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Sabine Reber

16.02.2021 | 08:43

Vor den Läden stehen nun blühende Primeli, Ranunkeln und Narzissen herum, und die ersten Küchenkräuter verlocken uns zum Kauf. So langsam regt sich das Frühlingserwachen, und nun möchten wir wirklich gern mit Gärtnern anfangen – am, liebsten gleich sofort. Aber ist es nicht viel zu früh? Und was tun, wenn gar kein Garten vorhanden ist?

Es wird wärmer. Wie wärs mit einem kleinen Garten? (Foto: Jeanne Rose Miche)

Fangen wir erst einmal ganz von vorne an. Zum Gärtnern ist es grundsätzlich nie zu früh, und es macht auch nichts, wenn ihr grad keinen Garten habt. In beiden Fällen ist es ganz praktisch, erst einmal ein paar Kistchen und Töpfe zu besorgen, sowie einen Sack Bio-Universalerde. Nun pflanzt ihr die Kräuter und die Frühlingsblumen einfach mal nach Lust und Laune in die Kistchen und Töpfe, einfach so, dass es für euren Geschmack gut aussieht. Wie einpflanzen? Grundsätzlich immer das Grüne nach oben, und die Wurzelballen so hoch, wie sie im gekauften Töpfli waren. Die Zwiebelblumen pflanzt ihr etwas tiefer, damit die Zwiebeln gut in der Erde sind. Dann kippen die Narzissen und Tulpen etc weniger schnell um. Die Plastiktöpfli nicht wegwerfen. Die braucht ihr dann in der nächsten Runde, wenn wir uns dran machen, selber etwas zu säen.

Nun gut Wasser geben, und die Gefässe auf den Balkon oder auf den Fenstersims stellen. Wenn kalte Nächte angekündigt sind, könnt ihr eure Vorfrühlingsgärtchen einfach ins Treppenhaus nehmen, und gut ist. Oder bei den Kräutern und Primeln ein altes Badetuch drüberlegen, damit sie vor dem Frost geschützt sind. Bei den Narzissen geht das nicht, weil die Stiele brechen würden. Aber sie vertragen auch durchaus ein paar Minusgrade. Damit wäre auch die Frage beantwortet, was ihr zusammenpflanzen dürft und was nicht. Diese Frage wird generell überschätzt. Am Anfang spielt das sowieso keine Rolle. Pflanzt die Sachen so, dass ihr sie gut vor dem Frost schützen könnt, also die niedrigen zusammen, über die ihr ein Tuch drüberlegt. Die komplett Frostharten zusammen, die sowieso draussen bleiben. Und dann noch die Narzissen in ein Gefäss, das ihr bei kaltem Wetter reinnehmen könnt... Die erste und wichtigste aller Bauernregeln lautet nämlich: Macht es einfach so, dass es für euch möglichst praktisch ist.

Die erste und wichtigste aller Bauernregeln lautet: Macht es einfach so, dass es für euch möglichst praktisch ist. (Foto: Jeanne Rose Miche)

Die erste und wichtigste aller Bauernregeln lautet: Macht es einfach so, dass es für euch möglichst praktisch ist. (Foto: Jeanne Rose Miche)

Damit hätten wir die Frage nach dem zu Früh, und gleich auch noch die Frage nach dem was mit was zusammen für den Anfang geregelt. Wenn ihr keinen Garten habt, dann könnt ihr mit den Pflanzen in den Gefässen schon etwas üben. Und derweil macht ihr euch auf die Suche. Grundsätzlich ist zu sagen: man muss einen Garten nicht besitzen, um etwas Gemüse und Sommerblumen anzubauen. Es reicht für den Anfang vollkommen, ein, zwei Beetli auszuleihen. Am besten fragt ihr bei Leuten, die vielleicht selber nicht mehr alles machen mögen. Haltet Ausschau nach Gärten, die nicht mehr so richtig im Schuss sind. Vielleicht freuen sich die Besitzenden, wenn ihr die Arbeit übernehmen wollt? Natürlich könnt ihr euch auch in Gemeinschaftsgärten beteiligen – zum Teil gibt es da aber Wartelisten. Macht nichts, irgendwann seid auch ihr an der Reihe. Und falls das länger dauern sollte, dann könnt ihr die Zeit auch überbrücken und mit grösseren Kübeln, mit Hochbeeten, alten Ölfässern und sonstigen improvisierten Gefässen schon mal anfangen, eure eigenen Pflanzen anzubauen. Wenn es darum geht, einen Parkplatz oder sonstigen Ort, der vielleicht nicht zum Gärtnern vorgesehen ist, mit Grünzeug zu bespielen, hier noch folgender Tipp: Alles, was auf Rädern steht, gilt grundsätzlich nicht als Bauwerk. Zum Beispiel bepflanzte Kisten, die sich wegrollen lassen, oder die guten alten Einkaufswagen, die immer mal wieder gern bepflanzt werden – diese dürft ihr überall hinstellen. Solange die improvisierten Pflanzungen weggerollt und leicht wieder entfernt werden können, muss deswegen gar niemand blöd rüsseln.

Was auch hilft, um allfällige Motzrüssel aus der Nachbarschaft oder skeptische Hausverwaltungen zu besänftigen: Pflanzt Blumen! Und sorgt dafür, dass eure Gärtchen von Anfang an und möglichst die ganze Saison hindurch richtig hübsch aussehen. Bei etwas kritischeren Guerilla-Aktionen habe ich nach Möglichkeit immer geschaut, dass gleich von Anfang an ein paar Narzissen und Primeln blühen, und dass es insgesamt einfach richtig nett aussieht. Nehmt auch immer Schüfeli und Bäseli mit, und wischt die Erde rings ums Gärtchen schön zusammen. Es geht nichts über Ordnung, um Goodwill und Vertrauen zu schaffen! Ausserdem sieht es ja auch wirklich besser aus, wenn ihr nicht ein Riesenpuff veranstaltet und überall Dreck herumliegen lässt. Bei halböffentlichen Gärtchen schön sorgfältig arbeiten ist eine Win-Win-Situation. Oh und das gilt natürlich auch für den Balkon: Schüfeli und Bäseli und ein Eimer sind vielleicht die wichtigsten Gartenwerkzeuge überhaupt.

Was auch hilft, um allfällige Motzrüssel aus der Nachbarschaft oder skeptische Hausverwaltungen zu besänftigen: Pflanzt Blumen!

Was auch hilft, um allfällige Motzrüssel aus der Nachbarschaft oder skeptische Hausverwaltungen zu besänftigen: Pflanzt Blumen!

Wenn ihr grad dabei seid, euch neues Werkzeug zu beschaffen, dann kauft ihr noch eine ordentliche Giesskanne (nicht die billigste nehmen! Ihr werden sie nämlich oft brauchen und sie sollte möglichst lange halten). Kauft noch eine gute teure Felco-Schere. Die trägt ihr im Hosensack und schaut, dass ihr sie nicht verliert. Dito ein scharfes Sackmesser. Und ein paar Handschaufeln. Von diesen könnt ihr die billigsten nehmen. Die gehen genauso schnell verloren oder kaputt wie die teuren, weshalb man davon immer mehrere braucht. Und dann gibt es im Gartenfachhandel und in den Abgründen der Onlinewelt noch tausend Gadgets, oder gefühlte Zehntausend. Die könnt ihr ruhig stehenlassen, braucht ihr alles nicht...

 

Sabine Reber ist Schriftstellerin und Gartenexpertin. Sie hat schon an den verrücktesten Orten Pflanzen zum Wachsen gebracht, und sie gestaltet auch Gärten und Balkone für Kunden. Alles über ihre Bücher und ihr weiteres Angebot auf www.sabinesgarten.ch