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10 Fragen an Mike Schild, Rennleiter Grand-Prix von Bern

«Alltag im Krisenmodus»

Sport ist gerade eine ziemlich private Angelegenheit. Viele entdecken zwar gerade das Laufen im Wald, aber alle grossen Laufevents sind seit Wochen abgesagt. Auch der Grand-Prix von Bern, der am 9. Mai stattgefunden hätte. Was tut der Rennleiter dieses Grossanlasses in der Quarantäne?

«Diese Erkenntnis, dass wirs eigentlich recht gut haben, die möchte ich behalten.» (Foto: Andy Mettler)

Mike Schild, wo erreichen wir Sie gerade?

Ich sitze zuhause auf der Terrasse an der Sonne, habe das Notebook vor mir und unseren schlafenden Sohn neben mir. Ich erledige Administratives und organisiere alles rund um abgesagte Anlässe. Ich muss angemeldete TeilnehmerInnen informieren, ihnen Geld zurückerstatten...

... das tönt nach Aufwand ohne Einkommen?

Das ist so. wir haben etliches zu tun, können es aber niemandem verrechnen.

Abgesagt ist vor allem auch der Grand-Prix von Bern. Da gehören Sie als Rennleiter zum Organisationsteam. Was wäre in normalen Zeiten denn momentan grad angesagt?

Wir würden jetzt wahrscheinlich die letzten Konzepte erstellen, zum Beispiel Notfallkonzepte, für den Fall, dass der Anlass aus irgendeinem Grund kurzfristig abgesagt werden müsste... Wahrscheinlich hätten wir auch nächstens ein Meeting mit allen Streckenchefs und mit der Polizei. Halt so konkrete Sachen, die man noch einmal genau durchgeht. Mit anderen Worten: Wir würden nun eigentlich in der ziemlich stressigen Schlussphase stecken.

Was bereitet Ihnen im Moment am meisten Sorgen?

Zeitmessungen und Datenverarbeitungen für Sportanlässe zu organisieren, ist die Hauptaufgabe meiner Firma (TrackMaxx). Wenn alle derartigen Anlässe abgesagt sind, was im Moment der Fall ist, dann haben wir einen 100-prozentigen Verdienstausfall. Im Moment wird nichts gebucht. Und ich rechne eigentlich damit, dass Laufevents noch monatelang nicht stattfinden können. Wir waren die ersten, die den Lockdown zu spüren bekamen, und ich rechne damit, dass wir die letzten sind, die auf eine Lockerung hoffen dürfen.

Was heisst das finanziell?

Für unsere Mitarbeiter haben wir Kurzarbeit beantragt. Diese ist bereits bewilligt. Für uns zwei Geschäftsführer ist es schwieriger. Es gibt zwar eine Kurzarbeits-Entschädigung von der Arbeitslosenversicherung, aber diese deckt nur rund 20% unseres Erwerbsausfalls ab.

Was vermissen Sie gegenwärtig am meisten?

Zu arbeiten und ein konkretes Ergebnis dieser Arbeit zu sehen. Was wir im Moment tun können, ist ziemlich unkonkret. Ferienstimmung ist zwar schön, aber man möchte langsam wieder ein handfestes Resultat sehen.

Haben Sie ein Rezept gegen Lagerkoller?

Der hat sich bei mir zum Glück noch nicht eingestellt. Ich versuche im Moment einige neue Ideen zu entwickeln. Dann überarbeiten wir mal unsere Vorlagen für Offerten, Rechnungen usw. Für solche Arbeiten habe ich ja nun endlich mal Zeit.

Welche neue Erkenntnis oder Gewohnheit möchten Sie hinüberretten in die Nach-Coronazeit?

Ich habe gemerkt, dass ich wieder mehr Respekt vor der Natur bekommen habe und eine grössere Wertschätzung für all die Freiheiten, die wir normalerweise geniessen. Die Mobilität beispielsweise, die Selbstverständlichkeit, jederzeit irgendwo hinzufahren, sich in ein Café zu setzen, draussen zu sein. Diese Erkenntnis, dass wirs eigentlich recht gut haben, die möchte ich behalten.

Was geben Sie auch in der Quarantäne nicht auf?

Da fällt mir grad nichts ein. Mir geht's ja im Moment recht gut. Ich habe mehr Zeit für die Familie. Ich bin privilegiert. Wir haben einen Garten, eine Terrasse. Kommt dazu, dass das Wetter im Moment sehr angenehm ist...

Wen möchten Sie im Moment am sehnlichsten umarmen?

Meine Eltern. Es ist recht hart für uns alle. Aber für sie vielleicht am meisten. Sie können ihr einjähriges Grosskind nicht auf den Arm nehmen, das tut weh.