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Kunst-Stafette #07: Daria Gusberti

Kunst-Stafette

Für ihre Aktion «Fragen verschieben» hat die Performance-Künstlerin Daria Gusberti ihre Gedanken in den Stadtraum von Bern hinausgetragen. Ihre Standorte wechselt sie dabei permanent, ebenso sind Fragen und Perspektiven in stetem Fluss.

Was hat dich zu dieser Arbeit veranlasst?

Schon länger befasse ich mich mit verschiedenen Thematiken wie Kochen, Transformation, Widerstand, Imagination/Projektion, die für mich alle etwas miteinander zu tun haben. Mich interessieren Ambiguitäten, Gegenüberstellungen oder Ergänzungen, aber auch Verbindungen und Parallelen. Die Fragen waren für mich anfangs eine Kombination aus Standortbestimmung, Selbstbefragung und einer Suche nach dem «Wie-weiter?». Daraus entwickelte sich eine eigene Arbeit, eine wachsende Fragenreihe in Form eines «Metaloges», der meine Themen befragt. Fragen, die sich selbst in Frage stellen und nicht unbedingt Antworten suchen. Dabei untersuche ich auch das Spannungsfeld zwischen diesen offenen Fragen und dem Stellung Beziehen.

Welchen Raum brauchst du für deine Kunst?

Das kommt extrem darauf an, woran ich bin. Raum ist nicht der Hauptfokus in meiner Arbeit. Vor allem zeitlich brauche ich viel Raum, das ist nicht immer einfach, und ein Atelier, in dem ich mich nach Bedarf ausbreiten kann. Den öffentlichen Raum finde ich zwar wichtig, aber sehr schwer zu bespielen, es kann schnell beliebig werden.

Sind gesellschaftliche Fragen Thema deiner Kunst?

Ich glaube nicht, dass man sich diesen Fragen wirklich entziehen kann. Auch wenn man es nicht direkt anspricht, ist man immer in einem Kontext und man wählt, ob man mehr oder weniger direkt Bezug nehmen will. Gesellschaft und Politik sehe ich als etwas an, das alle bis in den Alltag und ins Persönliche hinein betrifft. Solche Fragen und Themen sind wichtiger Bestandteil oder Ausgangspunkt meiner Arbeit.

Suchst du die Öffentlichkeit?

Kunst braucht ein Gegenüber. Sie muss sich in etwas spiegeln, an etwas reiben oder anlehnen, jemanden anfragen, anschreien oder mit jemandem in Dialog sein. Das kann auf eine stille, beiläufige Art und Weise geschehen oder mit einem lauten Knall. Meine Art ist wohl eher die beiläufige, unterschwellige. Ich glaube, ich möchte lieber unterwandern als überdecken. Übrigens bin ich der starken Meinung, dass die Öffentlichkeit auch Kunst braucht, nicht nur umgekehrt.

Wo siehst Du Potential zur Nutzung des öffentlichen Raums?

Der öffentliche Raum sollte vielfältiger benutzbar sein. Das Bestimmen, was wo zu passieren hat (hier läuft man, hier wird gesessen, hier sind die Velos, hier sitzt man nicht etc) wird absurd und ist unglaublich unkreativ. (Wie kommt man als alte Person eigentlich durch die Stadt, wenn man nirgends mehr sitzen kann?) Die Leute sollten sich Räume wieder aneignen im Sinne von konstruktiv bespielen und nutzen. Man denke beispielsweise an die früheren Allmenden...

Welches ist dein persönlicher Hotspot in Bern?

Ich verstehe das Wort Hotspot  wohl nicht ganz und mag es auch nicht besonders – vor allem wenn es im Sinne von «In-Plätzen» gemeint ist. Zudem glaube ich, dass Bern nicht gerade strotzt vor Hotspots. Am ehesten würde ich darunter Orte verstehen, an denen sich etwas verändert, etwas gärt, brodelt oder kippt – Siedepunkte. Dann wären das eher Zwischenräume, Zwischennutzungen, Quartiere im Umbruch: Transform, die Serini-Garage, Pneu-Bar, das Lorraine-Quartier, die Strafbars von früher. Bern hat viel zu wenige solcher Siedepunkte und wenn die Stadt endlich ein paar wenige hat, werden sie zugebaut oder durch gesetzliche Bestimmungen erstickt.

Nächste Kunst-Stafette am 11. Februar 2014 mit Michael Günzburger.