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Hündchen muss zu Hause bleiben

Die Weihnachtgeschichte, anders erzählt und gesungen: Ein Erlebnis in der St. Antonius-Kirche zu Bümpliz. Am 23. Dezember zum letzten Mal.

Ein Laienspiel der besonderen Art am richtigen Ort: In der Bümplizer Kirche St. Antonius führen Kinder, Frauen und Männer ein musikalisches Weihnachtsspiel auf. Eine rot angestrahlte Backsteinwand, ein giftgrüner Tannenbaum, die Empore, zwischen den Kirchenbänke ein breiter Mittelgang – fertig ist der Bühnenraum. In ihm entwickeln die DarstellerInnen und Sängerinnen nach einem Libretto von Angelo Lottaz zur Musik von Bruno Wyss die Weihnachtsgeschichte andersherum als in Kapitel 2 des Lukas-Evangeliums. Die geschlossene Herberge ist unser Land, die Gastwirte sind wir selbst. Auf uns kommt es an ob wir hart und abweisend bleiben oder ob unsere Kälte zu schmelzen beginnt. Es ist die alte Geschichte, und doch ist sie wieder neu. Jede und jeder geht mit Fragen an sich nach Hause.

Und Nuri, das Hündchen? Es bleibt zurück, da das Geld fehlt, auch das Tier den Schleppern anzuvertrauen. Das ist die grosse Szene: Der Aufbruch der heiligen Familie auf dem nur in unserem Kopf sichtbaren maroden Kahn, derweil Nuri auf dem verlassenen Kai einsam bellt.

Mich hat das Stück (Projektleitung und Dramaturgie Stephanie Gräve, Regie Martin Gallati) gepackt. Gerade dass neben Damaris Blum (Marya), Niklaus Loosli (Yussuf) und Manuela Garrido (Engel) mit ihren schönen Stimmen Laien spielten und sangen, verlieh der Aufführung Authentizität. Einige Unsicherheiten im Gesang, einzelne Clichés im an die Wand projizierten Text – geschenkt. Der Gesamteindruck zählt, und der bewegte die ZuhörerInnen, die begeistert applaudierten.

Am 23. Dezember wird «Hündchen muss zu Hause bleiben» ein letztes Mal aufgeführt. Es hat noch ein paar Karten.