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Journal B

Sagt, was Bern bewegt
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Kommentar /

Christoph Reichenau

Es weht ein frischer Wind

Nach elf Jahren mit einigen missglückten Versuchen scheint es der Stiftungsrat der Dachstiftung KMB-ZPK mit der baulichen Erweiterung des KMB ernst zu meinen. Ernst meinen heisst: Die Optionen auf den Tisch legen, alle Interessierten einbeziehen, zuhören wollen, sich in den Dienst der Sache stellen. Kurz: Das tun, was jede normale öffentliche Einrichtung tut, die ihre Geldgeber überzeugen will.

Genau hier lag das Problem. Das KMB verstand sich vor der Gründung der Dachstiftung 2015 und bis vor einem Jahr unter deren Schirm nicht als normale öffentliche Einrichtung. Es pochte auf den Status als privatrechtliche Stiftung – ungeachtet der Tatsache, dass diese Privatheit einzig auf dem Papier zählt, aber nicht auch wirtschaftlich. Wirtschaftlich hängt das KMB am Tropf des Kantons, dessen Subvention erst den Betrieb ermöglicht.

Der Tropf des Kantons wird gespeist aus den vielen Rinnsalen der Personen, die korrekt ihre Steuern bezahlen. Ihnen gegenüber ist der Stiftungsrat verantwortlich. Sie muss er mitnehmen auf die Reise hin zur baulichen Erweiterung. Sie wollen wissen, warum sie nötig ist, wohin sie führt, wieviel die Fahrkarte kostet und was sie am Ziel dereinst erwartet. Das ist nicht anders, als wenn eine Gemeinde zum Beispiel ein Altersheim baut.

Natürlich gibt es auch andere, die mitreden wollen. Etwa die assoziierten Stiftungen, denen das KMB einen wichtigen Teil seiner Kunstwerke verdankt. Etwa Bern, für dessen Bedeutung als Kulturstadt das KMB wichtig ist. Etwa Hansjörg Wyss, der zwanzig Millionen in Aussicht gestellt hat und wissen will, was die Schenkung bewirkt. Und etwa die Verbände der PlanerInnen und ArchitektInnen oder die DenkmalpflegerInnen, die sich verdienstvoll und uneigennützig als Sachwaltende vernünftiger Vorgehensweisen zur Verfügung stellen und sich für die Baukultur einsetzen.

Erstaunlich, was Jonathan Gimmel, seit September Interimspräsident der Dachstiftung, angestossen hat. Man spürt den langjährigen Worber Gemeindepolitiker an der Umsicht und Offenheit, mit der er zu Werke geht. Daran, dass einem das erfrischend vorkommt, merkt man, dass so lange so viel und mit so viel Geld «verkachelt» worden ist. Dass der Stiftungsrat dies eher überspielt, wenn nicht sogar vertuscht, ist ein Schatten über dem Neubeginn.

Der Schatten weckt Fragen. Steht der Stiftungsrat wirklich geschlossen hinter dem neuen, erfreulichen Vorgehen? Wenn ja, stand er auch hinter den Irrungen und Wirrungen der Vergangenheit? Was oder wer hat den Meinungsumschwung bewirkt – und für wie lange? Denn Gimmel ist Präsident ad interim. Ändert dies nicht bald, folgt ihm früher oder später wohl jemand von aussen. Wird dann wieder alles anders?

Man darf diese Fragen nicht stellen, man muss sie stellen. Und der Stiftungsrat muss sie beantworten mit klaren, einfachen Worten. Wenn sich der französische Präsident für Fehler entschuldigt, darf erwartet werden, dass der Stiftungsrat der Dachstiftung Fehler zumindest anspricht. All dies hat sowohl in der Ära Schäublin wie auch im Zwischenspiel Bucher gefehlt. Deswegen ist viel Vertrauen in das KMB und in die Dachstiftung verloren gegangen. Jetzt scheint ein neues Kapitel zu beginnen. Vertrauen stellt sich aber erst wieder ganz ein, wenn die Vergangenheit in allen Punkten erklärt und die Fortsetzung gesichert wird.

Die neue Ausstellung im KMB ist betitelt «You Never Know the Whole Story». Das gilt für die Kunst wie im (politischen) Leben. Hier wüssten wir aber gern so viel wie möglich. Und das ist möglicherweise mehr als man uns erzählen mag.