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Journal B

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Was bleibt in positiver Erinnerung?

Jahresrückblick von Dorothe Freiburghaus: Schön, dass es Dich gibt! Ein paar Gedanken zu Qualität und Engagement quer durch Bern.

Meine Gedanken kreisen im vergangenen Jahr. Gibt es da etwas Ausserordentliches? In meinem Beruf als Galeristin gehören Schönes und Aussergewöhnliches zum Alltag. Lasse ich all diese Erlebnisse, die Bücher füllen könnten, beiseite. Was behalte ich vom 2013 in positiver Erinnerung? Da drängen sich intensive Begegnungen, auch Arbeitsbegegnungen in den Vordergrund.

Kurzfassung: schön dass es Dich gibt!

Und hier die erweiterte Fassung: schön,

- dass hohes Engagement und Qualität auch in Bern möglich sind.

- dass Hans Ulrich Glarner im Amt für Kultur intensive Arbeit leistet.

- dass Beat Hächler das Alpine Museum in seiner Fragestellung und Gestaltung auch für mich spannend macht.

- dass Georg Weinand in der Dampfzentrale «high lights» setzt und mit «Tanz in» die Tanztage weiterführt.

- dass wir im Stadttheater mit Stephan Märki eine Person haben, die fürs heutige Theater kämpft und den Kontakt zu den kleinen Theatern sucht.

- dass Kornhausforum, Progr und Reitschule mit ihrer Ausstrahlung Orte der Anziehung geblieben sind.

- dass in Bern «Bone», das Festival für Aktionskunst, durchgeführt wird. Soeben wurde hier an die grossartige Arbeit von Marina Abramovic erinnert, und ein Video von Adela Jusic gezeigt: Während einer alten, stummen Frau immer wieder das Haar gekämmt wird, kreisen deren Gedanken als Geflüster um ihr erschütterndes, von Kriegen gezeichnetes Leben. Ein Bild, das mir bleiben wird.

- dass »Shnit», das Kurzfilmfestival, heute zu Bern gehört, wie auch das Galerien-Wochenende, das nächstes Jahr am 18. und 19. Januar wieder stattfindet.

- dass es im Kino Kunstmuseum und im Lichtspiel Filmgeschichte zu sehen gibt.

Und ganz persönliche Highlights, die ich nicht missen möchte:

- Die Begegnung mit der chinesischen Kultur, der Einblick in die Massenproduktion bereits zur Zeit von Quin im 3. Jahrhunder vor Christus.

- Dass Kunst weit in den Alltag ganzer Völker reichen kann. Dass der japanische Architekt Toyo Ito, der erst nach dem Tod von Paul Klee geboren wurde, Klees Raum-Einsichten in Architektur umsetzt und Kazuya Takahashi mit Kleemenschen und -köpfen in Comicgeschichten ganz Japan begeistert.

- Zwei Celli, sonst gar nichts, gespielt von den Brüdern Demenga.

- Das Erlebnis, dass Tanz, wo er uns formvollendet begegnet, umfassender sein kann als bildende Kunst, Literatur und Musik. Wie es uns die konzentrierte Arbeit von Steven Cohen im Ghetto von Johannesburg oder kürzlich die Performance von Tino Sehgal erleben lassen. Höchste Dichte in Ausdruck und Umsetzung vermögen zutiefst zu berühren.

- Dass hohe Qualität und Engagement Mut für eigene Unternehmungen machen.

Und damit: Schön, dass es dich gibt.