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Look forward!

Bald brennen im Schlachthaus Theater Bern 20 Kerzen auf dem Geburtstagskuchen. Das Motto des Fests: «don't look back!» Wie soll das gehen – ein Jubiläum feiern, ohne (zumindest ein bisschen) zurück zu schauen?

Vom 11. bis 14. Januar feiert das Schlachthaus Theater. Im Januar 1998 hat es in seiner heutigen Form das Tor an der Rathausgasse 20 in Bern geöffnet. Seit 20 Jahren belebt es die Bühnenkunst für Erwachsene ebenso wie für Kinder und Jugendliche, gut besucht und hoch geachtet. Anerkannt durch das Publikum, die Fachkritik und die Kulturförderung. Wobei letztere sich vor kurzem die Zähne ausgebissen am Theater – und an der Freien Theaterszene. Beide  leisteten erfolgreich Widerstand gegen den Versuch, ohne nachvollziehbaren Grund die Fusion mit der Dampfzentrale zu erzwingen. Das Selbstbewusstsein und die Kraft, die vor 20 Jahren zur Einrichtung des Schlachthaus Theaters geführt haben – Widerstand gegen die offizielle Politik, das Haus dem Stadttheater zu überlassen – , sie sind noch immer lebendig und kein bisschen abgenützt durch die subventionierten Jahre.

Das Programm

Grund zum Feiern also. Das Festprogramm ist reichhaltig:

-        «Still in Paradise» heissen die Szenen von Yan Duyvendak & Omar Ghayatt, die das Publikum wünschen darf. Der holländische und der ägyptische Performer erzählen ihre eigenen Geschichten, die so anders sind als es die Klischees vermuten lassen. (Do/Fr, 11. und 12.1., je 20:30 Uhr)

-        «Dancing About»:  Die fünf Mitglieder des Kollektivs Gob Squad tanzen in immer neuen Gruppen und erfahren dabei als unterschiedliche Gemeinschaften auf Zeit  Gemeinsamkeiten, Differenzen, Randständigkeit. (Sa, 13.1., 20:30)

-        Ein Gratis-Geburtstags-Ständchen bildet das festliche Finale.  Von der Band «Captain Frank» begleitet, singen einzelne Theaterschaffende und Gruppen, die mit dem Haus verbunden sind, Chansons, Kinderlieder, Klassik, Rock usw. (So, 14.1., 15:00)

Das theatralische, das tänzerische und das musikalische Element sind also zum Jubiläum präsent. Und wie oft im Schlachthaus spielt das Publikum eine Rolle: Spielszenen wählend, hart am Rand der Tanzfläche, mitsingend beim Ständchen.

Don’t look back!

«don’t look back!» – das Motto – ist Absage ans Schwelgen in Erinnerungen, an «Weisst du noch», an «Wäre es nur nochmals so wie damals», aber auch Njet zur kritischen Nabelschau des Gewesenen.

«don’t look back!» will eigentlich sagen: «look forward!» und fordert das Publikum auf, sich einzubringen, sich «sein» Theater vorzustellen und dessen Bedeutung für das eigene Leben und die Entwicklung der Gesellschaft zu bedenken. Ohne Publikum kein Theater. Ohne Theater kein Laboratorium für das auch anders Denk- und Machbare. Keine Schule der Empathie, des «Sich-in-andere-hineinfühlen-Könnens», der Solidarität, der Toleranz.

Dies alles ist dem Schlachthaus trotz oder vielleicht gerade wegen seiner engen räumlichen Verhältnisse in viel höherem Mass gelungen als dem Stadttheater: Theater zu werden für die Stadt, die Region und – vor allem – für die Leute hier, grosse und kleine. Dies ist der erworbene, erarbeitete Schatz. Ihn gilt es, in die Zukunft zu retten und zu äufnen. «Look forward!»

Näheres unter schlachthaus.ch.