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Was geht uns Shenzhen an?

Der Kanton Bern hat eine chinesische Partnerstadt: Shenzhen. Laut UNO ist es die am schnellsten wachsende Stadt in der Geschichte der Menschheit. Was bedeutet eine solche Entwicklung für uns? Darüber soll am kommenden Dienstag im Breitsch-Träff diskutiert werden.

Shenzhen gilt als eine der am schnellsten wachsenden Städte weltweit. Blick auf Shenzhen Bay. (Bild: Jonathan Leung; wikimedia commons)

Das Sperrfeuer ist gewaltig: Alle grösseren Tageszeitungen publizieren täglich antichinesische Artikel. Die USA rufen den Handelskrieg gegen China aus, und der Ständerat will den chinesischen Investitionen in die Schweizer Wirtschaft einen Riegel schieben. Selbsternannte Chinakenner und Chinakennerinnen warnen vor der Gefahr aus dem Osten, und auch SP-Nationalrat Molina schwadroniert auf allen Podien von der aggressiven Expansionspolitik Chinas. Was steckt hinter dieser Panikmache?

China hat in sehr kurzer Zeit gewaltige Entwicklungsschritte zurückgelegt. Aus einem landwirtschaftlich geprägten Entwicklungsland ist ein Hightech-Gigant geworden, der schon heute den kapitalistischen Grossmächten die Stirn bieten kann. Hunderte Millionen von Menschen sind aus bitterster Armut befreit worden und haben heute Zugang zu Bildung und bescheidenem Wohlstand. Mit dem langfristig geplanten und umgesetzten Projekt der «Neuen Seidenstrasse» will China nicht nur die eigenen rückständigen Gebiete weiterentwickeln, sondern auch die internationalen Handels- und Kommunikationsbeziehungen grundlegend neugestalten. Sollen wir uns darüber freuen oder uns davor fürchten?

Berns Partnerstadt Shenzhen ist ein sprechendes Beispiel für diese Entwicklung: 1979 war Shenzhen eine ländlich geprägte Kleinstadt mit 30'000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Heute leben dort rund 12 Millionen Menschen, die vorwiegend im Hightech-Bereich und im Dienstleistungssektor tätig sind. Die Stadt Shenzhen erzielt etwa die gleiche Wirtschaftleistung wie der gesamte Staat Norwegen und ist führend im Bereich einer ökologischen Verkehrspolitik: Metro, Trams, Busse, Taxis usw. werden ausschliesslich elektrisch betrieben.

Dass hier eine wirtschaftliche Grossmacht heranwächst, ist offensichtlich. Was aber steht hinter dieser Entwicklung? Entsteht hier auch eine gesellschaftliche Alternative zum Kapitalismus? Öffnet China neue Entwicklungswege auch für europäische Gesellschaften? Darüber wird am kommenden Dienstag um 20.00 Uhr im Breitsch-Träff aus linker und feministischer Perspektive diskutiert.

«Linke Fragen zum Reich der Mitte» heisst die Veranstaltung, welche mit einem Vortrag des ehemaligen Kunstprofessors der Hochschule der Künste Bern, Beat Schneider, eingeleitet wird. Fertige Antworten sind dort nicht zu erwarten, wohl aber eine von Neugier und Unvoreingenommenheit geprägte Diskussion.