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Eine Trafostation sorgt für Spannung

Aus den Quartieren

Transformatorenstationen wandeln die Energie aus dem Mittelspannungsnetz um zu Strom für die allgemeine Versorgung. Die Bauarbeiten zum Projekt «dr nöi Breitsch» erfordern solche Trafostationen. Eine steht an der Militärstrasse. Und wirft bei Anwohnern Fragen auf über die Vorgehensweise der zuständigen Stellen.

Grossräumig abgesperrt: So präsentierte sich die Situation nach der Installierung der Trafostation. (Foto: zvg)

«Wir sind kein Behördenschreck», kommt Timon Richiger allfälligen Vermutungen in diese Richtung zuvor, «wir sind gerne zum Dialog und zur Lösungsfindung bereit.» Er erhält für diese Feststellung Zustimmung von Martin Abplanalp. Die beiden sind Bewohner der Liegenschaft an der Militärstrasse 42, in der sich auch das Restaurant LOKAL befindet. Unmittelbar vor dem Haus steht seit Mitte Oktober eine Trafostation. Diese soll für die nächsten zwei Jahre dort stehen bleiben.

Eine Parole aus der seinerzeitigen Studentenbewegung trifft auf das zu, was sich seither für die beiden abspielt: Sie befinden sich auf einem Marsch durch die Institutionen. «Auf dem öffentlichen Platz unmittelbar vor dem Haus wurde etwa Mitte Oktober gegraben und gebaut», blickt Martin Abplanalp zurück und Timon Richiger ergänzt, dass die Betroffenen erst eine Woche später und erst auf Nachfrage über die Bauarbeiten und die Installationen informiert wurden. Ohne von den gleichzeitigen Aktivitäten seines Nachbarn zu wissen, verfasste Martin Abplanalp ein Schreiben an das Tiefbauamt der Stadt Bern. Er erkundigte sich, ob eine Verlegung der Trafostation nicht möglich ist und ob die Einzäunung des gesamten Platzes und die Schliessung des Trottoirs nötig seien. Er machte auch aufmerksam auf die Beeinträchtigung des LOKAL sowie auf die mangelnde Sicherheit der Fussgänger – insbesondere der Schülerinnen und Schüler – und bezeichnete die Installation mit mehreren Werbebannern der Baufirma als ästhetische Zumutung.

Information erst nach Bauarbeiten

Der zuständige Projektleiter kontaktierte ihn umgehend, trotzdem akzeptierte Martin Abplanalp den Standort der Trafostation auf dem Durchgang vor dem Restaurant nicht. Ihm schwebt eine Verlagerung auf das Areal der Kaserne gegenüber vor. Dort, wo während der Bauphase zum Grossprojekt provisorische Parkplätze vorgesehen sind. Es kam anfang November zu einer Unterredung, bei der er die Chance zur Durchsetzung seiner Ideen als Laie gegenüber sechs Fachleuten als minim einstufte. Anlässlich dieser Besprechung blieb er bei seinem Vorschlag eines alternativen Standortes, zudem wurde ihm eine fussgängerfreundliche Variante in Aussicht gestellt. «Zu meiner Überraschung» sagt er, «wurden bereits vor der Besprechung die Gräben gefüllt, die Erdhaufen entfernt und die grossräumige Absperrung durch eine kleinere ersetzt.» Parallel zu Martin Abplanalp war auch Timon Richiger aktiv. Nach seiner Anfrage an das Tiefbauamt erhielt er ebenfalls Antwort vom Projektleiter. Dieser entschuldigte sich für die Unannehmlichkeiten und räumte ein, dass die Information tatsächlich zu spät erfolgte, also erst nach der Installation der Trafostation.

Nach der Intervention eines Anwohners wurde die Absperrung durch eine kleinere ersetzt. (Foto: zvg)

Nach der Intervention eines Anwohners wurde die Absperrung durch eine kleinere ersetzt. (Foto: zvg)

Suche nach der Zuständigkeit

Der Projektleiter erläuterte, dass der Bauvorgang für das Grossprojekt wegen Einsprachen umgestellt worden sei. Deshalb erfolgte die Installation der Trafostation an der Militärstrasse zu einem früheren Zeitpunkt als vorgesehen. Timon Richiger hakte nach: Ob es denn nicht so sei, dass für eine Trafostation eine Baubewilligung und eine entsprechende Publikation vorliegen müsse? Für die Bewilligung sei das Eidgenössische Starkstrominspektorat ESTI zuständig, erfuhr er, das Tiefbauamt habe diese Bewilligung eingeholt. In diesem Fall sei das vereinfachte Verfahren eingeleitet worden und dieses müsse nicht publiziert werden. Für Detailfragen solle er sich an das ESTI als Genehmigungsbehörde wenden. Was er auch tat und sich dort nach dem Genehmigungsgesuch erkundigte. Dieses wurde ihm jedoch vorerst nicht zugestellt. «Weitergehende Informationen waren nicht zu erwarten, also wandte ich mich wieder an das Tiefbauamt», sagt Timo Richiger. Worauf er die Antwort erhielt, dass man zwar gerne Auskünfte zum Bauprojekt erteile, hingegen liege der Genehmigungsentscheid dort nicht vor; für das Einholen von Bewilligungen sei der Mitbauherr Energie Wasser Bern EWB zuständig.

Die Trafostation steht unmittelbar vor dem Restaurant LOKAL. (Foto: mj)

Die Trafostation steht unmittelbar vor dem Restaurant LOKAL. (Foto: mj)

Keine gültige Bewilligung?

Bei den beiden Anwohnern drängte sich je länger je mehr die Frage auf, wer denn eigentlich für was zuständig und verantwortlich ist. Die Chance, bei EWB insbesondere den Sachverhalt zum Genehmigungsentscheid zu erfahren, liess sich Timon Richiger nicht entgehen. Beim Versorgungsunternehmen war man sich über die ungenügende Kommunikation bewusst und entschuldigte sich dafür. Er erfuhr jedoch noch mehr. Nämlich, dass die Trafostation auf Basis einer Verfügung erstellt wurde, die mittlerweile abgelaufen ist. Zudem handle es sich um eine falsche Trafostation, also nicht diejenige, die für diesen Standort ursprünglich bewilligt war. Daraus folgert er, dass für die Installation mit den entsprechenden baulichen Massnahmen gar keine gültige Bewilligung vorlag, was ihm von EWB auch bestätigt wurde. Martin Abplanalp: «Die ganze Angelegenheit ist immer noch etwas suspekt. Ich frage mich, ob die Trafostation nicht etwas gar schnell installiert wurde.» Weniger schnell geht es jedoch voran mit der Baubewilligung für einen Umbau des Restaurants LOKAL, ergänzt er. Seit 7 Monaten wartet er auf die Baubewilligung und damit auf den Start der Planung. Sein Wunsch nach einem anderen Standort für die Trafostation ist immer noch zentral. «Falls das nicht möglich ist, sollte wenigstens das Versprechen aus der Besprechung von anfangs November nach einer fussgängerfreundlichen Installation eingehalten werden. 

Quelle: Anzeiger für das Nordquartier 22/2020

 

Was seither geschah

In der Zwischenzeit wurde nun eine neue Bewilligung vom ESTI erteilt. Timon Richiger erhielt eine umfassende Nachricht von EWB, die er als fair bezeichnet. Bei EWB ist man sich bewusst, dass die Kommunikation zur Trafostation ungeschickt und nicht situationsgerecht war. Zudem wird versichert, dass EWB die Lehren innerhalb der Projektorganisation «dr nöi Breitsch» gezogen hat und der rechtzeitigen Kommunikation der Massnahmen künftig eine noch höhere Wichtigkeit einräumen wird.