Aare
°

Journal B

Sagt, was Bern bewegt
Aare
°

Treffpunkt: 46° 57′ 10,6″ N , 7° 25′ 49″ O

Aus den Quartieren

Kilian Bühlmann und seine Crew entwickelten die Idee einer fünftägigen Quartierkreuzfahrt in der Länggasse. Wegen "Corona" wurde die ausgebuchte Quartierkreuzfahrt mit der nMS-3012 aufs nächste Jahr verschoben. Doch dann erreichte uns eine E-Mail des Kapitäns, eine halbtägige Schnupperfahrt sei möglich, wenn die Sicherheitsvorschriften eingehalten werden...

Vieles kann nur noch mit angemessener Distanz erlebt werden. Das hilft, den Alltag mit neuem Blickwinkel wahrzunehmen, die Phantasie wird angeregt. Es klingt paradox, gerade durch das Einhalten von "social distancing" entsteht aufmerksame Nähe in der unmittelbaren Umgebung. Menschen machen sich Gedanken übers Klima und suchten nach neuen Formaten im Alltag und zum Reisen...

Im Heimathafen

Am 4. August ankerte die nMS-3012 im Heimathafen bei der Pauluskirche. Dank der Koordinaten 46° 57′ 10,6″ N , 7° 25′ 49″ O war das Schiff leicht zu finden. Über die Pier an der Freiestrasse gelangten die Passagiere die Gangway hoch zum Einschiffen. Kapitän Kilian Bühlmann begrüsste die Gäste persönlich. Er verglich die Passagierlisten und half bei den Formalitäten zum Einschiffen. Die Reisenden erhielten die aktuelle Bordzeitung und eine Schutzmaske mit der Bitte, Abstand zu halten.

Panoramadeck

Das Panoramadeck im Heck des Schiffes erwartete die Gäste mit blauweiss gestreiften Liegestühlen und Blumenschmuck. Die Reisenden machten sich miteinander bekannt und die aufmerksame Schiffscrew servierte eine Erfrischung aus der Kombüse an Bord.

Kapitän Bühlmann und seine Stellvertreterin Vreni von Allmen begrüssten auf der Brücke die Quartierkreuzfahrer*innen. Sie stellten die Crew vor, verwiesen auf die Sicherheitsbestimmungen an Bord und bei den Landgängen. Für die meisten Gäste war es die erste Kreuzfahrt.
Das Rätsel um den Namen des Schiffes wurde gelüftet. nMS-3012 bedeutet non MotorSchiff-3012.

Panoramadeck und Brücke der nMS-3012. (Foto: Peter Bachmann)

Panoramadeck und Brücke der nMS-3012. (Foto: Peter Bachmann)

Erlaubnis zum Landgang

Dank der umsichtigen Planung der Quartierkreuzfahrt-Initiant*innen erhielten die Passagiere trotz Corona-Zeiten die Erlaubnis zum Landgang. Die Hälfte der Teilnehmer*innen entschied sich für den Landgang Nr. 1 zum Bremgartenwald mit seinen mystischen Orten und seiner Hightechbewirtschaftung. Die Burgergemeinde entwickelt langfristige Pläne um die Waldbewirtschaftung sicher zu stellen. Stefan Flückiger, der Forstmeister und Betriebsleiter zeigte den Quartierkreuzfahrer*innen die sich wandelnden Perspektiven auf. Er informierte über die Herausforderungen durch den Klimawandel bei der Bewirtschaftung des "Bremers". Der Einsatz von Drohnen ermöglicht die visuelle Kontrolle der Bäume. Dank Drohnen-Fotos werden Vergleiche über den Gesundheitszustand in regelmässigen zeitlichen Abständen gemacht.

Landgang zur grossen Schanze

Der Landgang Nr. 2 führte zu den universitären Bauten und Gartenanlagen auf der grossen Schanze. Wer hier unterwegs ist, muss oft seinen Zug erwischen und hat keine Musse, sich mit den universitären Bauten auseinanderzusetzen. Der Uni-Gärtner Bruno Züger stellte sein vielfältiges Arbeitsgebiet vor und überraschte mit einer zitronenpfeffrigen Kostprobe. Wussten sie, dass auf dem Uni-Gelände winterharter Szechuanpfeffer wächst?

Beim Landgang in den Gartenanlagen der Universität. (Foto: Peter Bachmann)

Beim Landgang in den Gartenanlagen der Universität. (Foto: Peter Bachmann)

Durch die steigende Zahl der Student*innen erhöhte sich der Raumbedarf der Universität Bern. Dank visionärer Planung und umsichtigen Verhandlungen gelang es den Verantwortlichen, drei universitäre Schwerpunktstandorte in der Länggasse zu entwickeln.
Bestehende Gebäude wurden umgenutzt. Ins alte Frauenspital zog ein Teil der Rechtswissenschaftlichen Fakultät ein. Werfen die angehenden Jurist*innen einen Blick aus dem Fenster, so sehen sie in der Gartenanlage eine Zeitzeugin des alten Frauenspitals stehen; "Die Gebärende". Leider ist nicht bekannt, wer diese Figur aus dem Stein gehauen hatte.

Im Hauptgebäude der Uni überraschte die Beschriftung der Hörsäle. Sie erinnert gestalterisch an die Kartonbillette der SBB und die Zeiger der Bahnhofsuhren wandern auch hier im Minutentakt. An den Wänden der Hörsäle stehen Wortspiele des Künstlers Carlo E. Lischetti. Sie stimmen nachdenklich und entlocken ein Schmunzeln, so z. B.: "Diese Ablenkung bedankt sich für ihre Aufmerksamkeit" oder "strengen denkt an".

Mit Eindrücken aus der universitären Weltraumforschung gehen wir zurück an Bord der nMS-3012. Die Crew erwartet uns mit einer Überraschung aus der Kombüse.

Text: Olga Cajacob, Redaktorin Länggassblatt
Quelle: Länggassblatt September 2020