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Journal B

Sagt, was Bern bewegt
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Sie hat es geschafft!

Stephanie Gräve, 2016 als Schauspieldirektorin von Konzert Theater Bern geschasst, wird ab Sommer 2018 Intendantin des Vorarlberger Landestheaters in Bregenz.

Es spielt in der laufenden Saison mit einem kleinen Ensemble (ausbaubar) und vielen Gästen unter anderem «Liebelei» von Arthur Schnitzler, Kleists «Michael Kohlhaas», «Ein Volksfeind» von Henrik Ibsen, «Effi Briest» nach Theodor Fontane, Jasmina Rezas «Kunst», «Rapunzel» oder auch «Tschick» nach Wolfgang Herrndorfs Roman. Es führt ein Junges Theater für Kinder ab 5 Jahren mit eigenen Produktionen und Theaterclubs. Vermittlung wird gross geschrieben.

So viel wie in Bern

Es: Das Vorarlberger Landestheater in Bregenz, im Länderdreieck Österreich, Deutschland und der Schweiz, ganz nahe dem Fürstentum Liechtenstein. Fast 58‘000 ZuschauerInnen zieht es an pro Saison, mit Schauspiel und mit einer Opernproduktion, deutlich mehr als etwa das Schauspiel von Konzert Theater Bern.

In Bregenz wird ab Sommer 2018 Stephanie Gräve Intendantin. Im Januar 2016 ohne Kündigungsgrund fristlos freigestellt, später mit einer Abgangsentschädigung einvernehmlich aus dem Anstellungsvertrag  freigekauft, auch nach ihrem Abgang vom Intendanten verunglimpft und schlecht geredet – in dieser bösartigen Posse hat Gräve an sich geglaubt. Obwohl es der Berner Stiftungsrat nicht für nötig befand, ihre Verdienste anzuerkennen.

Nun erhält sie in Bregenz die Chance, ihr Verständnis von Theater ins Werk zu setzen. Die Rehabilitation ist umso schöner, da dabei Andreas Beck mitwirkte, der laut NZZ «glanzvolle» Intendant des Basler Theaters.

«Hündchen muss zu Hause bleiben»

Stephanie Gräve ist in den kommenden Tagen in Bern künstlerisch präsent. Sie verantwortet in der Kirche St. Antonius in Bümpliz das musikalische Weihnachtsspiel «Hündchen muss zu Hause bleiben» von Angelo Lottaz (Libretto) und Bruno Wyss (Musik). Die Weihnachtsgeschichte, erzählt als Fluchtodyssee voller Gefahren. Gespielt von professionellen KünstlerInnen, aber auch von Laien, Kindern und Erwachsenen verschiedener Konfessionen, Religionen, Nationen. Première ist am Samstag, 16.12., 19 Uhr, weitere Aufführungen am 17.12. 17 Uhr und am 23.12. 18 Uhr.

Für das katholische Pfarrblatt schreibt Stephanie Gräve: «Letztlich ist das Stadttheater eine tolle Errungenschaft: Eine Stadt leistet sich ein Theater, ihr Theater. Daraus erwächst die Verantwortung der Institution, für die ganze Stadtgesellschaft da zu sein, nicht nur glitzerndes Luxusspielzeug einer bürgerlichen Elite. Die gesellschaftliche Öffnung der Häuser ist in der Schweiz durchaus ausbaufähig - ich erinnere mich, wie überrascht man am Kompetenzzentrum Integration und an der BFF in Bern war, als ich, die Schauspieldirektorin, mit dem Anliegen vorsprach: Lasst uns Wege der Zusammenarbeit suchen! Wir möchten mit unserer künstlerischen Arbeit Bevölkerungsschichten erreichen, die bisher keinen Zugang zum Theater finden. Leider liegen solche Initiativen nun wieder brach.»

Hat man eine Haltung?

Gräve fährt fort: «Man muss das nicht machen. (…) Es bleibt eine Frage der eigenen Wertvorstellungen, nicht der Notwendigkeit, die Ränge zu füllen: Möchte man möglichst viele Menschen in einer Stadt erreichen oder nur eine Elite? Vertritt man ein gesellschaftliches Anliegen oder sieht man Theater als bürgerliche Repräsentationskiste? (…) Hat man eine Haltung?!»

In Bregenz erhält Gräve nun die Gelegenheit, nach ihrer Haltung zu arbeiten und Theater zu machen. Wir freuen uns und wünschen ihr alles Gute.