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Journal B

Sagt, was Bern bewegt
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Mehr Lyrik, mehr Bücher taufen

Die Autorin Sandra Künzi und die Veranstalterin Tabea Steiner luden vergangene Woche Lyriker und Autorinnen ins Schlachthaustheater ein. Journal B hat mit Tabea Steiner über das Lesefest Aprillen gesprochen.

  • Die beiden Kuratorinnen des Lesefests: Sandra Künzi (links) und Tabea Steiner. (Foto: Naomi Jones)
  • Roland Reichen taufte am Donnerstag seinen Roman «Sundergrund». Das Buch erscheint im Mai in der Edition taberna Kritika. (Foto: Elisabeth Blättler)
  • In einer der Kombinationen begegneten sich Erica Pedretti und Nellja Veremej. (Foto: Elisabeth Blättler)
  • Die Lyrikerin Kenah Cusanit las am Freitag zusammen mit Nathalie Schmid. (Foto: Elisabeth Blättler)

Weshalb braucht Bern nebst dem Literaturfest, das alle zwei Jahre stattfindet, einen weiteren Literaturanlass?

Tabea Steiner: 

Die Berner Literaturszene ist sehr lebendig und vielseitig. Jedes Frühjahr tauchen neue Stimmen, neue Bücher auf. Es gibt Spoken Word, Romane, Theater und Lyrik. Sie brauchen eine Plattform.

Es gibt in Bern aber schon zahlreiche Orte an denen regelmässig Literatur gelesen und vorgetragen wird: der Lesesessel im Ono, Rauschdichten im Musigbistrot. Das Café Kairo veranstaltet Lesungen, das Punto und der Wartsaal ebenfalls, um nur ein paar wenige Plattformen zu nennen.

Ja klar. Aber diese Gefässe sind alle gut gefüllt. Es besteht also ein Bedürfnis. Ausserdem sind zwei unserer Schwerpunkte in Bern untervertreten: die Lyrik und Buchtaufen. Wenn etwa Lyrik oder eben Buchtaufen wie bei uns geballt stattfinden, ist die Aufmerksamkeit höher. Davon profitieren die Autoren.

Wie kam es zu Aprillen?

Sandra Künzi wollte ihr Buch «Mikronowellen» im Schlachthaus taufen, erhielt aber keinen Platz im Programm. Dann fiel eine Produktion aus und wir konnten in die Lücke springen. Da die Theaterleitung fand, die Literatur käme etwas zu kurz, entstand eine Partnerschaft.

Erhielt das Fest die gewünschte Aufmerksamkeit?

Am Mittwoch waren wir ausverkauft und mussten Interessierte wieder wegschicken. Dies sogar bei der Lyrik-Lesung, obwohl Lyrik in der Regel nur von einem sehr kleinen Kreis besucht wird. Auch der Donnerstag war gut besucht.

Sandra Künzi sagte im Interview mit Radio SRF, sie möchte mit dem Festival ein neues Publikum ansprechen. Ist dies gelungen?

Ich denke schon. Das Publikum war sehr durchmischt. Es kamen viele Junge, Studenten des Schweizerischen Literaturinstituts, das Theaterpublikum des Schlachthauses, Leute, die sich eher für Spoken Word und Bühnenperformance interessieren, sowie das Publikum von klassischen Lesungen. Ausserdem brachten die Berner Autoren viele Freunde mit, die für weitere Veranstaltungen geblieben sind. Diese Mischung haben wir dank den verschiedenen Reihen im Programm erreicht. Jeweils um 18 Uhr lesen zwei Dichter oder Dichterinnen, um 19 Uhr tauft ein Berner Autor bzw. eine Berner Autorin ihr Buch und zum Schluss finden die sogenannten Kombinationen statt. Autoren und Musiker bzw. Musikerinnen, die wir kombiniert haben, treffen sich auf der Bühne ohne grosse Vorbereitung.

Das Konzept mit Lyrik, Buchtaufen, Spoken Word und Lesung ist speziell. Was steckt dahinter?

Dass wir Bücher taufen wollen, stand früh fest. Ich wollte gerne Lyrik im Programm haben und das Schlachthaus machte die Vorgabe, dass wir den Artist in Residence, Mudar Alhaji, einbeziehen. In unseren Statuten – wir haben einen Verein gegründet – hielten wir fest, dass die Hälfte aller Auftretenden Frauen sein sollen und dass wir Berner Autoren und Autorinnen einladen wollen.

Nach welchen Kriterien habt Ihr die Autoren und Autorinnen schliesslich ausgesucht?

Ich kann nur für mich sprechen. Ich habe die Lyriker angefragt. Letztlich sind es Dichter und Dichterinnen, die mir sehr gefallen. Ich habe mich auf mein Gespür verlassen. Bei der Zusammenstellung der Paare habe ich darauf geachtet, dass sich deren Texte etwas zu sagen haben. Zum Beispiel ähnliche Motive, die aber unterschiedlich bearbeitet werden. Dabei sind zum Teil zufällig schöne Geschichten entstanden. Ich wusste nicht, dass Thilo Krause und Jürgen Brôcan alte Freunde sind. Sie haben sich gegenseitig ein Gedicht gewidmet.

Gab es weitere Highlights?

Mir gefiel die Lesung von Nellja Veremej sehr gut. Ihr erster Roman «Berlin liegt im Osten» ist soeben erschienen. Mit einer grossen Sprachgewalt schreibt sie über Russland, wo sie herkommt, Identität und Heimat. Es macht Spass, den Roman zu lesen und die Autorin zu hören.

Wie geht es nach dem ersten Lesefest weiter? Sind weitere Ausgaben von Aprillen geplant?

Das Datum für das nächste Fest steht bereits: 8. bis 11. April 2015. Sofern die Finanzierung zustande kommt, bin jedenfalls ich fest entschlossen, Aprillen wieder durchzuführen. Sandra und ich sind auch schon über andere mögliche Reihen am nachdenken. Sicher ist, dass wir wieder mit Reihen arbeiten wollen. Die Gefässe können sich aber verändern. Als erstes werden wir nach dem Fest mit allen Beteiligten zusammensitzen und zurückschauen.