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Knarz um neues Pop-Up im Marzili

Im Sommer soll im Dalmazimätteli ein neues Pop-Up eröffnen. Dieses Vorhaben stösst jedoch auf Widerstand. Bemängelt wird unter anderem, dass vorgängig keine Gespräche stattfanden und die Bewilligung ohne Einspracheverfahren erteilt wurde.

Ob Yoga oder Jonglieren: Das Dalmazimätteli wird im Sommer unterschiedlich genutzt. (Bild: zvg)

Im Sommer kann es ganz schön voll werden im Dalmazimätteli, dem Park gleich neben dem Dalmaziquai. Menschen balancieren auf Slacklines zwischen den Bäumen hin und her, falten die Hände beim Yoga, liegen im Rasen oder trocknen ihre Schlauchboote. Diesen Sommer werden solche Szenen jedoch nicht zu beobachten sein. Stattdessen werden sie von in Bern nicht minder bekannten Bildern abgelöst. Im Dalmazimätteli soll zwischen Juni und August nämlich ein Aare-Pop-Up installiert werden. Es soll unter anderem einen Restaurantbetrieb und eine Bar, aber auch einen 15-20 Meter langen Fussbrunnen umfassen.

Pop-Ups: ein gesellschaftliches Bedürfnis

Dagegen regt sich jedoch Widerstand. Der Verein «Pro Dalmazi» wurde jüngst als Reaktion auf das Pop-up gegründet. Zu den Mitgliedern zählen etwa der Slackline-Verein «SlackAttack» oder «AcroYoga Bern», aber auch der «Pontonierfahrverein Bern» und die Schlauchbootvermietung «aareboot.ch». «Im Dalmazi-Park findet bereits eine starke nicht-kommerzielle Nutzung statt, die gut funktioniert», sagt Jana Schmid, Vorstand von «Pro Dalmazi». Die Studentin, die leidenschaftlich slacklinet, verbringt im Sommer selber viel Zeit im Dalmazimätteli. Man könne nicht verstehen, weshalb es im Dalmazimätteli ein Pop-Up brauche, sagt Schmid. Diese würden normalerweise an Orten betrieben, wo sonst nicht viel los sei. «Der Dalmazi-Park ist aber im Sommer regelmässig voll mit Menschen.»

Es sei richtig, dass Pop-Ups besonders an Orten gefördert würden, die wenig besucht seien, erklärt Martin Albrecht, Generalsekretär der Direktion für Sicherheit, Umwelt und Energie auf Anfrage und führt als Beispiel die Sommer-Bar «Peter Flamingo» auf der Einsteinterrasse an. «Pop-ups entsprechen aber auch einem neuen gesellschaftlichen Bedürfnis», ergänzt Albrecht. Deshalb würden auch Gesuche für belebte Orte geprüft und im besten Fall nach Gesprächen mit Direktbetroffenen unter Auflagen bewilligt.

Keine vorgängigen Gespräche

Solche Gespräche haben jedoch nie stattgefunden, weder mit den Mitgliedern von «Pro Dalmazi», noch mit der offiziellen Quartierorganisation, dem Marzili-Dalmazi-Leist. Letzterer wurde an einer Sitzung vom letzten Februar über das Pop-Up informiert, erklärt Albrecht. Zu diesem Zeitpunkt war jedoch die Bewilligung bereits erteilt. «Wir wurden vorgängig weder miteinbezogen noch informiert», sagt René Hell, Präsident des Marzili-Dalmazi-Leists.

Stossend findet Jana Schmid von «Pro Dalmazi» ausserdem, dass es kein Einspracheverfahren gab. Man sei schlicht vor vollendete Tatsachen gestellt worden. «Die Möglichkeit, dass der Park auch diesen Sommer wie bisher genutzt wird, war von Anfang an keine Option», bemängelt Schmid. Ein Einspracherecht bei Pop-Up Bewilligungen sei nicht üblich, heisst es auf Anfrage vom Polizeiinspektorat. Dafür sei die Bewilligung aber auf drei Monate beschränkt und es würden klare Auflagen erteilt. «So muss zum Beispiel der Zugang zur Anlage immer auch ohne Konsumzwang möglich sein.» Im konkreten Fall handle es sich ausserdem um einen Pilotversuch, der nicht die ganze Fläche des Parks umfasse und bei dem die Bedürfnisse der übrigen ParkbesucherInnen soweit bekannt berücksichtigt worden seien.

Die Suche nach Lösungen

Immerhin: der Betreiber des Pop-ups zeigt sich gegenüber dem Verein «Pro Dalmazi» gesprächsbereit. Jana Schmid ist jedoch wenig optimistisch, dass sich alle konkurrierenden Interessen unter einen Hut bringen lassen. Mit all dem, was für das Pop-up vorgesehen sei, bleibe kaum mehr Platz für alternative Tätigkeiten, befürchtet sie: «Wir wissen offen gesagt nicht, wo genau der Platz für alle die Menschen herkommen soll, die sich im Sommer normalerweise im Park aufhalten.»

Der Pop-Up Betreiber, Tom Weingart, ist in Bern kein Unbekannter. Der Gastro-Unternehmer eröffnete im Dezember 2019 gemeinsam mit dem Koch Markus Arnold ein Pop-Up am Bahnhof Bern. Gemeinsam führten sie vergangenen Winter ausserdem zum zweiten Mal den Berner Sternenmarkt auf der Kleinen Schanze durch. Weingart war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.