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Journal B

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KOLUMNE /

Renato Kaiser

05.05.2020 | 10:53

Wieso haben plötzlich alle ein derart entspanntes Verhältnis zum Tod von anderen? Klar brauchts eine Exit-Strategie, aber bitte keine kollektive Sterbehilfe.


Das isch für Eu. Für Eu wo sägäd, all diä Vorsichtsmassnaamä segäd völlig übertribä, wel mer do demit aigentli nur s’Läbä vo Menschä rettet, wo ee bald schterbed.

Exit-Strategie

Wow!

Schtimmt aigentlich!

Warum hemmer aigentli än AHV? Mit dem haltemer jo au nur diä am Läbä, wo ee bald schterbed!

Wobi schtimmt gar nöd, mini Elterä sind bald pensioniert und uhuerä fit

diä werded jetz no mindeschtens 30 Joor lang nordic walkeä

uf üsi Chöschtä!

Aber zrugg zu Eu

Ihr entschaidet also, «wer bald schtirbt»?

Ganz eerlich, ich benidä Eu, Ihr hend ä sonä richtig entschpannts Verhältnis zum Tod… vo andernä.

Wiä hender das aigentli vor Corona gmacht?

Am Grossmüetterli über d’Schtross gholfä, aber halt aifach nur bis zudä Hälfti?

Dä Altä dä Sitzplatz nöd aabottä, wel Ihr gfundä hend:

«Ganz eerlich… Loont sich das überhaupt no?»

Und waiss da aigentli Eui Grossmueter?

«Luäg, Grosi, i ha Di jo wörklich gern… Aber nöd so gern wiä schaffä.»

Womer dozmol gsait hend, mir müend alli Opfer bringä, hemmer do demit nöd üsi Grosselterä gmaint!

Aber jo, so schlüsst sich dä Krais

Früener häsch s’Grosi nöd bsuecht, wel’d z’vil gschaffet häsch

Und jetz bsuechsch s’Grosi halt zum d’Wirtschaft aakurblä

 «Jajaja jetzt wird der Oma in die Hände gespuckt, wir steigern das Bruttosozialprodukt!»

Wer das Liäd kennt, isch alt und do demit offiziell nümä wichtig für’s Bruttosozialprodukt.

Jo i waiss, so isches nöd gmaint.

Aber wiä isches denn gmaint?

Eher so allgemain, so chli philosophisch, so chli

«Jo waisch, me chönti jedä Tag vom Bus überfaarä werdä!»

Jo scho! Aber Du laufsch glich über dä Zebraschtraifä und luägsch links und rechts, Du Ushilfsplaton

Du Yolo-Prolo

und wenn’s Di verwütscht bisch au froo, wenn’s Di in Schpitol tüend!

Und das nöd überlaschted isch weg all denä Corona-Fäll.

Magsch Di no erinnerä, um das isches doch aigentli gangä!

Echt he

Altä Menschä d’Exischtenzberechtigung abschprechä aber selber vergessä, was vor drü Wuchä gsi isch!

Ihr sind so selektiv vergesslich, me chönti mainä, Ihr seged bidä Fifa

Mir hend doch wölä verhinderä, dass d’Ärztinnä und Ärzt müend entschaidä, wer törf überläbä und wer nöd.

Das haisst aber nöd, dass Ihr jetz müend dä Job übernee!

Au wenn‘s rain wirtschaftlich gsee natürlich konsequent wär!

Di totali Privatisierig vom Gsundhaitswesä!

denn müemer am Schpitolpersonal au kain gfüültä drizäätä Monetsloon mee ufs Placebokonto klatschä,
wenn Ihr vo dihai us als Sofa-Sensemaa drüber entschaidet, wer wenn söll schterbä

Homizid im Home Office

gail!

Und do chönder no so intellektuell driiluegä und sägä:

«Waisch, vilicht isch d’Hailig schlussendlich schlimmer als d’Chrankhait selber»

Momoll, imenä anderä Zämähang isch das worschinlich än uhuerä gschidä Satz

Aber jetz grad tönt’s für mich eher wienäs Dignitas-Flat-Rate-Abo mit Mengerabatt.

Und jo i waiss, d’Wirtschaft beschtoot au us Menschä

Aber alti Lüt, Lüt mit Vorerchrankigä, Lüt wo «ee bald schterbäd», äbä au.

Und jo klar, mir bruched ä Exit-Strategie, aber kollektivi Schterbehilf find ich jetz grad äs bizli übergriffig.