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Utopie Europa

Darüber wird Andreas Reckwitz am nächsten Montag, 11. März, 18 Uhr im Stadttheater Bern mit Philipp Tingler diskutieren. Gerade zur rechten Zeit: Vor den Wahlen ins Europaparlament und während hier die Konsultation zum Rahmenabkommen mit der EU läuft.

Andreas Reckwitz ist Soziologe und Kulturwissenschaftler an der Europa-Universität Viadrina. Am 11. März ist er im Stadttheater zu Gast. (Bild: Juergen Bauer)

Andreas Reckwitz ist Professor für Kultursoziologie an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder. Er hat viel veröffentlicht und steht im Rampenlicht der öffentlichen Debatte in Deutschland. Aufsehen erregt haben «Die Erfindung der Kreativität» (2012) und vor allem «Die Gesellschaft der Singularitäten» (2017). Angekündigt ist für Frühling «Das Ende der Illusionen – Politik, Ökonomie und Kultur in der Spätmoderne».

Reckwitz verbindet konkrete Beobachtungen mit abstrakten Thesen. Die These: Mehr und mehr versuchen Menschen, vor allem aus der Mittelschicht, «besonders» (singulär) zu werden in der Art wie sie leben, arbeiten, wohnen, essen, reisen. Es geht nicht wie früher darum, so zu sein wie die andern, sondern sich von der Norm zu unterscheiden. Und diese individuelle Besonderheit, muss nicht bloss gelebt, sondern auch gezeigt werden, damit die anderen sie wahrnehmen und zurückspiegeln können. Denn das «Ich» entsteht erst in den Beziehungen zu den anderen.

Dazu der O-Ton von Reckwitz aus einem Artikel in der ZEIT (29.11.2018): «Seit den 1970er Jahren hat «eine tiefgreifende Umschichtung unserer Lebenswerte stattgefunden: weg von der Pflicht, der Anpassung und sozialen Akzeptanz, hin zur Selbstentfaltung. Anders als noch seine Elterngeneration strebt das spätmoderne Individuum nach der Verwirklichung ‚seiner‘ inneren Wünsche. Es nimmt die soziale Welt immer weniger als eine vorgegebene an, sondern als einen Gegenstand von Optionen: Man will aus den Möglichkeiten wählen, was zu einem passt.»

Auffallend bei Reckwitz ist die Auffassung, zu oft würden allgemeine Entwicklungen zu stark der Politik und dem Staat zugeschrieben.  Reckwitz meint, vieles entstehe und entwickle sich gerade ausserhalb staatlicher Planung und Einflussnahme: «Die langen Wellen des technologischen Wandels und die Veränderung der Güter-, Arbeits- und Konsumstruktur des Kapitalismus sind keine geplanten Produkte staatlicher Politik, sondern haben ihre eigene Dynamik.»

Einverstanden? Nicht einverstanden? Und was hat das mit der Utopie Europa zu tun? Am Montag ist Andreas Reckwitz in Bern. Da kann man ihn dazu befragen.