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Kunst-Stafette #16: Anet Rhiner

Kunst-Stafette

Anet Rhiner stellt mit ihrer Wort-Licht-Installation «Imaginez-vous» Fragen in den Raum, die unser Denken in Gegensätzen und Grenzen offenlegen. Eine poetische Alternative zum Lichtspektakel am Bundeshaus.

Was hat dich zu dieser Arbeit veranlasst?

Anet Rhiner:

Das Lichtspektakel am Bundeshaus (rendezvousbundesplatz.ch) hat mich zu dieser Arbeit inspiriert. Anstelle des Titels «rendez-vous» steht «imaginez-vous». Im Kontrast zum medial aufgeblähten Spektakel werden Wortkombinationen an verschiedenen Orten im öffentlichen Raum projiziert. Aktuelle Themen werden auf überraschende Weise aufgegriffen und zu poetischen, provozierenden, politischen Aussagen komprimiert. 

Welchen Raum brauchst du für deine Kunst?

Ein Werk soll sich in seine Umgebung einpassen. Baumkronen, eine Fassade, die Zugscheibe, der Asphalt oder das Wasser funktionieren nicht nur als Projektionsfläche, sondern in erster Linie als Bedeutungsträger.

Sind gesellschaftliche Fragen Thema deiner Kunst?

Ja, immer. Bei der Aktion imaginez- vous wird aktuelles Weltgeschehen reflektiert und kommentiert. Die bewusst eingebauten Brüche mit herkömmlichen Denkmustern ermöglichen poetische Lösungsansätze für gesellschaftlich relevante Themen. 

Suchst du die Öffentlichkeit?

Mich interessiert die freie Äusserung von Gedankengut. Wer den schützenden Rahmen der Kunstwelt verlässt, wird stärker mit sich und seinen Werken konfrontiert und kann sich in Kritikfähigkeit üben. Im Idealfall löst der Gang an die Öffentlichkeit Reaktionen aus und regt zu Diskussionen über aktuelle Themen an. Werke können positiv aufgenommen werden oder auf Ablehnung stossen. Sich dem Spannungsfeld dieser Reaktionen auszusetzen, kann inspirierend sein.

Wo siehst du Potential zur Nutzung des öffentlichen Raums?

Bei der Präsentation von Kunst im öffentlichen Raum steht für mich nicht die Autorenschaft, sondern die Botschaft eines Werkes im Vordergrund. Künstlerische Interventionen können auf erfrischende Weise zur öffentlichen Meinungsbildung beitragen. Notwendig und hilfreich sind Rahmenbedingungen, die von Off Spaces, Künstlerkollektiven oder unabhängigen Plattformen geschaffen werden

Welches ist dein persönlicher Hotspot in Bern?

Der Bubenbergplatz. Hier zeigt sich Bern von seiner weltoffenen, multikulturellen Seite. Zwischen den beiden Flanken der Postparc-Baustelle (http://postparc.ch/) fliesst der Pendlerverkehr in der morgendlichen und abendlichen rush hour meist harmonisch aneinander vorbei. Die FussgängerInnen beweisen einen Hauch von Anarchie, indem sie ungeachtet der vorgegebenen Fahrbahnen ihre Wege suchen. 

Nächste Kunst-Stafette am 1. Juli mit Claudia Grimm.