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Kunst-Stafette #54: Heinrich Gartentor

Kunst-Stafette

Heinrich Gartentor zelebriert in seinem Video das Essen eines Nationalgerichts. Garniert mit quasi-kulturhistorischem Kommentar und entstanden unter dem Boden der Altstadt, konfrontiert er uns mit dem Röstigraben vor unserer Nase.

Was hat dich zu dieser Arbeit veranlasst?

Heinrich Gartentor:

Ich liess mich im November 2000 für zwei Wochen in die ehemalige Zivilschutzanlage unter dem Casinoplatz in Bern einsperren und dokumentierte, was man so tut, wenn man nichts zu tun hat. Entstanden sind ein Dutzend Videos, unzählige Fotos, eine Ausstellung vor Ort und eine Publikation. Die Aktion war Bestandteil der Ausstellungsreihe «Secret Spot – verborgene Orte» der Stadtgalerie Bern. «Rösti» lief an den Solothurner Filmtagen. 

Welchen Raum brauchst du für deine Kunst?

Ich kann überall arbeiten und mag es dort am liebsten, wo es karg ist, wo ich wenig Ablenkung habe und es auch ein bisschen weh tut. 

Sind gesellschaftliche Fragen Thema deiner Kunst?

Ich schaue und höre der Gesellschaft gerne zu. Daraus ziehe ich meine Schlüsse und machmal spürt man diese in meinen Arbeiten und manchmal auch nicht. 

Suchst du die Öffentlichkeit?

Ein Suchen ist es nicht. Öffentlichkeit ist immer da, sobald man sein Kämmerlein verlässt.

Wo siehst Du Potential zur Nutzung des öffentlichen Raums?

Man sollte den öffentlichen Raum mehr in Beschlag nehmen ohne nachzufragen, ob man das überhaupt darf. Probleme entstehen ja immer erst dann, wenn man Anstand und Sorgfalt verliert oder den Neid anderer erweckt. Aber man sollte es drauf ankommen lassen. Grundsätzlich ist immer mehr erlaubt als man denkt.

Welches ist dein persönlicher Hotspot in Bern?

Es gibt verschiedene Hotspots: Die Dachstöcke der Kunsthalle, des naturhistorischen Museums und des Münsters; das Innere der Nydeggbrücke; die Tropfsteinhöhle unter dem Aargauerstalden. Alles verborgene Orte, die man gesehen haben sollte.

Die nächste Kunst-Stafette erscheint am 29. März mit Adrien Rihs.