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Kunst-Stafette #22: Christoph Balmer

Kunst-Stafette

Für Christoph Balmer kann sich Kunst im öffentlichen Raum überall dort ereignen, wo Interaktion stattfindet. Seine musikalische Bettelmaschine ist ein experimenteller Abgesang auf die Romantik klischierter Kunstvorstellungen.

Automatischer Bettler, Installation 2014, 
Innenstadt Bern. (Foto: Christoph Balmer)

Was hat dich zu dieser Arbeit veranlasst?

Christoph Balmer:

Die Neugierde. Ich möchte prüfen, ob ich mit dieser Installation das Betteln auf den Stand 2.0 bringen kann. So lasse ich also den Bettler weg, verzichte auf die Angabe der Verwendung des gespendeten Geldes und lasse das Ding einfach mal in der Berner Innenstadt laufen. Zu hören gibt es übrigens «El Condor Pasa» mit Panflöten und so ab Endloskassette.

Welchen Raum brauchst du für deine Kunst?

Kunst braucht keinen Raum. Kunst findet einfach statt. Wenn jemand meint, dass Kunst nur im Museum, Theater, Club oder Kino zu haben ist, nun gut. Ich für meinen Teil sehe überall und in allem Kunst.

Sind gesellschaftliche Fragen Thema deiner Kunst?

Was sonst? Ich male keine Bilder, die gut zum Sofa passen. Wer das macht, den schätze ich aber nicht minder. 

Suchst du die Öffentlichkeit?

Kunst, die nicht gesehen, gehört oder getanzt wird, existiert nicht. Insofern suche ich schon die Öffentlichkeit. 

Wo siehst du Potential zur Nutzung des öffentlichen Raums?

Die Kunst im engeren Sinn dient zur Bildung von Inner-Circles. Also zur Ein- aber auch zur Ausgrenzung von Personen. Frage ich auf einem DJ-Bobo-Konzert nach zehn Antworten zu allen möglichen Themen, erhalte ich einen Deckungsgrad von 90 Prozent, obwohl alle wegen Chihuahua ans Konzert gegangen sind. Der öffentliche Raum ist da spannender, weil er keine Ein- und Ausgrenzungen kennt, jedenfalls fast keine.

Welches ist dein persönlicher Hotspot in Bern?

Zum Essen: Lo Stuzzichino da Bellino – ein Restaurant mit italienischer Gastfreundschaft an der Rathausgasse 23. Zum Treffen: Das Grand Palais an der Thunstrasse 3 beim Helvetiaplatz: ein Gestell für Kunst, Forschung, Diskurs, Vermittlung.
 Hier wird aus-, vor-, ab-, hin-, bei-, zu-, nach-, an-, weg- und aufgestellt.

Nächste Kunst-Stafette am 21. Oktober mit Max Hubacher, Schauspieler.