Aare
°

Journal B

Sagt, was Bern bewegt
Aare
°

Macher für das Machen der anderen

In fast 29 Jahren gab Peter Schranz sein Bestes, um Künstlerinnen und Künstler in ihrem Schaffen zu unterstützen. Am 31. Januar hat er seinen «Letzten».

Er ist der Doyen der Berner Kulturförderung. Noch. Am 1. September 1989 hat Peter Schranz in der Abteilung Kulturelles der Stadt Bern angefangen. Nun wird er pensioniert.

Peter Schranz betreute in all der Zeit die städtischen Förderkommissionen für alle Sparten: Literatur, Musik, Film, Theater und Tanz, bildende Kunst. Und er betreute die Künstlerinnen und Künstler, die sich mit Projekten an die Kommissionen wandten, um Unterstützung zu erhalten.

Er tat dies in einer Art, zu der die Bezeichnung «Doyen» gar nicht passt. Ein Doyen ist eine respektgebietende, väterliche, ja altväterische Figur, ein Diplomat. Peter Schranz ist fast nichts von alldem. Er äussert sich frank und frei, hat ein sanguinisches Temperament, ist auf der Höhe der zeitgenössischen Künste aller Sparten und eher Kollege oder Freund als Vater.

Peter war nie der Beamte, wie er oft böswillig karikiert wird: emotionslos, anteillos, Schema X. Nach seinem Credo wollte er möglichst Vieles und Vielfältiges möglich machen, kleine und grosse Vorhaben, Kunstwerke, Versuche. Wenn nicht im ersten, so vielleicht, hoffentlich ein einem zweiten, besser vorbereiteten Anlauf. Auch wenn die berufliche Position ihm Distanz zu Personen und Projekten auferlegte – Peter litt bei Absagen, die er im Namen ablehnender Kommissionen mitteilen, begründen, verteidigen musste. Ihm lag am Kontakt mit «seinen» Leuten und an deren Arbeit. Nicht seine Sache waren Institutionen, Taktieren, Finassieren, das Rampenlicht. Er war – im Hintergrund, aber nicht im Hinterzimmer – ein Macher für das Machen der anderen.

Er war es, lange, unermüdlich. AmtsleiterInnen, Kommissionsmitglieder und –präsidentInnen kamen und gingen – Peter Schranz verkörperte Kontinuität, Solidität, Gewissenhaftigkeit. Jetzt hat er Zeit für das Eigene: Lesen, Hören, Schauen, Schreiben. Musse für die Vertiefung in Literatur, nicht nur jene seiner «Hausheiligen» wie Kafka oder Nabokov oder Henry James.

Wenn er einen neuen Autor entdeckt, sagen wir Hermann Broch, liest er das gesamte Werk, auch verschiedene Fassungen einzelner Bücher, dazu Tagebücher, Briefe, Zeugnisse über den Schriftsteller. Er lebt dann mit ihm und in seiner Zeit, er verwandelt sich Mensch und Werk an.

So erkundet und vermisst er mit grosser Anteilnahme literarische «Monumente» und bringt sie in Beziehung zu anderen, gedanklich, stilistisch, zeitlich, räumlich, emotional. Und da er sich dank stupendem Gedächtnis auskennt in der Geographie und in der verästelten Gedankenwelt des Geschriebenen ebenso wie in den Bezügen zwischen den Schreibenden und ihrer Umgebung, erzählt er, einmal in Fahrt, davon begeistert Geschichte um Geschichte.

Für dieses Glück wünsche ich Peter alle Zeit. Und fürs Eiskunstlaufen mit Coco, seiner Frau, in der KaWeDe.