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Am Ende ein dürre Mitteilung

Nach fünfmonatiger Verhandlung haben sich Stephanie Gräve und der Stiftungsrat von Konzert Theater Bern (KTB) auf die vorzeitige Auflösung des Arbeitsverhältnisses der im Januar fristlos freigestellten Schauspieldirektorin geeinigt.

Am Schluss ist es wie zu Beginn der Geschichte eine dürre Medienmitteilung. Der Stiftungsrat als Arbeitgeber, die Intendanz von KTB und Stephanie Gräve teilen mit, dass der an sich bis Ende Juli 2019 laufende Arbeitsvertrag per 15. Juli 2016 aufgelöst wird, also rund Jahre vorzeitig. Stephanie Gräve erhält eine Entschädigung von rund 200'000 Franken. Dies ist ein Ausgleich für den ihr von KTB genommenen Arbeitsplatz und berücksichtigt, dass sie bis Ende 2017 keinen Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung hat. Ab sofort ist die Schauspieldirektorin frei, neue Stellen oder sonstige Engagements anzutreten. Dies ist jedoch in einem Kulturbereich, der von Saison zu Saison funktioniert, kaum so rasch möglich.

Hohe Kosten

Wenigstens finanziell ist es also für Stephanie Gräve gut herausgekommen. Für KTB stimmt die Sache finanziell weniger. Seit dem 21. Januar 2016 darf Frau Gräve nicht mehr arbeiten, obwohl nichts an ihrem Verhalten eine Kündigung gerechtfertigt hatte. Sie erhielt weiterhin ihren Lohn, und nun die vereinbarte Entschädigung. Insgesamt kostet die einseitig verfügte Untätigkeit der Schauspieldirektorin KTB wohl 250'000 Franken (Lohn plus Entschädigung) zusätzlich zu den Kosten ihrer Nachfolgerin oder ihres Nachfolgers. Ausserdem sind die Anwaltskosten zu begleichen, die von Gräves Vertreter und jene des KTB-Fürsprechers. Da muss man sich fragen, ob die öffentlichen Mittel wirklich zweckmässig eingesetzt wurden und werden. Es gäbe wichtigere Einsatzmöglichkeiten für Subventionen, von denen einerseits behauptet wird, wie knapp sie seien, und die andererseits doch mehr als 80 Prozent der Einnahmen von KTB ausmachen.

Dass diese finanzielle Betrachtung die Sicht auf die künstlerischen Leistungen von KTB überlagert, ist schade. Das ist allerdings nicht die Schuld von Stephanie Gräve, sondern jene des Stiftungsrats, der nie klar Auskunft gab über die Gründe der Freistellung. Und des Intendanten, der im Interview mit dem „Bund" seiner Schauspielchefin – er hatte sie mit grossen Vorschusslorbeeren geholt – Fehlverhalten attestierte und unterschob, sie habe sich einer von ihm gewünschten Mediation verweigert.

KTB schweigt

Dies ist offenkundig frei erfunden. Zutreffend ist aber, dass dem Stiftungsrat – dem Arbeitgeber sowohl des Intendanten, als auch der Schauspieldirektorin – nicht viel daran lag. Dieses Versäumnis kostet jetzt viel Geld, das keiner der Verantwortlichen berappt, sondern wir alle, die dazu nicht gefragt worden sind.

Gerne hätte man noch Fragen gestellt. Zum Beispiel nach der Höhe der Entschädigung und ihrer Bemessung. Oder nach der Schweigepflicht von Frau Gräve im neuen Rechtszustand. Der Vizepräsident und Anwalt des Stiftungsrats KTB, Marcel Brülhart, verweist per Mail darauf, Auskunftsperson sei Präsident Benedikt Weibel. Und dieser antwortet, in der Auflösungsvereinbarung sei ausdrücklich festgelegt, die Parteien hätten vereinbart, öffentlich nicht mehr zu sagen, als was in der Medienmitteilung stehe; daran halte sich KTB. Ein organisiertes Schweigen.

Offene Fragen

Unbeantwortet bleibt deshalb auch die explizit gestellte Frage, ob das Gerücht stimme, dass Stephanie Gräve bis Ende 2017 keine Theaterpremièren und ähnlich offizielle Veranstaltungen von KTB besuchen dürfe; ein selektives Hausverbot also.

Keine Antwort ist auch eine Antwort. Sie bedeutet wohl, dass ein Kulturort immer noch tiefer sinkt. Was könnte Stephanie Gräve, der man die Bretter, die die Welt bedeuten, untern Füssen weggezogen hat, jetzt dem Theater durch ihre Präsenz noch schaden, wo man sich geeinigt hat? Und schliesslich: Wer schadet hier überhaupt dem Theater – die fristlos freigestellte Schauspielchefin oder der Intendant, dem der Stiftungsrat den Rücken stärkt?

Naiv?

Vergeblich sucht man in der Medienmitteilung ein Wort des Danks und der Anerkennung für Gräves Arbeit. Kein Bedauern, kein „viel Glück und alles Gute", auch wenn es nur formal wäre. Natürlich ist naiv, wer solches erwartete. Aber manchmal ist Naivität normaler als die reale Kaltschnäuzigkeit und Kälte, die in dieser traurigen Geschichte vorherrschen.