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Journal B

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Türen, falls es sie überhaupt noch gibt

Der Schriftsteller Peter J. Betts – bis 2003 Kultursekretär der Stadt Bern – hat mit «Fährten im Wind» einen Band mit Gedichten veröffentlicht, die während Jahrzenten entstanden sind.

Türen der Erinnerung
 

Ein ebenerdiges Haus mit Veranda am Zambesi,
ein ebenerdiges Haus mit Veranda am Kafue,
ein anonymes Reihenhaus in Southampton,
eine lärmige Stadtwohnung in Zürich,
ein Haus mit Garten in Huttwil,
eine Mansarde an der Militärstrasse in Bern,
eine Zweizimmerwohnung ohne Warmwasser an der Rodtmattstrasse in Bern,
eine Zweizimmerwohnung mit Warmwasser an der Wiesenstrasse in Bern,
eine umgebaute Missionshalle in Lindfield,
eine Wohnung in Jegenstorf,
zwei weitere in Bern:
zwölf geschlossene Türen, falls es sie überhaupt noch gibt,
oder rund fünfzig Jahre.

 

«Türen zur Erinnerung» ist eines der Gedichte, die der Autor während Jahrzehnten (dieses wohl etwa 1995) geschrieben und nun zu einer kleinen Auswahl gebündelt hat. Das Bündel umfasst Texte, so der Verlag, die unabhängig vom Entstehungsdatum «relevant sind für die Gegenwart und möglichst auch darüber hinaus». Ein Büchlein also für alle kalendarischen und emotionalen Jahreszeiten, eine erste poetische Summe.

Eine vorläufige Summe. Denn Peter J. Betts, um dessen «Fährten im Wind» es sich handelt, zählt 75 Jahre – noch «kein Alter» wie man heute sagt. Betts, in Livingstone (ehemals Rhodesien) zur Welt gekommen, später in Huttwil aufgewachsen, Studium in Bern, Schriftsteller, Lehrer und Berner Kultursekretär zwischen 1978 und 2003. Sein beachtliches Werk umfasst Gedichte, Theaterstücke, Essays, kulturpolitische Beiträge und Romane (zuletzt 2015 «Geschichten vom Fluss», seine Lebenserzählung).

Peter J. Betts, Fährten im Wind, Gedichte. Zürich (Offizin Verlag) 2017, 103 S.