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Heidi Maria Glössner – zwischen Bühne und Filmset

Heute feiert Heidi Maria Glössner ihren 75. Geburtstag und ihr 50-jähriges Bühnenjubiläum. Neben ihrer Theaterarbeit kann die «Grande Dame» des Schweizer Theaters auch auf eine ebenso bemerkenswerte Filmkarriere zurückblicken.

Heidi Maria Glössner feiert heute ihren 75. Geburstag (Foto: William Croall, 2018)

Im Film «Die Herbstzeitlosen» spielt Heidi Maria Glössner die Rolle der Lisi Berger, von der alle zu wissen glauben, dass sie einmal in Hollywood war. Im Unterschied zu ihrer Filmfigur war Heidi Maria Glössner tatsächlich als junge Frau in Hollywood und traf dort Grössen der Filmbranche wie Doris Day, Rock Hudson und viele andere. Allerdings arbeitete sie damals noch nicht auf dem Filmset. Diese Kontakte bestärkten sie aber in ihrem schon vorher gefassten Entscheid, sich nach ihrer Rückkehr in die Schweiz zur Schauspielerin ausbilden zu lassen.

Danach dauerte es trotz ihrer Bekanntheit und ihren Erfolgen auf der Bühne mehr als 30 Jahre, bis sie für eine grössere Rolle einmal auf einem Filmset stand.  Ich treffe Heidi Maria Glössner unweit ihrer Wohnung im Altenberg, um mit ihr über diesen langen Weg zur Filmschauspielerin zu sprechen. Sie kommt mit dem Velo gerade von einer Probe für eine Neuinszenierung der «Geschichte vom Soldaten» von Charles-Ferdinand Ramuz und Igor Strawinski. Niemand käme auf die Idee, dass diese energische und elegante Dame heute ihren 75. Geburtstag feiern könnte.  

Türöffner Schweizer Fernsehfilm

Es seien ihr durchaus schon viel früher interessante und wichtige Rollen in Filmen angeboten worden, erzählt sie. Aber das Stadttheater Luzern, in dessen Ensemble sie damals angestellt war, habe ihr diese Engagements verboten, da es die damit verbundenen Terminkollisionen vermeiden wollte. Als alleinerziehende Mutter sei sie aber auf das feste Einkommen am Theater angewiesen gewesen. Auch nach dem Wechsel ans Stadttheater Bern im Jahre 1987 habe es für Tätigkeiten im Film vorerst keinen Platz gegeben.

Dies änderte sich, als das Schweizer Fernsehen ab dem Jahre 2000 begann, schweizerdeutsche Fernsehfilme produzieren zu lassen. Für diese Filme wurden eine beträchtliche Anzahl von professionellen Schauspielerinnen und Schauspielern benötigt, welche bestimmte schweizerdeutsche Dialekte sprechen konnten. Die Castingfirmen luden daher die Ensemblemitglieder schweizerischer Bühnen dazu ein, sich für solche Rollen zu bewerben. Und diesmal widersetzten sich die Theater diesen Engagements im Filmbereich nicht mehr; sie hatten gemerkt, dass auch sie selbst davon profitierten, wenn die bei ihnen tätigen Schauspielerinnen und Schauspieler bei einem neuen Publikumssegment bekannt wurden.

Es war denn auch ein Fernsehfilm, mit dem Heidi Maria Glössner ihre späte Filmkarriere startete. In «Kilimandjaro» von Mike Eschmann spielte sie die Mutter der Hauptfigur. Danach folgten eine Vielzahl weiterer Fernsehfilme in raschem Rhythmus; als eine ihrer Lieblingsrollen bezeichnet Heidi Maria Glössner dabei die Figur der Fabrikantengattin im Film «Verstrickt und zugenäht» von Walter Weber. Die Komödie dreht sich um Arbeiterinnen einer Nähfabrik, die zusammen mit der Gattin des durchgebrannten Direktors versuchen, den bankrotten Produktionsbetrieb selbst zu übernehmen..

«Lisi Berger» als bisheriger Höhepunkt

Eine völlig neue Erfahrung für Heidi Maria Glössner war dann aber ihr Auftritt als Lisi Berger im Kinohit «Die Herbstzeitlosen» von Bettina Oberli. Plötzlich sprachen sie wildfremde Leute auf der Strasse an und überschütteten sie mit begeisterten Kommentaren. Mehrfach erhielt sie Briefe von Frauen, die ihr erzählten, dass sie aufgrund dieses Filmes sich entschlossen hätten, ihrem Leben einen neuen Inhalt zu geben. «Ich hatte nie gedacht, dass ein Film reale Veränderungen bewirken kann», sagt sie rückblickend, «seit den ‚Herbstzeitlosen‘ weiss ich, dass es möglich ist.»

Allerdings war ihre Freistellung für die Dreharbeiten der «Herbstzeitlosen» noch immer keine Selbstverständlichkeit. Heidi Maria Glössner musste aus der eigenen Tasche die Schauspielerin bezahlen, welche sie in den gleichzeitig stattfindenden Vorstellungen am Stadttheater Bern vertrat.

Besser erging es ihr bei der Vorbereitung ihres bisher letzten Kinofilms, «Usfahrt Oerlike» von Paul Riniker. Als die Dreharbeiten unmittelbar bevorstanden, erhielt sie das Angebot, in der internationalen Grossproduktion «Youth» des italienischen Regisseurs Paolo Sorrentino mitzuwirken. Sie findet es auch heute noch erstaunlich, dass ihre Produktionsfirma Triluna Film AG bereit war, den fertigen Drehplan kurzfristig so abzuändern, dass ihr die Teilnahme an beiden Dreharbeiten ermöglicht wurde.

Noch lange kein Ende absehbar

Heidi Maria Glössner wird wohl auch weiterhin im Schweizer Kino zu sehen sein. Zur Zeit arbeitet wiederum die Triluna Film AG an einem Projekt mit dem vorläufigen Titel «Hanna und Yves», in welchem sie die Hauptrolle spielen wird. In zwei weiteren Schweizer Spielfilmen, die in absehbarer Zeit gedreht werden sollen, ist sie ebenfalls für wichtige Rollen vorgesehen.

Daneben wird sie weiterhin in Bern und anderswo auf der Bühne zu sehen sein. Auf die Querelen um Konzert Theater Bern angesprochen, ist sie ganz zuversichtlich: Die Situation habe sich verändert, das Ensemble sei «vom Eise befreit», und es herrsche eine entspannte Stimmung. Es mache wieder Spass, auf und mit der Berner Bühne zu arbeiten. Etwas Besseres kann man der unermüdlichen Theater- und Filminterpretin zu ihrem 75. Geburtstag gar nicht wünschen.