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Sabine Reber

31.03.2021 | 15:32

Der launische April fordert uns gartenmässig einiges ab. Die warmen Tage verlocken uns und auch die Pflanzen dazu, uns vorwitzig an die Sonne zu wagen. Aber noch drohen kalte Nächte. Da gilt es zu improvisieren. Denn die meisten von uns haben ja kein eigenes Gewächshaus. Mit etwas Fantasie lässt sich aber auch im Kleinen die Situation eines Gewächshauses imitieren.

ein eigenes Gewächshaus - zum Beispiel auf Rädern. (Foto: Sabine Reber)

Der Klassiker für Menschen ohne grosse Gärten sind Fensterbank-Gewächshäuser, also kleine Plastikkistchen mit durchsichtigen Deckeln. Diese gibt es allerorten im Fachhandel. Es können aber auch einfach nur durchsichtige Obstschalen verwendet werden, oder die durchsichtigen Deckel von gekauften Torten. Hauptsache, die Wärme und auch die Feuchtigkeit bleiben drin! Denn das brauchen praktisch alle Samen, um gut zu keimen: warm, und feucht. Wichtig ist bei improvisierten Mini-Gewächshäusern, dass es darin nicht zu stickig wird, weil die Sämlinge sonst faulen.

Also tagsüber lüften beziehungsweise die Deckel für einige Stunden entfernen. Ja, das bedeutet einigen Aufwand. Diesbezüglich ist der April recht anspruchsvoll. Denn die selber gesäten Tomaten, Chilis oder Balkonblumen wollen in diesem zarten Stadium eigentlich verhätschelt werden. Also Deckel drauf, Deckel drab, wenig aber regelmässig Wasser geben, und dann an warmen Nachmittagen die Zöglinge auch langsam, langsam an die Sonne gewöhnen.

Wer etwas mehr Platz hat, sollte sich überlegen, ein richtiges kleines Gewächshaus zu bauen. Um das Problem mit der Baubewilligung zu umgehen, gibt es einen simplen Trick: Solange das Gewächshaus auf Rädern steht und jederzeit fortbewegt werden kann, gilt es nicht als Gebäude. Praktisch sind ausserdem mobile Konstruktionen, die nur im Frühling aufgestellt und dann im Mai nach den Eisheiligen wieder weggeräumt werden. Im Fachhandel gibt es von Balkon-Gewächshäusern bis zu Folientunneln allerlei Varianten. Wenn der Platz es erlaubt, dann lohnen sich solche Anschaffungen. Denn selber säen macht Freude. Die Auswahl an möglichen Sorten ist dann sehr viel grösser, denn viele Raritäten sind leichter als Samen zu bekommen.

Selber säen ist auch ökologischer, erstens wegen den Transporten und vor allem auch, weil Verpackungsmaterial eingespart wird. Ein grosser Vorteil ist ausserdem, dass man mit Samen viel weniger Krankheiten und Schädlinge einschleppt. Meist befinden diese sich nämlich in der Erde der gekauften Jungpflanzen. Wer seine Gemüsesetzlinge und Zierpflanzen von Grund auf selber zieht, hat diesbezüglich viel weniger Probleme.

Und was genau soll nun im April gesät werden? Wer sich beeilt, kann jetzt noch Tomaten, Chilis, Auberginen oder Peperoni starten. Normalerweise werden diese schon im März gesät, aber jetzt sind die Tage länger und durch das zusätzliche Licht holen die jungen Pflanzen meist noch gut auf. Alle möglichen Gemüsesetzlinge können nun selber vorgezogen werden, also Salate, Kohlgewächse, Randen, Fenchel, Zucchetti, Kürbisse und viele viele mehr. Bei Pflanzen, die im Jungstadium gern von den Schnecken gefressen werden, wie beispielsweise Sonnenblumen, lohnt es sich ebenfalls, sie zuerst einmal im Gewächshaus zu kultivieren und sie erst nach draussen zu pflanzen, wenn sie schon etwas grösser sind.

Alle Pflanzen, die keinen Frost vertragen, also Zucchini und Kürbisse, sowie Kosmeen, Spinnenblumen, Zinnien, Kapuzinerkresse, aber auch Bohnen und wärmeliebende Kräuter wie Basilikum und Koriander werden unbedingt auf dem Fenstersims oder im Gewächshaus vorkultiviert. Der Basilikum bleibt oftmals sowieso besser die ganze Zeit im Gewächshaus, wo er in einem nur halbwegs prächtigen Sommer üppiger gedeihen wird als draussen.

Was zum Basilikum noch zu sagen ist: eigentlich ist dieses beliebte Küchenkraut gar nicht so schwierig zu ziehen. Man sollte bloss nicht die Pflanzen aus der Gemüseabteilung im Supermarkt kaufen und dann meinen, die würden sich im Garten bewähren. Diese sind ja eher zur sofortigen Verwendung gedacht. Wer gesunden Basilikum will, sät ihn selber! Dann sind auch keine Trauermücken und sonstige Probleme inbegriffen. Was beim Basilikum auch noch wichtig ist: Die Samen nicht mit Erde abdecken, denn es ist ein Lichtkeimer. Basilikum braucht es einfach sehr hell, und er braucht einen warmen Standort. Zu früh säen bringt da nicht viel – lieber erst jetzt oder sogar nach Ostern, denn sobald die Tage länger sind, wächst er schneller.