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Beatrix Bühler gestorben

Die Berner Regisseurin und Festivalleiterin Beatrix Bühler ist gestorben. Am 21. Juni erlag sie einer schweren Krebserkrankung. Noch im April wurde sie für ihre kuratierende und kulturpolitische Arbeit mit dem Prix Suisseculture ausgezeichnet. Im Mai erhielt sie zusammen mit AUAWIRLEBEN den Schweizer Theaterpreis. Beatrix Bühler wäre im Juli sechsundsechzig geworden.

Beatrix Bühler mit ihrem AUA-Team 2013

Nach einem Studium der Theaterwissenschaft, Philosophie und Germanistik in Wien und Berlin kam Beatrix Bühler 1981 nach Bern ans Stadttheater. Sie arbeitete als Regieassistentin, Dramaturgin und später Regisseurin. Sie war von Anfang an beim zeitgenössischen Theaterfestival AUAWIRLEBEN dabei, welches 1982 als Gastspielreihe am Stadttheater konzipiert und ab 1988 mit einer eigenständigen Trägerschaft weitergeführt wurde.

Aua, wir leben

Mit ihrer Tätigkeit hat Beatrix Bühler die Theaterszene geprägt. AUA brachte Jahr für Jahr zeitgenössisches Theater nach Bern und vernetzte sich mit anderen Institutionen vor Ort. Das Festival zeigte die Entwicklungen des neusten Theaters, ohne sich den Trends anzubiedern. Zwischen freien Gruppen und festen Häuser wurde kein Unterschied gemacht. Die Auswahl erfolgte eigenwillig und kenntnisreich.

Mit-Initiantin des Schlachthaus Theaters

Durch ihre Arbeit bei AUA und ihr kulturpolitisches Engagement trug Beatrix Bühler massgeblich zur Entstehung des heutigen Schlachthaus Theaters Bern bei. Sie förderte AutorInnen, indem sie mit ihnen an Texten arbeitete und diese dann auch zur Aufführung brachte. Sie unterstütze junge Gruppen und RegisseurInnen durch Coaching und dramaturgische Begleitung. Sie kämpfte fürs Kinder- und Jugendtheater, das bis dahin in Bern recht abgeschnitten gewesen war von der nationalen und internationalen Szene.

Sprachmusikalische Feinarbeiterin

Als Regisseurin war Beatrix Bühler eine Arbeiterin am Detail. Sie schuf fein gebaute musikalisch-choreografische Inszenierungen, die auf die Kraft der gestalteten und gedachten Sprache setzten. Dass sie in einer ihrer letzten Inszenierungen, der Produktion „Lost in Buenos Aires“ (2013), einen völlig anderen Weg einschlug, bei dem sie im Grunde auf all ihre erprobten Mittel verzichtete, zeigt einen künstlerischen Experimentierwillen, der sich immer wieder erneuerte.

Mit Beatrix Bühler verliert die Schweizer Theaterszene eine prägende, vermittelnde, eigenwillige, kollektiv denkende und im Gespräch leidenschaftlich aufblühende Freundin und Künstlerin.