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Kommentar /

Christoph Reichenau

Ein stiller Affront

Beim Abschied von Peter Fischer als Direktor des Zentrums Paul Klee wurde mit Recht Vieles gelobt und verdankt. Übergangen wurden die Beiträge der Gründerfamilie Müller.

Im Sommer 2005 öffnete das Zentrum Paul Klee (ZPK) seine Tore. Martha und Maurice E. Müller hatten den Bau mit rund 120 Millionen Franken aus ihrem Vermögen finanziert und auch das Grundkapital für die eigenständige Stiftung Creaviva geschenkt. Ihnen wurde dafür das Ehrenbürgerrecht der Stadt Bern verliehen. Bis 2011 sprachen die öffentlichen Subventionsgeber stets deutlich weniger Mittel als von Anfang an nötig gewesen wären. Erst seit 2011 ist das ZPK, das rund die Hälfte seiner Betriebsmittel selber erwirtschaftet, an Subventionen dem Kunstmuseum Bern fast gleichgestellt. Insgesamt dürften bis heute, elf Jahre nach Eröffnung, grosszügig gerechnet etwa 80 Millionen Steuerfranken in das ZPK geflossen sein – zwei Drittel des Betrags, den Müllers privat aufgebracht haben. Bis die ehemalige private Investition und die laufenden öffentlichen Betriebsmittel gleichauf liegen, dürfte es noch fünf, sechs Jahre dauern. (Zur Erinnerung: Mäzen Hansjörg Wyss hat für das Kunstmuseum Bern 2004 ein Kapital von 20 Millionen bereitgestellt, das noch nicht vollständig aufgebraucht ist.)

Was soll die Rechnerei? Gestern wurde Peter Fischer verabschiedet, der nach vier Jahren auf eigenen Wunsch als Direktor das ZPK verlässt. Kein Lob war zu gross, kein Glanz zu hell, kein Wort zu pompös. Wer es nicht besser wüsste, hätte annehmen müssen, vor dem Scheidenden habe es das ZPK nicht gegeben – oder lediglich als «Fass ohne Boden», wie das Zentrum oftmals gegen besseres Wissen schlecht gemacht worden ist. Jetzt also, vier Jahre nach Peter Fischers Amtsübernahme: eitel Sonnenblumenschein.

Das könnte man, Abschiede sind ja Abdankungen verwandt, als übliche Übersteigerung hinnehmen. Schwierig wurde es beim Dank. Mit Recht wurden die Leistungen der Burgergemeinde Bern hervorgehoben, der Sponsoren, der Künstlerinnen und Künstler, der Mitarbeitenden. Kein Wort der Anerkennung jedoch an die Adresse der anwesenden Mitglieder der Familie Müller. Weder der Stiftungsratspräsident, noch der Leiter des kantonalen Amts für Kultur, noch Peter Fischer hielten dies einer Erwähnung wert.

Ein stiller Affront? Ein Lapsus im Eifer des Gefechts? Schade, dass die Geschichte so rasch vergessen ist. Und erstaunlich, wie wenig Anstand zählt. Denn Leistungen von Mäzenen nicht zu würdigen, ist kein Zeichen für einen stilsicheren Umgang mit privatem Geld in der Kultur.