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Mut zur Lücke

Hochgestellte Stühle auf den Pulten und menschenleere Schulhausgänge: Kinder, Jugendliche und Lehrer*innen mussten ihren Alltag komplett umstellen. In einer Fotoreportage zeigen wir die neue Realität.

 

In der Pressekonferenz vom 13. März 2020 hat die Schweizer Landesregierung verkündet, dass alle Schweizer Schulen bis am 4. April geschlossen werden. Betroffen sind obligatorische Schulen, Hochschulen und weitere Ausbildungsstätten. Diese drastische Massnahme im Kampf gegen das Coronavirus verändert den Alltag von tausenden von Kindern sowie ihren Lehrpersonen.

 

 

 

 

Nicola Röthlisberger war gerade auf der Heimreise aus dem Skilager, als einige seiner Schülerinnen und Schüler auf ihren Smartphones die Pressekonferenz des Bundesrates verfolgten. Als der Bundesrat die Schliessung aller Schulen verkündete, wusste Röthlisberger sofort, dass sich sein Alltag als Lehrer verändern wird.

 

 

Seit letztem Sommer besitzt jeder Siebtklässler in der Stadt Bern ein eigenes iPad. Diese iPads kommen nun während der Corona-Krise richtig zum Einsatz. Auch Nicola Röthlisberger nützt diese Ressource. Über das iPad lässt er seinen Schülerinnen und Schüler die Wochenpläne und Hausarbeiten zukommen.

 

 

Während des Englischunterrichts hat er zudem mit seiner Klasse Teatime. Während dieser Videokonferenz hat er die Möglichkeit mit all seinen Schülerinnen und Schüler in Kontakt zu treten und die Jugendlichen können gleichzeitig ihre Englischkenntnisse verbessern. Diese Begegnungsmöglichkeit im virtuellen Raum wird sowohl von der Lehrperson als auch von der Klasse geschätzt.

 

 

Auch ausserhalb der Teatime ist Röthlisberger für seine Klasse über die digitalen Kanäle erreichbar. Seine Rolle als Lehrer ist nun umfassender geworden. Er steht seiner Klasse nicht nur bei schulischen Angelegenheiten mit Rat und Tat zur Seite, sondern muss auch bei Computerproblemen ab und zu Hilfe leisten. «Manchmal komme ich mir wie ein Informatiker vor», gesteht er.

 

 

Obwohl die Krise für die Digitalisierung in der Schule eine grosse Chance bietet, sieht er auch Risiken. «Gerade für Kinder aus weniger privilegierten Familien kann die längerfristige Einstellung des Präsenzunterrichtes negative Folgen haben», stellt er nachdenklich fest.

 

 

Die Schulen in der Schweiz bleiben sicher bis am 26. April geschlossen. Ab wann die Kinder und Jugendlichen wieder regulär die Schule besuchen können, ist zurzeit noch unklar. Bis dahin braucht es wohl von allen Beteiligten viel Geduld und Mut zur Lücke!