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Direktorin Nina Zimmer: «Ich leite sehr gern»

Die Direktorin des Kunstmuseums Bern und des Zentrums Paul Klee – beide neu Teile einer Dachstiftung – ist seit neun Monaten im Amt. Vieles ist zu fragen, im Gespräch bleiben Nina Zimmers Antworten auf manches vage (Teil 1).

Nina Zimmer, Direktorin Kunstmuseum Bern und Zentrum Paul Klee  (Monika Flückiger)

Journal B: Was ist für Sie das neue Gebilde «Kunstmuseum Bern/Zentrum Paul Klee»?

Nina Zimmer: Die neue Stiftung vereint zwei Häuser unter einem Dach. Kunstmuseum Bern (KMB) und Zentrum Paul Klee (ZPK) sollen ihre in unterschiedlicher Geschichte geformte Identität behalten und sich aufgrund ihrer Stärken weiterentwickeln. Diese sind weitgehend durch die eigenen und die ihnen anvertrauten Sammlungsbestände gesetzt. Beim ZPK gilt es, auch die anderen Kunstsparten wie die Literatur, die Musik, den Tanz und das «Fruchtland», die Agrikultur, zu pflegen. Das KMB ist seinen weit in die Vergangenheit zurück reichenden Sammlungen verpflichtet; es hat dazu den Auftrag, in die Zukunft hinein weiter zu sammeln und dabei die Berner und Schweizer Kunst zu beachten.

Ausstellungsschwerpunkte

Welche Schwerpunkte sehen Sie im Ausstellungsprogramm von KMB und ZPK in den kommenden zwei bis vier Jahren?

Die beiden Profile sind auch massgeblich für die Planung der Ausstellungen. Die gemeinsame Bespielung beider Häuser zu einem Thema – wie jetzt zur russischen Revolution und ihren Folgen in der Kunst, die NZZ spricht von «hervorragenden» Ausstellungen – möchte ich neben anderen Formaten punktuell nutzen, aber es soll kein Automatismus werden. Ich verspreche mir von einer Stärkung der Identität beider Häuser insgesamt mehr Kraft und Visibilität für den Kunstplatz Bern.

Zur Planung nur so viel: Im KMB soll es künftig leicht weniger Ausstellungen geben, dafür grössere, die in internationaler Kooperation Aspekte der eigenen Sammlungen über die Schweiz hinaus sichtbar machen: Das wird nächstes Jahr etwa eine Ausstellung zum hundertsten Todesjahr von Ferdinand Hodler sein, die wir in Zusammenarbeit mit dem Musée d’art et d’histoire Genf und der Hamburger Kunsthalle vorbereiten. In idealer Weise entspricht diesem Verständnis die derzeitige Ausstellung zu Terry Fox, der persönliche Bezüge zu Bern hatte, auf die Schweizer Kunst wirkte – etwa auf Pipilotti Rist – und internationale Ausstrahlung besitzt. Zusammenarbeit mit einem belgischen Museum – Musée des Beaux-Arts Mons – und deutschen Partnern – Akademie der Künste Berlin und Von der Heydt-Museum Wuppertal – machte dies möglich.

Im ZPK ist dank Klee die internationale Wahrnehmung gesichert. Hier ist mir wichtig, über Klees unmittelbaren Freundes- und Einflusskreis hinaus Bezüge von seinem Werk zu anderen Kunstregionen herzustellen. Eine schon länger geplante Ausstellung, die wir diesen Herbst eröffnen, ist «Ten Americans»; sie widmet sich der Klee-Rezeption in den USA ab den 1940er Jahren.

Daniel Spankes Abgang

Man hört von Abgängen wichtiger Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowohl am KMB als auch am ZPK. Sie kommunizieren darüber nicht. Fragt man nach, wird um den heissen Brei geredet. Es geht namentlich um Daniel Spanke. Er war seit ein paar Jahren sehr aktiver Ausstellungskurator im Kunstmuseum Bern. Spanke besorgte 2016 massgeblich die Ausstellung «Moderne Meister – ‘Entartete’ Kunst im Kunstmuseum Bern». Auch für andere Museen, etwa das Kunsthaus Interlaken, war Daniel Spanke ein geschätzter Partner. Sein Weggang wurde den Partnern in laufenden Projekten erst kommuniziert, als diese sich an ihn wenden wollten und eine automatische Mailantwort erhielten. Weshalb ging er?

Im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Umbau des KMB wurde seine Stelle aufgehoben. Im Hinblick auf seine berufliche Neuorientierung wurde er von seinen Verpflichtungen entbunden. Ich habe Daniel Spanke ausdrücklich für seine sehr gute Arbeit gedankt und wünsche ihm für seine berufliche Zukunft alles Gute. Selbstverständlich unterstützen wir ihn bei der Suche nach einer neuen Anstellung oder nach neuen Aufträgen.

Wirkt die Dachstiftung?

Wie beurteilen Sie in der Praxis das Funktionieren und die Wirkung der Dachstiftung als Klammer von KMB und ZPK? Können durch das Nutzen von Synergien tatsächlich Kosten eingespart und die Mittel zu Gunsten der Kunst eingesetzt werden? In welchem Umfang und wofür?

Die Dachstiftung wirkt im Hintergrund. Diese Konstruktion hat uns ermöglicht, eine einheitliche Buchhaltung, eine gemeinsame IT-Lösung, das Zusammenlegen der Marketingstrukturen, Kooperation bei den Aufsichten und vieles mehr umzusetzen.

Die Sammlungen bleiben Eigentum der Häuser bzw. der sie tragenden Stiftungen. Dank der Dachstiftung ist aber der interne Leihverkehr einfacher, auch aufgrund einer massgeschneiderten Versicherungslösung. In der Ausleihe von Werken nach aussen bzw. von anderen Museen hilft die gemeinsame Position. Allerdings bleibt die neue Stärke den Partnern nicht verborgen; ihre Ansprüche auf Gegenleistungen wachsen.

All dies ist für das Publikum nicht unmittelbar sichtbar. Das Sichtbare, die Ausstellungen und Veranstaltungen, bleiben in der Regel getrennt. Die Mitarbeitenden, die mit Kunst zu tun haben, sind im jeweiligen Kontext hochgradig spezialisiert, diese Teams werden nicht miteinander vermischt. Allerdings sind einige unserer Mitarbeitenden in ihrer Arbeitsbiographie zwischen den Häusern hin- und hergewandert und haben dadurch Erfahrungen an beiden Orten.

Der finanzielle Effekt wird in der Jahresrechnung 2016 erstmals ausgewiesen werden. Er kommt ganz der Kunst zugute.

Leiten Sie eigentlich gern? Sind Sie in der vierköpfigen Geschäftsleitung die Chefin oder die prima inter pares?

Ich leite sehr gern. Die hiesige Stellung ist die logische Weiterentwicklung nach meiner Zeit am Kunstmuseum Basel. Als Vizedirektorin war ich dort auch mit Leitungsaufgaben, etwa für die personellen Umstrukturierungen im Hinblick auf den Erweiterungsbau, betraut. In der Berner Geschäftsleitung führe ich konsensorientiert. Doch es gibt manchmal Momente, in denen jemand entscheiden muss. Das sehe ich auch als meine Aufgabe an.

Kunstvermittlung und Inklusion

Beabsichtigen Sie, die Kunstvermittlungsdienste von KMB und ZPK mit der Stiftung Creaviva, die im ZPK das Kindermuseum betreibt, zusammenzulegen oder für sie eine gemeinsame Strategie festzulegen? Könnte das gemeinsame Potential auch über die beiden Häuser hinaus genutzt werden?

Es gibt gemeinsame Sitzungen der drei Vermittlungsteams im KMB, im ZPK und im Creaviva. In einem nächsten Schritt sollen die Teams des KMB und des ZPK näher zusammenwachsen und eine gemeinsame Buchungsstelle einrichten. Mit der «Fondation pour le musée des enfants Creaviva» wird kollegial kooperiert. Deren Eigenständigkeit hat ihre Geschichte und Berechtigung. Sie leistete bisher phantastische Arbeit; ich sehe keinen Grund, daran etwas zu ändern.

Wie wichtig ist für Sie Inklusion von Menschen mit Behinderungen? Weshalb wurde die Stelle von Sara Stocker gestrichen?

Das Engagement von Creaviva in der Kunstvermittlung für und mit Menschen mit Behinderungen kam wegen begrenzter Projektmittel zum Ende. Die Stelle lief aus. In einer internen Arbeitsgruppe, die sich regelmässig mit dem Kanton austauscht, führen wir diese Bemühungen weiter und planen mögliche weitere Projekte. 

Lesen Sie morgen den zweiten Teil des Gesprächs: «Im Stiftungsrat bin ich lediglich Gast».