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Kunst-Stafette #50: Samuel Schaerer

Kunst-Stafette

Anmutig und archaisch zugleich steht Samuel Schaerers Ballerina vor der Werkstatt. Sie scheint nicht von dieser Welt und ist doch fest verwurzelt im Baumstamm, aus dem sie Schaerer mit der Kettensäge befreit hat. 

Samuel Schaerer: «Tanz», Konolfingen 2015, Eichenholz und Kalkstein. (Foto: zvg)

Was hat dich zu dieser Arbeit veranlasst?

Samuel Schaerer:

Ursprünglich war die Skulptur «Tanz» eine Arbeit für ein Bildhauersymposium, von dort wurde das Thema auch vorgegeben. Ich habe aber dann an der Skulptur weitergearbeitet, ohne auf das ursprüngliche Thema weiter einzugehen. Dabei habe ich mich instinktiv leiten lassen, fügte hinzu und veränderte so lange, bis mich die Arbeit befriedigte und optimal auf mich wirkte. Mich interessierte bei dieser Skulptur auch der technische Aspekt, das Verbinden von Holz und Stein, das Ausprobieren von Farbstoffen auf unterschiedlichen Oberflächen.

Warum hat die Tänzerin Hörner? 

Zunächst sägte ich die Ballerina aus einem Eichenstamm. Mir schien beim Arbeiten an der Holzskulptur aber mit einem Mal, dass der Kopf zu wenig lebendig wirkte. Ich schnitt den Kopf aus Holz weg und ersetzte ihn durch einen steinernen Kopf, an dem ich genauer arbeiten und dem ich mehr Ausdruck verleihen konnte. Zudem hat das Material Stein an sich mehr Power, mehr Ausstrahlung als Holz. Die Hörner kamen intuitiv dazu, es sah einfach gut aus - irgend etwas hatte mir auf der Seite des Kopfes gefehlt, es war wie ein leerer Raum dort. Ein gehörnter menschlicher Kopf hat auch etwas Archaisches, Ursprüngliches. Das Androgyne, das Ungewohnte, aber auch die Polaritäten interessieren mich. Eine Ballerina mit Hörnern und einem eher männlichen Gesicht hatte ich noch nie gesehen und faszinierte mich.

Hast du deine Skulptur für einen bestimmten Standort gemacht? 

Diese Skulptur ist wie die meisten meiner Arbeiten in meiner Werkstatt in Konolfingen entstanden und steht auch momentan noch dort. Sie ist nicht für einen bestimmten Standort gemacht. Meistens stehen meine Figuren im Aussenraum, dies hängt jedoch auch von der Grösse, vom Material und von den Wünschen meiner AuftraggeberInnen oder KäuferInnen ab. 

Arbeitest du immer figürlich oder manchmal auch abstrakt? 

Ich habe Arbeiten mit abstrakten und figürlichen Elementen versucht zu kombinieren. In meinen freien Arbeiten kommt aber mehrheitlich der Mensch zur Darstellung.

Welchen Raum brauchst du für deine Kunst?

In meiner Werkstatt entstehen die meisten Arbeiten. Der Raum, in dem eine Arbeit entsteht oder einmal stehen wird, hat natürlich einen grossen Einfluss auf das Resultat und wirkt sich entsprechend aus.  

Sind gesellschaftliche Fragen Thema deiner Kunst?

Gesellschaftliche Fragen und Themen beeinflussen mich und natürlich auch meine Arbeit und mein Kunstverständnis. Es gibt jedoch auch Arbeiten, bei denen dies eine untergeordnete Rolle spielt.

Wo siehst du Potenzial zur Nutzung des öffentlichen Raums?

Ich sehe zum Beispiel Potenzial in der aktuellen Architektur und Raumgestaltung, wo es vor lauter Reduktionen oft kalt und unpersönlich ist. 

Welches ist dein persönlicher Hotspot in Bern?

Der Läuferplatz, unten an der Aare bei der Untertorbrücke.

Die nächste Kunst-Stafette erscheint am 19. Januar 2016 mit Lilian Zürcher.