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10 Fragen an Prasad Bharanya, Wirt in einem indischen Restaurant

«Alltag im Krisenmodus»

Die Hotel- und Restaurantbesitzer traf die Corona-Krise besonders hart. Keine Gäste, kein Umsatz, kein Kontakt zur Stammkundschaft. Prasad Bharanya, Chef des Restaurants «Way to India» auf dem Bärenplatz, hat ausserdem private Sorgen. Er versucht trotz allem zuversichtlich zu bleiben.

Prasad Bharanya, Geschäftsführer des Restaurant Way to India

Prasad Bharanya, wo erreichen wir Sie gerade?

Ich bin zuhause.

Ihr Restaurant im Stadtzentrum ist geschlossen, aber sie bieten Take away-Service an, wie geht das?

Wir bieten unsere Mahlzeiten auch online an. Das machten wir schon vor der Coronakrise. Aber im Moment ist es sehr schwierig. Der Koch weiss nie, für wie viele Personen er kochen muss. Es kommen zwischen drei und dreissig Bestellungen am Tag. Kommt dazu, dass wir einzelne Zutaten im Moment fast nicht bekommen. Beispielsweise frische grüne Peperoncini. Sie sind eine der Hauptzutaten in der indischen Küche und man kann sie im Moment fast nicht auftreiben. Jetzt kochen wir halt mit roten Peperoncini. Das geht schon und die kriegen wir. Frische Okra und indisches Gemüse sind auch sehr schwierig zu bekommen.

Sie haben zehn Angestellte, können Sie alle weiterbeschäftigen?

Nein das geht natürlich nicht. Ich habe Kurzarbeit beantragt. Aber leider noch kein Geld erhalten. Zwei meiner indischen Angestellten sind in die Ferien nach Indien gefahren. Die stecken dort jetzt fest. Wir wissen nicht, für wie lange.

Wie würde es jetzt bei Ihnen im Restaurant an einem ganz gewöhnlichen Werktag aussehen?

Am Nachmittag haben wir meistens nur Kaffeekunden. Die Mahlzeiten servieren abends meistens erst ab 17.30. Aber dann wäre bei uns viel los, und es wären sechs Leute am Arbeiten. Im Service und in der Küche.

Was vermissen Sie am meisten?

Meine Arbeit. Meine Kunden, die Abwechslung, die Freundschaften. Ich bin leidenschaftlich gerne Wirt. Mein Restaurant war das erste indische Restaurant in Bern. Ich habe immer sehr gerne Leute bedient.

Was macht ihnen im Moment am meisten Sorgen?

Ich weiss nicht, wie das ab nächste Woche gehen soll, wenn wir wieder öffnen können. Schon einige Tage vor dem Lock-down hatten wir merklich weniger Kundschaft. Die Leute blieben fast aus. Sie hatten Angst. Das macht mir extrem grosse Sorgen.

Könnten Sie denn die Vorgaben erfüllen?

Die geforderten Abstände zwischen den Tischen könnten wir problemlos garantieren – für 30 bis 40 Plätze. Aber das reicht nicht. Unser Restaurant ist ja auf drei Stockwerken. Wir müssten doppelt so viele Essen servieren können.

Und wie geht es Ihnen privat?

Uns geht es gut, jedoch vermisse ich meine Arbeit. 

Was tun Sie, um sich aufzuheitern, wenn Ihnen die Decke auf den Kopf fallen will?

In Indien sagen wir: Was kommen muss, kommt. Wir können nicht wählen. Das ist so. Ich gehe oft nach draussen spazieren.

Gibt es auch irgend etwas Positives, was Sie in diesen Lock-down-Wochen abgewinnen können?

Meine Frau ist krank und gehört deshalb zur Risikogruppe. Deshalb war ich froh, dass ich die letzten Wochen mehr zuhause sein konnte. Unsere drei Kinder gehen alle noch zur Schule, sie mussten ja auch lernen.