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Zwei Game-Festivals im November

Neben dem HeroFest auf dem BernExpo Gelände findet in der Grossen Halle der Reitschule, dem Polit-Forum Bern und dem Generationenhaus diesen November erstmals das alternative PlayBern-Festival statt.

Das alternative Game-Festival PlayBern findet dieses Jahr das erste Mal statt. (Bild: playbern; zugeschnitten)

E-Sports ist Volkssport. Was vor fünf Jahren noch als originelle Behauptung gewertet werden konnte, ist heute mit Zahlen belegbar. Eine Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) geht davon aus, dass 33% aller Schweizer*innen mindestens einmal pro Woche Videospiele spielen. Das wirtschaftliche Potential dieses Marktzweigs wird längst von namhaften Unternehmen geschürft. Postfinance gründete im Januar ein eigenes «League of Legens»-Team (wobei jedoch bereits dessen Auflösung angekündigt wurde), Swisscom betreibt mit dem deutschen Unternehmen ESL eine Schweizer E-Sports Liga und auch UPC ist mit diversen Angeboten, beispielsweise der Website esports.ch, mit dabei. Von einer stiefmütterlichen Behandlung seitens der Privatwirtschaft kann auch angesichts zahlreicher Sponsoren und einem weltweiten Umsatz von rund 900 Millionen US-Dollar (2018) nicht die Rede sein.

Zum zweiten Mal in Bern

In Bern fand letztes Jahr auf dem BernExpo Gelände erstmals das HeroFest statt. Das Festival, das auch dieses Jahr vom 22.-24. November wieder stattfindet, bietet Gamer*innen die Möglichkeit ihre Leidenschaft zu kultivieren, zu zelebrieren und sich zu vernetzen. Sein Programm eicht das HeroFest an den internationalen Vorbildern. Entsprechend wird der grossen, kommerziellen Gamekultur Vorschub geleistet. Berühmte Titel wie «League of Legends», «Counter Strike» oder «Heartstone» dominieren das Programm. Zwar findet sich gemäss Website auf dem Messegelände auch eine «Education Area», wo Chancen und Risiken von Gaming diskutiert werden sollen. Ein genuiner Fokus auf der kritischen Debatte scheint indessen am HeroFest nicht zu bestehen.

Wie politisch sind Games?

Einen anderen Anspruch hat das PlayBern-Festival, das dieses Jahr erstmals vom 7. - 10. November in der Grossen Halle der Reitschule, dem Polit-Forum Bern und dem Generationenhaus stattfindet. Während am HeroFest vor allem die Games der grossen Publisher, der sogenannten AAA-Publisher, bespielt werden, beschäftigt sich das PlayBern gemäss Mediencommuniqué mit Games kleiner und alternativer Studios und will Projekten aus Kunst, Kultur und Pädagogik einen Raum geben. Entsprechend anders als das Programm der grossen Geschwistermesse liest sich jenes von PlayBern: Es stehen beispielsweise der Workshop «Gamedesign für Künstler*innen und Aktivist*innen» oder die Ausstellung «Spiele, die anecken: Unbequemes, persönliches, politisches» auf dem Programm. Am 8. November findet im Polit-Forum Bern ausserdem die Podiumsdiskussion «Was haben Games mit Politik zu tun?» statt. Gemäss Beschreibung werden Fragen behandelt, die angesichts des enormen Aufschwungs von Gaming und E-Sports durchaus als drängend bezeichnet werden können. Zum Beispiel: Ist es möglich ein unpolitisches Spiel zu entwickeln? Wie politisch sind Games? Wie wird Politik darin kommuniziert? Welche Ideologien werden transportiert?

Eine Erwähnung verdient, dass das HeroFest beim PlayBern als Unterstützerin aufgeführt ist. Man scheint sich offenbar mehr als Ergänzung denn als Konkurrentinnen zu verstehen. Mehr Infos zu den beiden Festivals finden sich auf der jeweiligen Website.