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Reparieren ist besser als wegwerfen

Aus den Quartieren

Angefangen hat es vor vier Jahren als Elektroshop in der Alten Feuerwehr Viktoria. Martin Kalt führte das Elektrohandwerk fort, das er sich vorher während vieler Jahre angeeignet hatte. Mit seinem Partner Mike Kaden entwickelte er daraus die vernetzte Reparaturwerkstatt «heicho & Partner». Ob vor Ort oder zu Hause, alles wird repariert getreu dem Motto: Reparieren ist besser als wegwerfen.

Der Herr der Lampen: Martin Kalt, Mitinhaber der Reparaturwerkstatt Heicho in der Alten Feuerwehr Viktoria. (Foto: Martin Jost)

Wenn für einen Menschen der Himmel voller Geigen hängt, ist er glücklich, gar schwärmerisch und schaut beschwingt in die Zukunft. Dafür braucht Martin Kalt keine Geigen am Himmel, Lampen an der Decke reichen ihm vollkommen. Ob es darum geht, einen Kurzschluss zu beheben, ein Kabel zu ersetzen, oder einen Schalter auszuwechseln, er bringt die Lampen zum Leuchten und die Kunden zum Strahlen.

Von der Altstadt ins Nordquartier

Mit beidem kennt er sich aus, nachdem er dreizehn Jahre beim legendären Elektrofachgeschäft Lutiger in der Berner Altstadt gearbeitet und Kunden bedient hatte. «Not macht erfinderisch», sagt er, «nachdem feststand, dass die Firma schliessen wird und ich die Stelle verliere, war für mich klar, dass ich meine Arbeit selbständig weiterführe.» Martin Kalt ist nun sein eigener Chef, er ist angekommen in seinem eigenen, kleinen Reich. Oder eben «heicho», wie es der Name der Werkstatt verheisst. Heimkommen ist eine gute Sache. Sie kann noch besser werden, wenn man daheim nicht allein ist, wenn es einen Partner gibt. Den gibt es. Er heisst Mike Kaden, ist 50%-Partner von Martin Kalt, kennt diesen aus der gemeinsamen Zeit bei Lutiger: «Für solch einen Laden muss es einfach Platz haben in Bern», war und ist er überzeugt, «wir sagten uns: Wenn die Firma Lutiger nicht mehr kann oder will, dann tun wir es.» Den Kunden das bieten, was sie vermissen, das sei die Essenz von «heicho», jene 10% der Dienstleistungen anbieten, welche die Grossverteiler nicht anbieten können. «Dienstleistungen im Internet gibt es nicht», stellt er fest und Martin Kalt erwähnt einen wesentlichen Punkt in der erfreulichen Entwicklung der Reparaturwerkstatt damit, «dass uns viele Kunden vom Elektrogeschäft Lutiger begleitet haben.»

Seit vier Jahren wird bei Heicho für jeden Defekt eine Lösung gesucht. (Foto: Martin Jost)

Seit vier Jahren wird bei Heicho für jeden Defekt eine Lösung gesucht. (Foto: Martin Jost)

Von Licht und Lampen

Auch Mike Kaden ist rückblickend dankbar für diese gute Ausgangslage, er ist jedoch einer, der lieber vom heute und morgen spricht als vom gestern. Und er hat einiges zu sagen. Über Strom, Licht oder Wärme, auch über ökologisches Verhalten mit mehr oder weniger Sinn. Aber auch über Verbote. Wie demjenigen, das seit etwa zwei Jahren den Verkauf von Glühlampen und Halogenleuchtmitteln in der Schweiz verbietet. Zugunsten von LED-Leuchten und als Anpassung an eine Richtlinie der EU, die zu Energieeffizienz und Umweltschutz beitragen soll. «Die Glühbirne ist nicht böse», sagt er und fragt rhetorisch: «Weshalb wird Gutes verboten?» Gesundes Licht, betont er, ist Licht aus Wärme. Was bei LED-Leuchten jedoch nicht zutreffe. Mit dieser Haltung ist Mike Kaden nicht allein.

Gesundes Licht

Ob in der Politik, ob in wissenschaftlichen Studien oder in der Medizin, wegen der gesundheitlichen Risiken ist die LED-Technologie aufgrund ihres hohen Blauanteils im Licht heftig umstritten. «Das ist Teil unserer Arbeit hier, wir wollen unsere Kundschaft beraten und aufklären», klärt er selbst auf und hält dabei sein Handy in die Nähe einer LED-Lampe um sichtbar zu machen, dass solches Licht ständig flackert. Ja, Mike Kaden hat in dieser Angelegenheit eine Botschaft und er macht kein Geheimnis daraus. Aus diesen Überlegungen wurde auch der Verein «Gesundes Licht» gegründet. Die Interessengemeinschaft hat ihren Sitz ebenfalls in der Alten Feuerwehr und macht sich zur Aufgabe, gesundes Licht zu erhalten, darüber zu forschen und zu informieren.
Vernetztes Denken, das passt zu den beiden Betreibern von «heicho»; vernetztes Handeln ist das, was sie daraus entwickeln. Der Schritt, ihre Werkstatt zu digitalisieren, gehört dazu. Die neue Dienstleistung «wer-flickt-was.ch» erlaubt den Kunden, ihr Anliegen aus verschiedenen Kategorien online auszuwählen, kurz zu beschreiben und allenfalls mit Fotos zu dokumentieren. Vielleicht wird das defekte Ding vor Ort repariert, vielleicht in der Reparaturwerkstatt oder von externen Fachleuten, die zum Netzwerk von «heicho» gehören.

Ob in der Werkstatt oder mit Partnern: Es wird repariert statt weggeworfen. (Foto: Martin Jost)

Ob in der Werkstatt oder mit Partnern: Es wird repariert statt weggeworfen. (Foto: Martin Jost)

Reparaturen für alles

Haushaltgeräte werden in Schwung und Velos in Fahrt gebracht, Lederwaren werden geflickt und Bilder aufgehängt. «Natürlich können die Kunden mit ihren Anliegen weiterhin zu uns kommen», sagt Martin Kalt, «zusätzlich kann dieselbe Dienstleistung aber auch digital genutzt werden.» Beim ersten digital erteilten Auftrag sei gar noch eine kleine Belohnung drin, ergänzt Mike Kaden, nämlich eine Bio-Limonade «AareSüdhang» aus Bern. Das ist kein Zufall, dafür passend zur Geschäftsidee der beiden: nachhaltig, lokal und breit abgestützt mit Partnern. «Unsere Erfahrungen mit diesen sind sehr positiv. Das Interesse im lokalen Gewerbe für nachhaltiges und verantwortungsvolles Denken und Handeln ist vorhanden», weiss Martin Kalt aus der Praxis und Mike Kaden erkennt darin die Basis für die erfolgreiche Weiterführung der Reparaturwerkstatt «heicho». Wo immer diese stattfinden wird, denn der Verbleib in der Alten Feuerwehr ist wegen Bauplänen ungewiss. Es scheint, als ob die beiden das gelassen nehmen.

Wieder zurück ins Stadtzentrum?

Sie sind angekommen und wollen ihr Projekt auf jeden Fall weiterziehen. Obschon sie mit ihrem Standort zufrieden sind, verspüren sie Lust, ihr Geschäft in das Stadtzentrum zu verlegen. Zu bezahlbaren Konditionen, natürlich, denn mit Reparaturen verdient man nicht ein Vermögen, betonen sie. Das müsse auch nicht sein, die Kosten für den Lebensunterhalt müssen allerdings schon gedeckt werden können.

Autor: Martin Jost, aus: Anzeiger für das Nordquartier 15/2020

INFO

Heicho & Partner
Alte Feuerwehr Viktoria
Gotthelfstrasse 31
3013 Bern
www.heicho.ch
www.wer-flickt-was.ch
www.verein-gesundes-licht.ch