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Journal B

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Der Auftakt ist geglückt

Am 1. Berner Kulturforum diskutierten im Naturhistorischen Museum 190 Personen über Ziele in sieben Handlungsfeldern. Daraus soll bis Ende 2016 eine gesamtstädtische Kulturstrategie entstehen. Der Gemeinderat hat damit bewiesen, dass er es ernst meint.

Der «Bund» hatte dem Anlass zwei Vorschauseiten gewidmet, die «Berner Zeitung» blamierte sich mit einem Vorausverriss. Dem Gemeinderat war es mit dem Anlass ernst: Vier Mitglieder nahmen an der Erstausgabe des Berner Kulturforums teil. Sie standen ein für ein breites Kulturverständnis und betonten die Bedeutung der Kultur für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und als Experimentierfeld zur Weiterentwicklung der Stadt. Die Stichwörter Teilhabe, Freiheit und Dialog prägten die politische Einstimmung in das Thema.

Im September 2015 war der Prozess hin zu einer Kulturstrategie lanciert worden. Grundlagen bilden die politischen Vorstösse im Stadtrat, zahlreiche Strategien, Konzepte, Leitbilder, Thesen anderer Gemeinwesen und Dutzende von Gesprächen der Projektleiterin Franziska Burckhardt mit Fachpersonen aller Richtungen. Aus alldem resultierte ein Bedürfnis-, Defizit- und Forderungskatalog. Dieser mündete in sieben Handlungsfelder:

- Zugang zu Kultur

- kulturelle Tätigkeit von Laien

- Kulturproduktion mit künstlerischem und professionellem Anspruch

- Ausstrahlung, Kommunikation, Wirkung von und für Bern

- (Frei-)Räume, Bewilligungswesen, Rahmenbedingungen

- Zusammenarbeit, Partizipation und Dialog

- Kooperation in der öffentlichen Kulturförderung, also zwischen der Stadt, der Regionalkonferenz Bern-Mittelland, dem Kanton und der Burgergemeinde Bern.

Für die Handlungsfelder sollten die 190 Teilnehmenden Ziele formulieren. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer stammten aus allen Kunstsparten und -einrichtungen, aus vielen Ämtern der Stadt- und Kantonsverwaltung, aus dem Bildungswesen, den Bibliotheken, den Leisten, den Kirchen, der Integrationsarbeit, aus Buchhandlungen und Kunstgalerien, der Hochschule der Künste, aus der Wirtschaftsförderung, der Tourismusorganisation, von Stiftungen und politischen Parteien.

Jede Person konnte sich an bis zu drei Diskussionsrunden zu je einem Handlungsfeld beteiligen. Gefragt waren knappe und klare Vorschläge. Kann da etwas herausschauen? Ja, es ist möglich, wenn sich alle konzentrieren.

Zwei Beispiele. Zum Handlungsfeld «Zugang zu Kultur» wurden etwa diese Ziele gesteckt: Zugang soll zu Kultur im weiten Sinn geöffnet werden, spartenübergreifend. Der Zugang soll gratis oder sehr kostengünstig sein (analog zur Bildung). Idealerweise betreut eine neue gemeinsame Organisation den Zugang zu allen Sparten und Einrichtungen – etwa auch zu Buchhandlungen – und dies in verschiedenen Sprachen. Dauerhafte Angebote sollen kurzatmige Einzelprojekte ersetzen.

Für das Handlungsfeld «kulturelle Tätigkeit von Laien» wurden diese Ziele genannt: Mehr Unterstützung für Organisationen von Amateuren aller Altersgruppen, die kulturell aktiv sind. Die Unterstützung soll der Amateurarbeit «an sich» gelten, nicht der Vorbereitung auf «Höheres». Und: Für Projekte von und mit Amateuren, die noch keine Bewährungsprobe bestanden haben, soll eine besondere Risikofinanzierung mit eigener Kommission eingerichtet werden, die Experimente und Innovationen fördert.

Am abschliessenden Plenum wurde über die Akzente der Gruppenarbeit berichtet. Im Vordergrund stehen der Bedarf an Räumen, gerade auch in Zwischennutzung, und der Wunsch nach einer Wegleitung durch den Dschungel der Bewilligungsverfahren (der ebenfalls anwesende Regierungsstatthalter hörte es).

Klar war auch, dass Zugang zu Kultur für alle und von jung an wichtig ist; das muss in der Schule beginnen, warum nicht mit einem besonderen Fach. Und wichtig ist ebenso, die Grenze zwischen der Kultur der Amateure und der Kunst Professioneller durchlässiger werden soll.

Was nun? Die im Projektverantwortlichen werten nun die Inputs aus, formulieren sie zu Zielen und ordnen die Ziele nach Prioritäten. Im Juni werden am 2. Kulturforum Massnahmen gesucht, um die Ziele zu erreichen. Bis Ende Jahr soll der Gemeinderat die Strategie verabschieden können.

Mein Fazit: Die Stimmung war gut. Es wurde konstruktiv debattiert, auch in den Pausen und beim abschliessenden Apéro. Am Podium trafen sich viele, die sich nicht kannten oder länger nicht gesehen hatten. Die Breite des Kulturbegriffs spiegelte sich in der Vielfalt der Teilnehmenden, der Unterschiedlichkeit ihrer Voten. Es war eine Versammlung Interessierter, die das Glas prima vista halb voll sehen. Die Übungsanlage stimmt. Der Gemeinderat meint es ernst. Ein erster Schritt ist getan. Wenn das zweite Treffen im Sommer ähnlich fruchtbar wird, kann eine Strategie entstehen, die sich von den vielen unterscheidet und die Segel richtig setzt.