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Strassennamen buchstabieren

I wohne anere Strass...

Überall und immer wieder müssen wir angeben, wo wir wohnen. Für viele Leute ist das oft gar nicht so einfach. Weil sie an einer Strasse wohnen, deren Namen im Ausland nicht verstanden wird.

Schildknecht-Strasse auf Italienisch? Missverständnisse sind vorprogrammiert. (Foto: Willi Egloff)

Ich wohne seit 25 Jahren an der Schildknechtstrasse. «Esse – ci – acca – i – elle – di – kappa – enne – e – ci – acca – ti – esse – ti – erre – a – esse – esse – e» muss ich jeweils buchstabieren, wenn ich im Tessin oder in Italien nach meiner Wohnadresse gefragt werde. Bisher habe ich noch kaum jemals erlebt, dass dieser Strassenname korrekt aufgeschrieben wurde. Beim Buchstabieren auf Englisch oder Französisch ist die Bilanz nur unwesentlich besser.

Wahrscheinlich geht das vielen Leuten so, die in Bern wohnen. Wie buchstabiert man in einer Fremdsprache Dählhölzliweg, Fischermättelistrasse oder Knüslihubelweg? Wie macht man jemandem, der kein Deutsch spricht, klar, dass man  am Gryphenhübeliweg, an der Jöggiackerstrasse oder am Maiglöggliweg wohnt? Erklärungsbedarf würde es auch beim Längwiligweg geben, doch scheint es an dieser Strasse im Bremgartenwald keine Wohnungen zu geben.

Mit der Gründung des Zentrums Paul Klee hat sich die Vielfalt der Strassennamen deutlich vergrössert, weil die Wege im Umfeld nach Titeln von Klee-Bildern benannt wurden. Dadurch gibt es jetzt sogar Strassennamen mit Ausrufezeichen («was alles wächst!») und mit Fragezeichen («warum zu Fuss?»). Wie soll man in einer fremden Sprache einen solchen Strassennamen erklären? In der Praxis stellt sich die Frage allerdings nicht, weil es auch an diesen Strassen keine Wohnadressen gibt. Ebenso wenig wie an den Strassen «es promeniert», «Insula dulcamara», «nur auf Umwegen», «statt Beinen Flügel» usw. Nur das «Monument im Fruchtland» ist eine tatsächlich benutzte Anschrift: Monument im Fruchtland 3 ist die offizielle Adresse des Zentrums Paul Klee.

Das Problem des Buchstabierens besteht natürlich auch bei den diversen Strassennahmen, in denen französische Ausdrücke und Namen enthalten sind. Für den Beaulieurain, die Jolimontstrasse, den Monreposweg oder die Monbijoustrasse reicht die Erinnerung an das Schulfranzösisch wahrscheinlich noch aus. Die Choisystrasse oder die Pourtalèsstrasse auf Deutsch zu buchstabieren ist schon schwieriger. Und wie erklärt man an einem Hotelempfang in Deutschland, dass man an der Goumoënsstrasse wohnt?

Da ist es natürlich viel einfacher, wenn jemand an der Bernstrasse wohnt. Eine solche gibt es nicht nur in Bümpliz, sondern beispielsweise auch in Kehrsatz, in Kirchlindach, in Ostermundigen, in Stettlen, in Wohlen oder in Zollikofen. Wenn die Pläne für eine Eingemeindung Realität werden, müssen diese Strassen zur Vermeidung von postalischen Missverständnissen wohl alle umbenannt werden. Ich plädiere für Strassennamen mit möglichst vielen ch, ck, sch oder auch ä, ö, ü.