Angehöriger psychisch Kranker) besucht werden, die am Freitagabend Vernissage hat, u.a. mit einem Grusswort des Stadtpräsidenten. Die Ausstellung zeigt gespendete Werke von Künstlerinnen und Künstlern.

Den ganzen Tag präsent ist die Heitere Fahne (Wabern) mit «Hemmige Metzgete» und der «Geilen Fritten Bude». Wenn der Markt schliesst, beginnt das Fest mit Auftritten des Ensembles «Tabula Musica» aus Bern, der Pop-Up Figurentheaters (Irene Schmidlin und Daniel Clénin) sowie zum Abschluss der Hora-Band aus Zürich.

Was die Künstlerinnen und Künstler verbindet, ist in erster Linie die Kunst, ihr kontinuierliches künstlerisches Schaffen, der Wille zur Gestaltung, zum Ausdruck. In zweiter Linie besteht ihre Verbindung darin, dass sie mit unterschiedlichen Einschränkungen umgehen müssen. Man hat deshalb für ihre Kunst immer schon besondere Bezeichnungen gesucht, von «art brut» (Jean Dubuffet) – wobei «brut» zwischen «roh» und «unverbildet» oszilliert – zu «Kunst der Aussenseiter». Im belgischen Lüttich hat der Künstler und Kunstanimator Luc Boulangé den Ausdruck «art differencié» geprägt, der freilich mehr Fragen aufwirft (differenziert gegenüber was?) als klärt.

Gepflegt wird diese Kunst in Ateliers in Cham (Atelier Kubeïs), Freiburg (Créham von Laurance Cotting und Gion Capeder, Genf (Stiftung Claire-Bois), Lyss (Atelier-Living Museum), Bern (Atelier Rohling, Kunstwerkstatt Waldau) und weiteren Orten. Die Finanzierung durch die Kantone ist indes bescheiden und erschwert eine weitere Entwicklung.

Es ist ein ursprüngliches, manchmal naives, zuweilen zwanghaftes, an hohen Ansprüchen oft scheiterndes – und letztlich berührendes, einmaliges, ganz besonderes Schaffen in der visuellen Kunst, das am Rendez-vous im PROGR zu betrachten ist: eine Einladung zum Entdecken – und zum Verweilen im schattigen Hof.